Kennen Sie das auch? Der Chef hält eine Rede und da ist von performen, committen, delivern die Rede. Etwas ist einfach nur random und überhaupt, das Projekt soll ASAP – as soon as possible – fertig werden. Alles klar! Finden Sie diese Sprache sympathisch oder gar authentisch? Vermutlich lautet auch Ihre Antwort: Nein. Tatsächlich werden Führungskräfte, die häufig in Phrasen aus der Geschäftswelt reden, als unglaubwürdig, unsympathisch und sogar inkompetent wahrgenommen. Das haben Psychologen der Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden.

Die Forscher hatten mit Probanden verschiedene Versuche durchgeführt, um herauszufinden, welchen Eindruck die Business-Sprache bei den Teilnehmern hinterließ. In einem Experiment lasen die Teilnehmer eine Rede eines Managers an die Belegschaft. Im Text wurden viele Floskeln und Begriffe aus der Geschäftswelt verwendet. In diesem Versuch enthielt die Rede allerdings vor allem deutsche Begriffe.

In einem weiteren Versuch bekam eine weitere Gruppe Teilnehmer die gleiche Ansprache, die außer den gekünstelten Wirtschaftsbegriffen auch noch englische Wörter und denglische Formulierungen enthielt. Und eine dritte Gruppe Versuchspersonen konnte die Rede des Managers in klarer, präziser und einfacher Sprache lesen – die völlig auf Business-Blabla verzichtete.

Die Aufgabe der Teilnehmer war denkbar einfach: Die Versuchspersonen sollten beurteilten, wie die Rede des Managers auf sie wirkte. Fanden sie die Ansprache glaubwürdig? Riefen die Worte Vertrauen in ihnen hervor und wie schätzten sie wohl die Kompetenz der Führungskraft ein?

Das Ergebnis fiel entsprechend aus: Nur der Text, der klar und präzise war und ohne Beschönigungen und Phrasen auskam, wirkte auf die Probanden sympathisch, glaubwürdig. Und nur bei dieser Rede kam der Manager kompetent rüber.

Von High Potentials und Low Performern

Man darf sich fragen, warum Unternehmen dennoch auf eine künstliche Sprache setzen und denglische Verballhornungen gefördert werden? Warum Personaler zwischen High Potentials und Low Performern unterscheiden, warum Coaches Führungskräften erzählen, sie sollten ihre Mitarbeiter mit gezieltem Storytelling dazu bringen, selbst auf prekären Aushilfsjobs noch Passion und Engagement für den Job zu empfinden. Problematisch ist auch, dass in der Arbeitswelt ein unklarer Euphemismus mittlerweile zur Normalität geworden ist. Da werden nicht etwa Mitarbeiter entlassen, sondern sie werden "freigesetzt". Weil Arbeitslosigkeit so viel Freiheit bringt? Aus Unternehmen werden Organisationen, die schlanker werden sollen. Statt einem festen Abgabetermin für eine Aufgabe, heißt es nur, dass "Tasks zeitnah erledigt" werden sollen. Und natürlich will man möglichst nachhaltig und achtsam führen.

Eine Theorie für die unklare, beschönigende Sprache ist, dass der Neokapitalismus eine Vernebelung mittels Sprache erforderlich macht. Immerhin funktioniert Führung heute vor allem indirekt – die Verantwortung wird von oben nach unten delegiert. Indirekte Steuerung wird das auch genannt – die Mitarbeiter sollen am Ende selbst denken wie kleine Unternehmer und nicht merken, wie sie gesteuert werden. Klar, nur so kann sich dann auch echte Passion entwickeln, auch wenn die vermeintliche Leidenschaft für die Arbeit aus der nackten Existenzangst herrührt.

Wie der Studie der Universität Erlangen aber zeigt, merken die meisten Arbeitnehmer das ganz genau. Und nur die wenigsten fallen darauf herein. Besser wäre es, wenn Führungskräfte aufhören würden mit diesem Gequatsche – und die Dinge lieber klar beim Namen nennen. Wer auf eine klare und verständliche Sprache setzt, der begegnet dem anderen auf Augenhöhe. Das verwischt noch keine Hierarchie, trägt aber am Ende zu einem respektvollen Umgang und mehr Ehrlichkeit bei.