Die öffentliche Debatte zu Frauen in Führungspositionen ist groß – und doch bewegt sich viel zu wenig. Wie kommen wir hier endlich weiter? Wenn Frauen endlich lernen, sich stärker mit Machtpositionen zu identifizieren, sagt Heidi Stopper, die nach einer langen Personaler-Karriere zum Coach für Topmanagerinnen und -manager wurde.

Gerade ist ihr Buch Blondinen im Management: Was wir von Frauen im Management lernen können erschienen, das in Zusammenarbeit mit der Kommunikationsexpertin Jane Uhlig entstanden ist und einen humorvollen, aber vor allem auch einen sehr ehrlichen Einblick in das Berufsleben ganz unterschiedlicher Managerinnen gibt, die ihre Geschichten aus dem Berufsalltag, vom Scheitern, Lernen und Gewinnen erzählen.

Wir haben mit Heidi Stopper darüber gesprochen, wie man Macht im positiven Sinne nutzt, welche Denkmuster für viele Frauen in Führungspositionen eine Hürde sind und warum wir nur etwas am Status quo ändern können, wenn wir uns gegenseitig mehr unterstützen.

Frage: Lassen Sie uns über Macht reden. Ein, ganz anders als etwa das englische power, kein wirklich positiv besetzter Begriff. Was bedeutet Macht für dich persönlich?

Heidi Stopper: Ich sehe das differenziert – Macht gibt Spielraum, um etwas verändern zu können. Ohne Macht kann man nichts bewegen. Es ist sicherlich so, dass sich die Deutschen generell etwas schwer mit dem Begriff tun, was überwiegend historisch bedingt ist. Doch man muss auch sagen, dass für Frauen Macht wesentlich häufiger eine negative Konnotation hat als für Männer. Ich persönlich hatte allerdings nie ein Problem mit dem Thema Macht, ganz im Gegenteil: Ich glaube, dass Macht sehr erstrebenswert ist, denn ohne Macht kann man nichts gestalten und nach vorne bewegen. Dies gilt jedoch nur für Macht um der Sache willen, zum Beispiel um Verantwortung wahrnehmen zu können. Machtausübung nur um der Macht willen halte ich für im hohen Maße für schädlich und ich habe leider auch viel Unschönes dazu gesehen. Unsinnige Machtkämpfe können großen Schaden anrichten. Materiell und menschlich.

Frage: Tun sich Frauen schwerer damit, sich mit Machtpositionen zu identifizieren, weil sie schon ab früher Kindheit gelernt haben, dass es besser ist, zu gefallen als anzuecken?

Stopper: Mit Sicherheit hat unsere Erziehung uns sehr geprägt, die meisten von uns sind ja mit diesem "Prinzessinnen-Ding" aufgewachsen. Ich amüsiere mich sehr, wenn ich meine Poesiealben von früher anschaue, die wir in der Grundschule ausgetauscht haben. Da stehen Sprüche drin, bei denen zieht es mir aus meiner heutigen Sicht als 47-jährige Frau die Schuhe aus: "Sei fleißig und rein, bescheiden und fein." Und wir haben uns dabei früher überhaupt nichts gedacht! Heute kann man lachen oder es kann einen schütteln – aber so sind wir aufgewachsen.

Aber auch die Geschichten, die wir alle kennen, haben unser Rollenbild geprägt und in ihnen waren machtvolle Frauen in der Regel nur in negativen Rollen zu finden, wie zum Beispiel als Hexen oder Königinnen, die gerne mal böse oder rachsüchtig gezeichnet wurden. Aber selbst wenn man sich die vermeintlich positive Rolle der Prinzessin anschaut, merkt man schnell, dass auch hier vieles im Argen liegt: Denn sie muss stets gefallen und muss abwarten, bis der Ritter kommt und um sie wirbt – eine ganz passive, ohne jede Macht ausgestattete Märchenrolle. Das steckt zu gewissen Teilen in uns drin. Aber, und da muss ich wirklich appellieren: Macht ist überhaupt nichts Düsteres. Wir Frauen müssen uns daran gewöhnen, uns Macht zu nehmen und auch in Entscheidungsfunktionen Verantwortung zu tragen. Sonst machen es andere und das nicht immer zum Guten.