Stetig steigt die Zahl der Väter, die Elternzeit nehmen. Schon mehr als jeder dritte Mann nimmt einige Monate Auszeit vom Job, um sich um sein Kind zu kümmern. Die Sachsen sind Zahlen des Statistischen Bundesamt zufolge dabei sogar Spitzenreiter: Hier nimmt fast schon jeder zweite Vater Elternzeit.

Und auch bei der traditionellen Aufteilung der Elternzeitmonate zwischen den Partnern hat sich einiges getan. Zwar nimmt immer noch die Mutter den Großteil der Elternzeit, allerdings steigen auch die Zahlen der Väter, die sieben oder mehr Monate Auszeit vom Job machen – und somit den größeren Anteil an der Erziehungsarbeit übernehmen.

Offenbar setzt auch in der Wirtschaft allmählich ein Umdenken ein: Waren in den ersten Jahren nach Einführung der Elterngeldmonate die Befürchtungen gerade bei den Vätern sehr groß, dass die Auszeit ihrer Karriere schade, unterstützen mittlerweile immer mehr Unternehmen Männer, die für die Kinder eine Weile aussetzen.

Allerdings: An der Teilzeitquote der Männer macht sich das noch nicht bemerkbar. Während der überwiegende Teil der erwerbstätigen Mütter in den ersten Lebensjahren des Kindes in Teilzeit arbeitet und teilweise die Arbeitszeit stark reduziert, machen die Väter kaum von Arbeitszeitreduzierung Gebrauch. Im Gegenteil: Nach einigen Monaten Elternzeit kehren sie wieder in Vollzeit zurück. Häufig machen die jungen Väter dann sogar mehr Überstunden, vor allem wenn sie bezahlt werden. Die Vermutung liegt nahe: Eine junge Familie braucht Geld – erst recht, wenn die Mutter die Arbeitszeit reduziert hat und entsprechend weniger verdient.

Ein Jahr Teilzeit = drei Prozent weniger Stundenlohn

Nun stellt eine neue Untersuchung vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung fest, dass Väter zumindest beim Geld keine Nachteile durch Elternzeit befürchten müssen. Das berichtet Wirtschaftspsychologie aktuell. Denn ihr Stundenlohn ändert sich demnach langfristig nicht. Anders ist der Effekt, wenn sich die Männer für eine Arbeitszeitreduzierung entscheiden – die Studie zeigt, dass sie damit den Anschluss an eine gute Lohnentwicklung verpassen. Untersucht wurden Daten aus dem  sozio-ökonomischen Panels und Daten aus dem Panel Familien in Deutschland aus den Jahren 1991 bis 2013. Die Daten zeigten, dass Väter keine Einbußen beim Stundenlohn hinnehmen mussten, wenn sie in Elternzeit gingen – und das unabhängig von der Dauer der Väterzeit. Entschieden sich die Männer dagegen dazu, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, sank auch ihr Stundenlohn. Der Untersuchung zufolge um 0,2 Prozent pro Monat Teilzeitarbeit. Das heißt: Ein Jahr Teilzeit verringerte den Stundenlohn um drei Prozent!

Wie kommt das? Während die Väter nach der Elternzeit den Anschluss im Job schnell schafften und dann entsprechend entweder Tariferhöhungen mitnehmen konnten (weil sie ein Rückkehrrecht auf einen gleichwertigen Job hatten)  – oder eben nachverhandelten, gelang dies den Männern in Teilzeit weniger gut.

Man kennt das aus Untersuchungen zur Frauenerwerbstätigkeit: Wenn Frauen wegen der Familie in Teilzeit wechseln, sind damit oft weniger attraktive Tätigkeiten verbunden. Auch wenn der Arbeitgeber allein wegen Teilzeit Beschäftigte nicht auf weniger qualifizierte Positionen versetzen und dann schlechter bezahlen darf, so bleiben doch häufig Beförderungen oder die Möglichkeit an prestigeträchtigen Projekten mitzuarbeiten aus. Und das hat langfristig negative Effekte auf das Einkommen.

Bei Männern zeigt der gleiche Effekt. Noch nicht untersucht ist, ob er stärker oder schwächer ist als bei den Frauen. Klar ist aber: Solange Arbeitgeber Teilzeitarbeit als weniger wertvoll ansehen und als Zeichen für fehlendes Karriereinteresse werten, so lange werden viele Väter davor zurückscheuen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Und das trägt dauerhaft nicht dazu bei, dass sich Männer und Frauen nach der Familiengründung die Erziehungs- und Erwerbsarbeit gleichberechtigt aufteilen.