Wer das Glück hat, bei einem attraktiven Arbeitgeber zu arbeiten, kennt das vielleicht: Manchmal bekommt man Anfragen von entfernten Bekannten oder Fremden, die einen um Hilfe für die Karriere bitten. Da meldet sich ein alter Bekannter aus Schulzeiten, der einen damals immerzu ärgerte, und man wird plötzlich gebeten, einen Praktikumsplatz für dessen Kind zu organisieren. Oder die Bitte lautet, noch dreister, die Bewerbung des alten Klassenkameraden zu checken und ihm Tipps fürs Bewerbungsgespräch zu geben. Manchmal heißt es auch ganz plump: "Ich gehe davon aus, dass Du Dich für mich einsetzen wirst."

Zwar wird oft geraten, für die Karriere zu netzwerken, was das Zeug hält; Studien zeigen, dass Kontakte hilfreich für die berufliche Laufbahn sind. Doch wer auf Vitamin B setzt, ohne zu bedenken, was der, der den Gefallen tun soll, davon eigentlich hat, macht etwas falsch. Vielleicht hat man Glück und trifft auf jemanden mit einem Helfersyndrom, der nicht nach einer Gegenleistung fragt. In der Regel funktionieren Netzwerke aber nur im gegenseitigen Austausch. Bevor man etwas fordert, muss man selbst etwas geben.

Eine Studie der Universität Toronto zeigt, dass die meisten Menschen beim Networking generell schlechte Gefühle haben. Für die Studie hatten die Wissenschaftlerinnen mehrere Hundert Probanden zu ihren Netzwerkerfahrungen befragt. Die Mehrheit der Befragten gab an, sich schmutzig zu fühlen, wenn sie berufliche Netzwerke nutzen, ohne dem anderen einen Gegenwert bieten zu können. Das schlechte Gefühl ist der Untersuchung zufolge umso ausgeprägter, je niedriger das eigene Karrierelevel ist. Völlig klar: In einer unteren Position hat man in der Regel wenig, was man einem Ranghöheren für Schützenhilfe bieten kann. 

Netzwerker fühlen sich schmutzig

Die Autoren in der Studie schreiben, Netzwerke seien vor allem dann richtig wirksam, wenn die Qualität der Beziehungen gleichwertig ist. Das heißt nicht zwangsläufig, dass Networking nur unter Gleichrangigen funktioniert. Es kann auch sehr wirksam zwischen Berufseinsteigern und Berufserfahrenen, zwischen Mitarbeitern auf den unteren Positionen und Führungskräften sein – Voraussetzung ist aber, dass alle Beteiligte vom Netzwerken profitieren. Für den Ranghöheren können das entweder gute Gefühle sein, etwa weil er helfen kann. Der Austausch mit einem Jüngeren kann, wie etwa in Mentoringprojekten, zur Selbstreflexion anregen. Auch kann die damit verbundene Loyalität und Unterstützung durch den Rangniederen ein Benefit sein.

Kann derjenige, der eine Bitte hat, allerdings nichts anbieten, entwickeln die meisten Menschen Schuldgefühle und fühlen sich unwohl.   

Die Studie stellt auch fest: Je ausgeprägter die schlechten Gefühle waren, desto schlechter war auch die Arbeitsleistung der Probanden.

Und was heißt das für die Karriere? Wer sich ein gut funktionierendes Netzwerk aufbauen möchte, bittet nicht wahllos Menschen um einen Gefallen, sondern macht einen konkreten Plan und tritt in Vorleistung. Dann klappt es auch mit der Karriere.