Kann man wirklich noch ein Start-up im Modereich gründen? Ja, sagt Judith Behmer, solange man eine gute Idee und das nötige Handwerkszeug hat. Das fehlt Modestudentinnen und -studenten aber häufig. Sie seien zwar gut im Design ausgebildet, aber das wirtschaftliche Know-how fehle ihnen. Genau da setzt die Geschäftsführerin an und ebnet Gründungsinteressierten den Weg zum erfolgreichen Mode-Start-up.

Frage: Frau Behmer, Sie beraten junge Unternehmerinnen und Unternehmer im Modebereich dabei, wie sie ein Business aufbauen können. Dabei haben Sie es täglich mit Gründerinnen zu tun. Die Frage, die uns da natürlich unter den Nägeln brennt: Gibt es langsam nicht genug Start-ups im Modebereich? Wann und warum sollte man dennoch gründen? Und was braucht es dafür?

Judith Behmer: Das ist wie in vielen anderen Branchen auch: Ein eigener USP, also ein Alleinstellungsmerkmal, ist erfolgsentscheidend. Ohne den sollte man weder in der Textilbranche, noch in einer anderen Branche ein Unternehmen gründen. Das kann im Mode-Tech-Bereich sein, aber auch für Produkte wie besondere Basics, BHs für große Brüste, bei denen das Design eine große Rolle spielt, oder moderne Businesswear für Damen, die in einem guten Preis-Leistungsverhältnis steht, gibt es einen großen Bedarf auf dem Markt. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht.

Wichtig ist, dass man sich im Anfangsstadium der Gründung unternehmerisches Handwerkszeug aneignet, Branchenerfahrungen sammelt und sich schon im Vorfeld ein branchenübergreifendes Netzwerk erarbeitet. Man sollte gründen, wenn man selber das Gefühl hat, einen Bedarf zu erkennen, den man auch anhand fremder, objektiver Meinungen mit der Unternehmensleistung decken kann."

Frage: Sie haben selbst Modedesign studiert, sich dann aber doch noch für ein BWL-Studium entschieden. Glauben Sie, Modestudierende sollten in dem Bereich besser ausgebildet werden?

Behmer: Ich bin davon überzeugt, dass es großen Nachholbedarf in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung von Modedesignern gibt. Leider trifft hier fehlende Ausbildung auf fehlendes Interesse der meisten Modestudenten, weshalb sich die Entwicklung bestimmt auch nicht besonders beschleunigt. Egal, ob man im Anschluss selbstständig oder angestellt arbeitet, wenn man betriebswirtschaftliche Werkzeuge beherrscht, wird man besser bezahlt, kann seine Arbeit besser an der Zielgruppe ausrichten und versteht, welches System dahintersteckt.

Frage: Worauf sollte bei der Ausbildung denn dringend mehr Wert gelegt werden?

Behmer: An aller erster Stelle betriebswirtschaftliches Wissen, dass den Studenten mit auf den Weg gegeben wird. Außerdem finde ich es aus meiner Erfahrung heraus sinnvoll, dass mehr über den Kollektionsaufbau vermittelt wird. Das wird häufig vernachlässigt. An der einen oder anderen Hochschule mag das anders sein, aber für die Mehrheit sollte das zutreffen.

Frage: Sie haben ein erfolgreiches Fashion-Start-up gegründet und helfen jetzt anderen ebenfalls zum Erfolg. Viele würden ihr Geheimrezept wahrscheinlich lieber für sich behalten. Wie entstand der Wunsch Ihr Wissen zu teilen? Und was ziehen Sie vielleicht selbst daraus?

Behmer: Ich empfinde mein Unternehmen noch nicht als erfolgreich. Wir stehen gerade erst am Anfang. Der Wunsch, Wissen zu teilen, entstand aus der Erfahrung, die ich schon seit bald zehn Jahren immer wieder miterleben musste: Junge Modeunternehmer, die eine gute Idee oder Produkt haben und scheitern. Häufig, weil sie keine Anlaufstelle für ihre Fragen fanden. Das fängt bei unternehmerischen Problemstellungen, zum Beispiel Kapitalbeschaffung, an und geht weiter mit der großen Frage, wie am besten das Produkt bzw. die Leistung vertrieben wird.

Mich persönlich stört dieser Missstand, dass es einfach keine gute Anlaufstelle für junge Modeunternehmen gibt, so sehr, dass ich aus jeder Begleitung persönlichen Mehrwert ziehe. Einen Unternehmer dabei zu begleiten, mit seiner Idee wirtschaftlich erfolgreich zu sein, ist sehr befriedigend.

Frage: Wie schaffen Sie es, Modelabels zum Erfolg zu bringen?