Anette Keuchel und Leoni Beckmann sind die Ideengeberinnen von Restlos Glücklich. © Andreas Chudowski/Restlos Glücklich

Was macht man mit einer Kiste Süßkartoffeln, extrem verzweigten Ingwerknollen, Mangold, Brokkoli, Sojasahne und einigen Schalen voll reifer Heidelbeeren? Das sind die Zutaten, die Daniel Roick heute zum Kochen zur Verfügung stehen. "Ich weiß nie, was ich den Gästen am Abend zubereiten kann", sagt der 27-Jährige. Denn das ist es, was er an seinem Job so liebt: Der gebürtige Lausitzer kocht mit geretteten Lebensmitteln – Karotten, die für die Norm zu krumm sind, Kirschen, die zu klein sind, Zutaten mit Dellen oder braunen Stellen und Produkten, die aus beschädigten Verpackungen stammen. Normalerweise würden diese Lebensmittel im Müll landen, obwohl sie noch genießbar und frisch sind.

Roick zaubert daraus eine Ingwer-Süßkartoffelsuppe, Tofu-Mangoldröllchen, gegrillten Brokkoli mit Kartoffelgratin und Heidelbeerschnitten mit Sojasahne als Dessert. Serviert werden seine Kreationen im Restlos Glücklich – dem ersten Lokal in Deutschland, das sich für eine größere Wertschätzung von Lebensmitteln einsetzt und mit gutem Beispiel vorangeht.

Pate stand dafür das Non-Profit-Lokal Rub & Stub in Kopenhagen. Doch von der Idee bis zur Umsetzung war es ein langer Weg für die Initiatorinnen Anette Keuchel und Leoni Beckmann. Wie geht man das Projekt am besten an, wo stehen Räume zur Verfügung, welche Partner machen mit, welche Geschäftsform macht Sinn, und wie soll das Ganze finanziert werden? 

15.000 Euro in zehn Tagen

Ein Stipendium des Social Impact Labs Berlin half den beiden, ihre Idee binnen acht Monaten zu konkretisieren. Das Team von Restlos Glücklich wuchs, organisierte im April 2015 den ersten Dinnerabend mit geretteten Lebensmitteln und begann mit dem Catering von Veranstaltungen – etwa für den WWF, Oxfam Deutschland oder die Vertretung der EU-Kommission in Deutschland. Kurz darauf folgten Kochworkshops für Kinder und Jugendliche. Ein ehrenamtliches Bildungsteam konzipierte zudem eigene Seminare zum Thema Lebensmittelverschwendung und bewusster Konsum. "Es kam eins zum anderen, alles lief wirklich super", erinnert sich Sozialwissenschaftlerin Beckmann. Nur der Traum vom eigenen Restaurant stand noch aus.

Den nötigen finanziellen Anschub sollte dazu eine vierwöchige Crowdfunding-Kampagne bringen. "Alle haben uns für verrückt erklärt, aber nach nur zehn Tagen hatten wir schon 15.000 Euro zusammen. Damit konnten wir im Herbst 2015 starten", berichtet Keuchel, die hauptberuflich als Fremdsprachenkorrespondentin arbeitet. Insgesamt spendeten mehr als 600 Unterstützer knapp 27.000 Euro.

Restlos Glücklich wählte die Rechtsform des eingetragenen Vereins und fand in Berlin-Neukölln Räumlichkeiten für einen Restaurant-Testbetrieb. Seit Mai 2016 hat das Lokal in der Kienitzer Straße seinen ständigen Sitz – und wurde bereits mit dem Gastro-Gründerpreis ausgezeichnet. Geöffnet ist immer von Mittwoch bis Samstag, an den anderen Tagen nutzt ein Caterer das Lokal.