Bisher galt für viele Beschäftigte in Deutschland: Einmal Teilzeit, immer Teilzeit. Betroffen waren vor allem Frauen, die nach einer Familienauszeit im Job die Arbeitszeit reduzierten, und sich dann für Jahre in einer klassischen Halbtagsstelle wiederfanden – ohne Aussicht darauf, jemals wieder in Vollzeit arbeiten zu können. Nach wie vor wird der Wunsch nach Teilzeit als Absage an die Karriere verstanden.

Das könnte sich nun ändern. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat kurz vor Ende der Legislaturperiode den lang versprochenen Gesetzesentwurf für befristete Teilzeit vorgelegt. Oder anders ausgedrückt: Zumindest rechtlich könnte es bald ein Rückkehrrecht auf Vollzeit geben.

Dieser Rückkehranspruch in Vollzeit ist längst überfällig. Das belegen zahlreiche Studien: In Deutschland arbeiten 47 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit, die meisten davon geben in Umfragen an, dass sie gerne mehr arbeiten würden, aber nicht mehr aus der Teilzeitfalle herauskommen. Das hat auch einen gesamtwirtschaftlichen Schaden. Einer neuen Studie des Beratungsunternehmens McKinsey zufolge entgehen der deutsche Wirtschaft jährlich mehrere Millionen Euro Wachstum durch das brachliegende Wirtschaftspotenzial der vielen Teilzeitmitarbeiterinnen.

Auch Männer würden von einem Rückkehrrecht auf Vollzeit profitieren. Von den erwerbstätigen Männern arbeiten zwar nur neun Prozent in Teilzeit (und immerhin ein Viertel davon unfreiwillig), allerdings geben 60 Prozent der berufstätigen Väter an, dass sie gerne zumindest für eine Weile die Arbeitszeit reduzieren würden – sofern eine Rückkehr in Vollzeit möglich wäre. 

Gesetz könnte Bewusstseinswandel bringen

Ein Recht auf befristete Teilzeit würde insofern beiden Geschlechtern entgegenkommen und könnte langfristig zu mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt führen.

Gleichzeitig könnte ein Recht auf befristete Teilzeit für einen Bewusstseinswandel bei den Arbeitgebern sorgen. Gerade wenn nicht nur Mütter, sondern auch Väter und kinderlose ledige Beschäftigte die Arbeitszeit für eine Weile reduzieren, wird ein Umdenken nötig. Darin liegt die Chance, Teilzeitarbeit von ihrem derzeitigen Makel zu befreien und als eines von vielen anderen Arbeitszeitmodellen zu betrachten, das ebenso flexibel gehandhabt werden kann. In Zeiten des digitalen Wandels und Fachkräftemangels müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten etwas bieten. Sie tun gut daran, in innovative Arbeitsmodelle zu investieren, um Talente langfristig zu halten.