Ich bin ein wenig nervös. Als hätte ich gleich ein Date oder ein Vorstellungsgespräch. Die halbe Nacht konnte ich deswegen nicht schlafen. Gedanken, die immer wieder kamen: Wer sind die Leute, die in mein Zimmer kommen? Was werden sie tun? Könnten sie mich beklauen? Könnte das Treffen unangenehm werden? 

Um 10.30 Uhr klingelt es. Der erste ist Björn Weinbrenner, ein freiberuflicher Softwareentwickler aus Berlin. Er gibt mir die Hand, sagt, er hätte Croissants dabei und geht durch die Tür. "Hast du das schon mal gemacht?", fragt er mich. – "Äh, nein." Björn sagt: "Ich auch nicht."  Er legt seine Jacke ab und ich zeige ihm mein Zimmer.

Was Björn und ich gleich machen ist Hoffice: Coworking in den eigenen vier Wänden, anstatt in einem gemieteten Büro oder in einem Café. In diesem Fall in meinem Zimmer in Ostberlin, wo nicht nur Bett und Schrank stehen, sondern für heute auch ein Tisch und vier Stühle. 

In Skandinavien ist Hoffice längst bekannt. Die Idee hatte der schwedische Psychologe Christofer Gradin Franzén. Als er 2013 an seiner Masterarbeit schrieb, kam er mit seiner Arbeit allein am Küchentisch nicht voran. Darum lud er Freunde ein, um produktiver zu sein. Nach und nach entwickelte sich daraus ein Konzept mit verschiedenen Methoden aus der Wirtschaftslehre und der Psychologie und sogar buddhistische Ideen gehören dazu. Das Ziel: mit klaren Strukturen konzentriert arbeiten, seine Ideen teilen, um sich Feedback zu verschaffen sowie vorhandene Ressourcen zu nutzen. 

Mi Hoffice es su Hoffice?

Als Ressource gilt unter anderem ein vorhandenes Zuhause, in das man einlädt. Laut Franzén stehe jedem jedoch offen, was genutzt wird, wer wen einlädt und wer was mitbringt. Frei nach dem Motto: Jeder haftet für sich selbst.

Seine Idee kam an und verbreitete sich rasch. Nicht zuletzt, weil der heute mittlerweile 37-jährige Gründer eine Facebookgruppe initiierte, auf der sich Hoffice-Nutzer finden können. Franzén schätzt, dass es weltweit mittlerweile um die 120 Hoffice-Gruppen gibt. Mittlerweile wurde auch eine Hoffice-Website gelauncht, auf der alle aktiven Gruppen zu finden sind

Auch ich habe für meine Heimatstadt Berlin auf dieser Website nach einer Gruppe gesucht – am Ende musste ich aber mein Zuhause stellen. Zwar gab es andere Hoffice-Nutzer, aber die hatten alle entweder selbst keinen Platz oder keine Zeit.