Eine ZDF-Journalistin ist vor dem Berliner Arbeitsgericht mit einer Klage für mehr Lohngleichheit gescheitert. Die Reporterin hatte argumentiert, sie erhalte allein wegen ihres Geschlechts eine geringere Vergütung als ihre männlichen Kollegen. Das Gericht sah das anders: Die Klägerin habe keine Tatsachen vorgetragen, die auf eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung bei der Vergütung von Männern und Frauen hindeuten würden, erklärte ein Sprecher.

Die von ihr benannten männlichen Kollegen seien in einem anderen, nicht vergleichbaren Beschäftigungsverhältnis beim ZDF angestellt. Da keine Diskriminierung festgestellt werden könne, stehe der Frau auch keine Entschädigung zu (AZ 56 Ca 5356/15).

Das Gericht urteilte außerdem,  das ZDF sei nicht verpflichtet, seiner langjährigen Mitarbeiterin eine Auskunft über die Vergütung ihrer Kollegen zu geben. Dafür fehle eine gesetzliche Grundlage.

Erfolglose Lohnverhandlungen

Die  Anwälte der Frau veröffentlichten eine Stellungnahme auf ihrer Homepage, in der sie Zweifel an der Neutralität des Richters äußerten. Laut der Kanzlei habe der Richter in der Verhandlung auf eine Frage der Journalistin, warum es Männer in der Redaktion gebe, die weniger Berufserfahrung hätten als sie und trotzdem mehr verdienten, geantwortet: "Weil die Kollegen besser verhandelt haben? Das nennt man Kapitalismus." Auch die Frankfurter Rundschau und der Spiegel hatten darüber berichtet.

Die Journalistin will nun in der höheren Rechtsinstanz Berufung gegen das Urteil einlegen.

Nach Angaben ihrer Anwälte arbeite die Frau seit fast zehn Jahren beim ZDF und habe jahrelang erfolglos versucht, im Einvernehmen mit ihrem Arbeitgeber ein höheres Honorar zu bekommen. Das ZDF habe ihr stets erklärt, das Honorar orientiere sich an Berufserfahrung und Betriebszugehörigkeit. "Dann erfuhr sie, dass auch männliche Kollegen mit weniger Berufserfahrung oder Betriebszugehörigkeit mehr verdienten", schreiben die Anwälte auf ihrer Homepage.

ZDF sieht sich bestätigt – Frauenverbände sind alarmiert

Das ZDF sieht sich nach den Worten eines Sprechers durch das Urteil in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Reporterin "rechtmäßig und tarifkonform" vergütet werde. "Die Vergütung der freien und festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZDF ist weitgehend durch Tarifverträge bestimmt. Geschlecht, Alter, Religion etc. spielen hierbei keine Rolle", sagte er. "Kriterien für die tarifvertraglich festgelegte Vergütung sind vielmehr Aufgabenprofil, Verantwortungsrahmen sowie Berufserfahrung."

Die Vorsitzende des Journalistinnenbundes, Rebecca Beerheide, sagte dagegen, der "unerklärliche Lohnunterschied" sei "aus Sicht eine Diskriminierung von Frauen, die es (...) im Jahr 2017 in Deutschland nicht mehr geben sollte". Barbara Rohm, die Vorsitzende des Vereins Pro Quote Regie, der sich für Frauenrechte in den Medien einsetzt, sagte: "Es bleibt zu hoffen, dass sich andere Frauen nicht davon entmutigen lassen, vor Gericht zu ziehen, wenn sie eine Diskriminierung feststellen."

Künftig soll es einen gesetzlichen Auskunftsanspruch zum Durchschnittsgehalt von Kollegen geben. Das Entgeltgleichheitsgesetz der großen Koalition, das im Frühjahr veraschiedet werden soll, sieht vor, dass Mitarbeiter in Firmen mit einer Stärke ab 200 Mitarbeiter künftig Auskunft darüber verlangen können, was Kollegen in einer vergleichbaren Situation verdienen.