Am Equal Pay Day – in diesem Jahr am heutigen 18. März – machen Frauen in ganz Deutschland darauf aufmerksam, dass der aktuelle Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern 21 Prozent beträgt. Das heißt: Frauen arbeiten 77 Tage im Jahr umsonst. Bei der Zahl handelt es sich um den unbereinigten Gender Pay Gap. Das heißt, verglichen werden alle Stundenlöhne von arbeitenden Frauen mit den Stundenlöhnen arbeitender Männer. Laut Statistischen Bundesamt wird der unbereinigte Gender Pay Gap (GPG) berechnet für alle sogenannten NACE - Gruppen mit Ausnahme der Landwirtschaft, Fischerei, öffentliche Verwaltung, private Haushalte und exterritoriale Organisationen in Betrieben mit mindestens 10 Beschäftigten. Enthalten sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Betrachtet man nur Männer und Frauen in der gleichen Position, mit der gleichen Erfahrung und Qualifikation, ergibt sich nach den neuesten Zahlen immer noch ein Unterschied von sechs Prozent – das ist ein Prozent weniger als im Vorjahr, aber immer noch ein unerklärbarer Unterschied, der offensichtlich auf das Geschlecht zurückzuführen ist. Darum nutzen Aktivistinnen (und Aktivisten) den Equal Pay Day, um mit Diskussionen und Demonstrationen auf den Lohnunterschied und seine Ursachen aufmerksam zu machen. 2017 findet dieser Tag zum zehnten Mal in Deutschland statt. Und auch in vielen anderen Ländern auf der Welt begehen Frauen diesen Tag, der aber von Land zu Land und seinem spezifischen Gender Pay Gap auf ein anderes Datum fällt. Deutschland ist übrigens im EU-Vergleich im hinteren Mittelfeld, denn in vielen anderen europäischen Ländern ist die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen deutlich kleiner.

Initiatorin des Equal Pay Days hierzulande ist die Unternehmerin und frühere Präsidentin derBusiness Professional Women Germany (2010-2016), Henrike von Platen. Ihr und ihren Mitstreiterinnen gelang es, wichtige Unterstützerinnen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft für das Anliegen zu finden. Hier sagen einige dieser Frauen, was sich ändern muss, damit der Equal Pay Day in der Zukunft schon am 1. Januar gefeiert werden kann.

Henrike von Platen, Equal Pay Day-Organisatorin, ehem. Präsidentin von Business Professional Women Germany (2010-2016)

"Der Weg zur Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland muss erst noch gegangen werden und führt über einige Gesetzeshürden: Elterngeld, Frauenquote, Pflegeberufegesetz, Entgelttransparenz – und vieles andere mehr sind dabei wichtige Bausteine. Ich habe die Vision, dass der Siegeszug schon am Neujahrsmorgen 2020 erreicht sein sollte. Dann lassen wir die Korken knallen und feiern den ersten echten Equal Pay Day!" 

Manuela Schwesig, SPD, Bundesfrauenministerin

"Die Lohnlücke von 21 Prozent zeigt: Der Gender Pay Gap geht uns alle an. Ich möchte, dass Frauen genauso fair bezahlt werden wie Männer. Mit dem Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit ist uns deshalb ein echter Durchbruch gelungen. Denn wir bekämpfen eine für mich entscheidende Ursache: die fehlende Transparenz in Entgeltstrukturen. Und wir geben den Beschäftigten das Recht zu erfragen: Warum werde ich bezahlt, wie ich bezahlt werde? Ich hoffe, dass das Gesetz im Sommer in Kraft tritt."

Rita Süssmuth (CDU), Bundestagspräsidentin a. D.

"Die Frauenrechtsbewegung der letzten Jahre hat viel für Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft getan. Trotz bedeutender Fortschritte im politischen Bereich – mit 36,5 Prozent Frauenanteil im Parlament liegen wir über dem EU-Parlament – ist es noch nicht gelungen, den Frauenanteil in Aufsichtsräten deutscher Konzerne zu erhöhen. Es ist höchste Zeit, dass Frauen für gleiche Arbeit gleichen Lohn erhalten."

Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall

"Lohnungleichheit ist ein Gerechtigkeitsthema. Das Entgelttransparenzgesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber die IG Metall fordert Nachbesserungen. Das Gesetz muss auch in Betrieben mit weniger als 200 Beschäftigten gelten. Die Rechte der Betriebsräte sind zu stärken. Für die Arbeitgeber gibt es keine Verpflichtung, die Entgeltstrukturen zu überprüfen und Fehlentwicklungen zu korrigieren. Wir werden das Gesetz nutzen, um uns für mehr Lohngerechtigkeit in den Betrieben einzusetzen."