Frage: Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für Sie Hand in Hand?

Delastik: Weil Frauen knapp 50 Prozent der Weltbevölkerung darstellen, doch nur neun Prozent aller Staaten dieser Erde eine weibliche Regierungschefin oder Staatsoberhaupt haben. Es kann und darf nicht sein, dass beinahe ausschließlich Männer über unsere Zukunft entscheiden. Und solange der besser ausgebildete, kompetentere Kandidat den Job nicht bekommt, weil er eine Frau ist, haben wir noch viel zu tun.

Frage: Was ist entscheidend dafür, dass Netzwerke gut funktionieren und etwas bewegen können?

Delastik: Eine offene und rege Kommunikation, Kritik inklusive. Ansonsten bringt’s wenig. Und natürlich, dass alle Mitglieder sich gegenseitig unterstützen – und nicht nur sich selbst im Blick haben.

Wir müssen unsere eigenen Vorurteile hinterfragen

Frage: Was müssen wir jetzt bewegen, damit die Zukunft sich für alle in eine positive Richtung wendet?

Delastik: Zunächst einmal müssen wir bei uns selbst anfangen und unsere eigenen Vorurteile hinterfragen. Warum zum Bespiel möchten so viele Frauen lieber einen männlichen statt einen weiblichen Chef?

Und dann natürlich: Uns gegenseitig protegieren, einander Mut zusprechen, aber auch Forderungen stellen. Das können kleine Aktionen sein, wie etwa unsere #FrauenVor-Kampagne, durch die sich Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln sicherer fühlen sollen. Flagge zeigen, zum Beispiel bei großen Aktionen wie dem Women’s March. Letztlich geht es darum, sichtbarer und lauter zu werden und Frauenthemen verstärkt ins gesellschaftliche Bewusstsein zu hieven. Erst wenn der öffentliche Druck groß genug ist, wird sich auch auf höherer Ebene etwas ändern.

Frage: Welcher Mann und welche Frau haben Sie in Ihrem Leben besonders inspiriert und wieso?

Delastik:David Bowie war schon immer ein Künstler, der mich inspiriert hat. Sein Tod ist mir sehr nahe gegangen. Bowie hatte Ecken und Kanten, war immer auf der Suche nach neuen Arten, sich auszudrücken, hat viel experimentiert, Talente protegiert und war – das bestätigen alle, die ihn in späteren Jahren getroffen haben – ein wahnsinnig höflicher Mensch.

Eine Frau, die mich seit den Neunzigern inspiriert, ist die Schriftstellerin Siri Hustvedt. Ich war damals Literaturstudentin und anfangs nur neugierig darauf, was ,die Frau von Paul Auster‘ denn so zu Papier bringt. Ich erinnere mich, wie verzaubert und beeindruckt ich von ihren ersten Romanen war. Und auch irgendwie stolz darauf, wie Hustvedt sich mit Intelligenz, Talent und Weiblichkeit aus dem Schatten ihres berühmten Mannes befreite und plötzlich so viel mehr als nur ,die Frau von‘ war.

Mach dir nicht so viele Gedanken darüber, ob andere dich mögen. Die meisten von denen mögen sich noch nicht mal selbst

Frage: Welchen Rat würden Sie heute Ihrem  jüngeren Ich geben?

Delastik: Es gibt ja diesen Spruch: ,If you do what you love, you’ll never work a day in your life.‘ Leider kannte ich den früher noch nicht und hab mich zunächst ganz entgegen meiner eigentlichen Interessen für ein solides Jura-Studium entschieden. Ich wollte auf Nummer Sicher gehen – das hat sich gerächt, ich fand’s superlangweilig und hab dadurch anderthalb Jahre verschwendet.

Einen weiteren Rat, den ich meinem jüngeren Ich geben würde: ,Mach dir nicht so viele Gedanken darüber, ob andere dich mögen. Die meisten von denen mögen sich noch nicht mal selbst.