Die Journalistin und Autorin Mirna Funk sagt: Zukunft kann nur weiblich gedacht werden, denn die Ära der alten weißen Männer steht kurz vor dem Aus. Was sie täglich antreibt und wo wir alle noch anpacken müssen, wenn wir die Zukunft zum Guten verändern wollen, das hat sie uns im Interview erzählt.

Frage: Wann haben Sie zuletzt einen anderen Menschen dazu bewegt, mutig zu sein?

Mirna Funk: Ich versuche das ehrlich gesagt täglich in meinem Umfeld. Ob es ein Rat ist, den ich einer Freundin gebe oder ein Zuspruch für eine Mitarbeiterin. Das können kleine Dinge sein, wie: "Trau dich ruhig, offen zu sprechen!" "Sei energischer!" "Du kannst da mehr Geld fordern!" Seit ich eine kleine Tochter habe, sind die Aufrufe, mutig zu sein, nur noch mehr geworden. Dafür klettert sie wirklich wie eine Weltmeisterin auf jeden Stuhl, jeden Tisch und jedes Klettergerüst.

Frage: Welche Erkenntnis hat Sie im Leben entscheidend weitergebracht?

Funk: Man muss sehr hart arbeiten, um zu erreichen, was man möchte. Damit meine ich aber nicht protestantisches Arbeiten. Sondern eine Form der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema. Es ist die bedingungslose Hingabe an das, was einem am wichtigsten ist.

Frage: Haben Sie sich schon einmal komplett neu erfunden?

Funk: Ja! Immer wieder sogar. Alle paar Jahre. Seit ich älter werde, wird es weniger. Oder sagen wir mal so, es ist nicht mehr so radikal und spektakulär. Aber trotzdem ist es geblieben. Es ist toll. Es ist wichtig. Jeder sollte sich immer wieder neu erfinden. Dazu gehört aber auch Altes abzuwerfen. Das können auch Freunde und Bekannte sein, die man hinter sich lassen sollte.

Frage: Was ist Ihre Super-Power?

Funk: Ambition. Meine Partner haben immer die besten Spitznamen für diese Eigenschaft gefunden: Pit Bull oder Mirna Mussolini. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann bringt mich nichts und niemand davon ab, es zu erreichen. Ich laufe über Wasser, durchbreche Wände. Den Weg zu meinem Ziel sehe ich als Spiel. Wie Schach oder Super Mario. Über Hürden muss ich springen und die Schritte meines Gegners voraussehen. Das heißt, es ist nicht nur der Wille ans Ziel zu gelangen, es ist auch der Spaß daran, dorthin zu kommen.

Frage: Warum gehen die Themen Weiblichkeit und Zukunft für Sie Hand in Hand?

Funk: Weil das Jetzt schon weiblich ist. Soziale Netzwerke sind weiblich. Das Internet ist weiblich. Digitalisierung ist weiblich. Deswegen bäumen sich ja auch die alten weißen Männer gerade noch mal auf. Wie ein Tier kurz vorm Tod. Sie spüren sehr wohl, dass die Zeit für sie gekommen ist.