Es gibt sie – diese Rückholaktionen, bei denen Unternehmen ihre Mitarbeiter, die die Manager im Kostensparwahn zuerst in die Wüste geschickt hatten und anschließend mit viel Geld zurückholen mussten. Weil dummerweise niemand geprüft hatte, ob die Firma deren Know-how nicht doch dringend brauchte.

Wie so etwas passieren kann? Das Muster ist immer dasselbe. Schuld daran seien die Möhren für Top-Manager, die Boni, erzählt der Düsseldorfer Arbeitsrechtler Stefan Röhrborn. Je mehr Personaleinsparungen sie durchziehen, umso höher ihr ganz persönlicher Bonus und umso mehr Euro landen auf ihrem Konto.

Kurzfristiges Denken und Gewinnmaximierung regieren: In der Regel sind dann Unternehmensberater gefragt, die sich die Personalliste vornehmen und meist neben den höchsten Gehältern ein Kreuzchen malen, erzählt der Partner der Arbeitsrechtkanzlei Vangard. Manager seien den jungen Beratern gegenüber erstaunlich gutgläubig. Zwar machten die im Schnitt sehr jungen Berater zwar oft betriebswirtschaftlich Richtiges, hätten aber oft keinen Schimmer davon, was dann operativ am Ende passiert.

Und was passiert? Anwälte wie Röhrborn sind gefragt, Aufhebungsverträge abschließen, betriebsbedingte Kündigungen aussprechen, je nachdem. Oft frage er seine Mandanten dann: "Haben sie eine Idee, wie viel Know-how abfließt?" Doch seiner Beobachtung nach ist das für viele Unternehmen kein Kriterium. Denn den Entscheidern ist das Wohl der Firma auf lange Sicht gegen den Blick aufs eigene Bankkonto auf kurze Sicht dann doch egal.

Rückzahlungspflichten für Manager

Mittlerweile ändert sich allerdings das Bewusstsein. Manager, die ihre Boni nicht verdient haben, sollten sie auch nicht behalten dürfen. In mindestens jedem zweiten Vertrag eines Vorstands steht heute etwas, was vor kurzem noch unbekannt war, erzählt Top-Anwalt Röhrborn: Eine Rückzahlungspflichten für die Manager. Freilich nur für die Boni, das Festgehalt ist tabu – so will es das Gesetz. Claw-Back-Klauseln heißen sie unter Fachleuten und kommen aus den USA. Viele Vorstände verunsichere dies – die Chefs machen sich Sorgen um ihre Boni.