Als Arbeitgeber schicke ich drei meiner Führungskräfte zu einer viertägigen Führungskräftetagung. Die beinhaltet neben der eigentlichen Tagung auch sportliche Aktivitäten, die allerdings privater Natur sind. Das heißt, die Tagungsteilnehmer müssen nicht daran teilnehmen, sondern können diese Zeit auch anderweitig für sich nutzen. Stehen meine Mitarbeiter auch bei den sportlichen Aktivitäten unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung?, fragt Claus Becker.

Sehr geehrter Herr Becker,

oft gehen Mitarbeiter davon aus, dass sie generell einen beruflichen Versicherungsschutz genießen, wenn sie im Auftrag ihres Arbeitgebers unterwegs sind. Das ist aber falsch. Denn Arbeitgeber beziehungsweise die gesetzliche Unfallversicherung haftet nur, wenn ein Unfall im sachlichen Zusammenhang mit der Mitarbeitertätigkeit steht.

Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt © Martin Landsmann/Studioline

Das heißt: Geht ein Mitarbeiter während einer beruflichen Veranstaltung in einer Pause zum Reiten und hat einen Unfall, haftet die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Denn das Reiten hat keinen beruflichen Zusammenhang, sondern ist privater Natur. Steht das Reiten hingegen als Aktivität auf dem Tagungsprogramm (dient es zum Beispiel der Schulung einer Führungskompetenz), haftet im Falle eines Unfalls die gesetzliche Unfallversicherung. Denn das Reiten steht hier in einem beruflichen Zusammenhang.

Ähnliche Erfahrungen machte ein leitender Angestellter, der an einer Tagung teilnahm und beim Skifahren einen Unfall hatte. Die gesetzliche Unfallversicherung erkannte den Skiunfall nicht als Arbeitsunfall ein, weil die Aktivität in der Freizeit stattfand. Unterstützung erhielt die Versicherung vom Hessischen Landessozialgericht, die den Unfall ebenfalls nicht als Arbeitsunfall einstufte (AZ.: L 9 U 69/14).

Ihr Ulf Weigelt