Der Bundesrat hat eine Reform des alten Mutterschutzgesetzes verabschiedet, das noch aus dem Jahr 1952 stammte. Bislang galt, dass werdende Mütter in den letzten sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin eigentlich nicht mehr beschäftigt werden dürfen – und nach der Entbindung bis zum Ablauf von acht Wochen gar nicht. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten galt eine Frist von zwölf Wochen.

Die Arbeitszeitbeschränkungen werden nun gelockert: Auf eigenen Wunsch können Schwangere künftig auch länger bis zur Geburt arbeiten und unabhängig von der Branche mitentscheiden, ob sie an Sonn- und Feiertagen arbeiten wollen. Gleiches gilt für die Beschäftigung in den Abendstunden. Grundsätzlich darf ein Arbeitgeber eine schwangere oder stillende Frau nicht zwischen 20 und 6 Uhr beschäftigen. Künftig ist das bis 22 Uhr möglich, sofern die Frau einwilligt, die zuständige Behörde zustimmt und aus ärztlicher Sicht nichts dagegen spricht. "Der Mutterschutz wird somit zeitgemäßer und passt sich den modernen Anforderungen an", sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).   

Das gilt auch für den Kreis derer, die Anspruch auf Mutterschutz haben: Künftig werden Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen, die ein Kind erwarten, miteinbezogen. Sie können während des Mutterschutzes für verpflichtende Veranstaltungen, Prüfungen oder Praktika Ausnahmen beantragen, ohne deswegen Nachteile zu erleiden.

Mütter von Kindern mit Behinderung erhalten künftig vier Wochen länger und damit insgesamt zwölf Wochen Mutterschutz nach der Geburt. Erweitert wird der Kündigungsschutz auf Frauen, die nach der zwölften Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden. Die Neuregelungen sollen im Wesentlichen ab dem 1. Januar 2018 gelten.