Sabine Kroh liebt ihren Beruf. Aber auch sie musste ihr Arbeitsleben neu organisieren, als vor einigen Jahren die Kosten für die Haftpflichtversicherungen für die meisten Hebammen innerhalb kürzester Zeit zu teuer wurden. Sie zog sich aus dem Rufbereitschaftsdienst zurück, aber betreut nach wie vor junge Mütter einzeln und in ihren Gruppenangeboten. 

Seit 2014 ist Sabine Kroh nicht nur Hauptstadthebamme, sondern auch Gründerin. Die 48-Jährige ist in Berlin als Hebamme tätig, aber auch international – über den von ihr gegründeten Hebammenservice Call a Midwife. Über diese Plattform können Mütter im Ausland via Skype persönliche Betreuung vor und nach der Geburt bekommen. Denn vieles, wenn auch längst nicht alles, lässt sich problemlos über den Bildschirm besprechen. 

Für ihren digitalen Hebammenservice wurde Sabine Kroh gerade mit dem Edition F Award 25 Frauen, deren Erfindungen unsere Welt verändern ausgezeichnet.

Frage: Frau Kroh, Sie sind Hebamme, keine BWLerin. Nun haben Sie ihr eigenes Start-up gegründet. Haben Sie das alles allein gemacht?



Kroh: Nein, ich habe schon jemanden hinzugezogen, der die Seite für uns baut. Aber der hat auch von mir gefordert, dass ich mich mit den Dingen auseinandersetze. Ich hatte ja keine Ahnung von nichts: Customer Journey, USP, was ist SEO oder wie nutzt man Facebook fürs Geschäft. Ich habe mich mit richtig vielen Leuten getroffen, um das alles zu lernen und zu verstehen. Da kommt mein ureigener Ehrgeiz durch.

Frage: Hebammen stehen unter großem finanziellen Druck. Konnten Sie sich die Gründung einfach so leisten?

Kroh: Ich habe weitergearbeitet. Das war schon viel, aber wenn es Spaß macht, arbeitet man ja gerne. Die Gründung habe ich eigenfinanziert. Ich habe auch keinen Kredit aufgenommen, aber ich hatte sehr viel Unterstützung. Und seit April habe ich einen Investor. Er ist aus der IT-Branche, das passt sehr gut zu uns. Ich habe zwei Mitarbeiterinnen, die mich während ihrer Elternzeit freiwillig unterstützen. Sie kriegen kein Geld. Ich habe die beiden während ihrer Schwangerschaft betreut und sie finden das Projekt klasse. Deshalb wollen sie es unterstützen. Das ist wirklich toll, aber da sieht man auch, auf was für einer persönlichen Ebene wir Hebammen arbeiten.

Frage: Was meinen Sie damit?

Kroh: Wir Hebammen duzen die Frauen, die wir betreuen sofort. Ganz schnell kommen wir an den Punkt, wo ich die Frauen nackt sehe. Und in meine Hände übergeben sie ihre Babys! Ob man nun will oder nicht, es ist persönlich. Ich bekomme das als Gründerin immer wieder gezeigt – die Dankbarkeit für die Arbeit einer Hebamme ist eine ganz besondere, eine emotionale.

Frage: Hatten Sie manchmal Zweifel daran, dass ein Onlineservice in diesem Bereich funktioniert?

Kroh: Ich weiß einfach, dass es den Bedarf gibt. Der Bedarf brachte mich ja überhaupt erst auf die Idee. Und auch jetzt kommen ja schon viele Leute über Mund-zu-Mund-Propaganda. Und ich weiß, was ich kann. Ich beherrsche die Dienstleistung, die ich verkaufe. Und wenn alle Stricke reißen, habe ich einen Job. Einen guten Job, in den ich Vollzeit zurückkann. Aber man muss auch etwas riskieren. Entweder man macht es halt, oder man macht es nicht. 

Es gibt Frauen, die sich fragen: Warum nach Übersee orientieren, wenn es in Deutschland immer weniger verfügbare Hebammen gibt? Aber erst einmal bin ich nicht persönlich für das Problem hier verantwortlich und ich habe und hatte nie die Intention, mich von dem bestehenden Problem abzuwenden. Ich arbeite ja weiterhin als Hebamme in Berlin. Ich betreue Frauen und gebe weiter meine Kurse.