Eine Idee kann noch so gut sein – schafft man es nicht, sie rüberzubringen, findet sie kein Gehör. Denn auf der Bühne zählt nicht der Inhalt sondern die Performance. Der Schauspieler, Regisseur, Moderator und Führungskräfte-Coach Severin von Hoensbroech bringt Führungskräften bei, wie sie ihren Auftritt verbessern können. 

Frage: Sie sind Schauspieler, Theaterregisseur und Moderator – nun coachen Sie auch Führungskräfte. Wie kamen Sie dazu?

Severin von Hoensbroech: Ich bin eigentlich studierter Psychologe, bin dann aber ins Schauspiel gegangen und habe jahrelang Filme gedreht sowie auf der Bühne gestanden. Eines Tages kam eine Führungskräfteentwicklerin der Deutschen Bank zu mir und sagte, sie würden Führung gerne mal aus einer anderen Perspektive angehen und ob ich als Schauspieler dafür ein Konzept schreiben könnte. Ich habe dann vorgeschlagen, dass wir mit 43 Führungskräften in ein Hotel fahren, innerhalb von drei Tagen den Sommernachtstraum von William Shakespeare einstudieren und das dann vor der gesamten Belegschaft aufführen. Ich hatte den Vorschlag in der festen Absicht gemacht, dass er abgelehnt wird, doch die haben das tatsächlich gekauft.

Wie befürchtet fanden die betroffenen Führungskräfte das am Anfang gar nicht lustig. Also habe ich ihnen erstmal beigebracht, wie man sich auf einer Bühne verhält. Die meisten glauben, dass dabei vor allem der Inhalt zählt. Der ist auch wichtig, macht jedoch vom Gesamteindruck nur 30 Prozent aus – der Rest ist die Show. Und wenn ich mir so die Standard-Show im Rahmen einer üblichen PowerPoint-Präsentation in einem durchschnittlichen Unternehmen anschaue, dann ist das von der Wirkung her echt überschaubar, da geht noch mehr.

Ich fasse mein Gegenüber an der Schulter an, oder ich tue es nicht – hinter beiden Aktionen steckt ein lesbarer Wirkmechanismus.

Frage: Und wie macht man das?

Von Hoensbroech: Man muss verstehen, was hinter bestimmten Wirkmechanismen steckt. Als Beispiel: Ich muss eine Szene mit einem König inszenieren, der auf einem Thron sitzt und ein Bote kommt herein. Nun muss ich mich entscheiden: steht der König auf oder bleibt der König sitzen? Diese beiden Optionen erzeugen zwei komplett unterschiedliche Situationen, deren Mechanik ich als Regisseur kennen muss, um die Wirkung zu erzeugen, die ich transportieren will. Es geht hier also um die Mechanik hinter Kommunikationsprozessen, die ich den Führungskräften erkläre. Das kann auch sein: Ich spreche mit jemandem und fasse mein Gegenüber an der Schulter an, oder ich tue es nicht – hinter beiden Aktionen steckt ein lesbarer Wirkmechanismus, den wir alle, meist unbewusst, kennen, lesen und einsetzen können.

Wenn ich diese Dinge verinnerlicht habe, dann kann ich diese Mechanismen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im realen Leben anwenden und auch dort Situationen inszenieren. Und genau das habe ich den Führungskräften beigebracht. Der Auftritt wurde tatsächlich ein ziemlicher Erfolg – was auch daran liegen mag, dass es immer lustig ist, wenn der Chef im Schlafanzug über die Bühne geht. Sie haben mich dann gefragt, ob ich diese Übungen zu Wirkmechanismen nicht auch separat im Unternehmen als Coaching anbieten kann. Das war letztlich der Beginn meiner Trainer-Karriere.

Frage: Was ist das Hauptproblem, mit dem die meisten Ihrer Klienten zu kämpfen haben?

 Von Hoensbroech: Die meisten versuchen mit aller Gewalt alles richtig zu machen. Und damit stecken sie sich selbst in ein Korsett, aus dem sie nicht mehr herauskommen. In dem Versuch alles richtig zu machen, geht alle Freiheit und alle Agilität verloren. Und das ist ein riesiges Problem. Denn wenn man es so macht, wie man denkt, man müsse es machen, wird es schwierig Authentizität zu erzeugen– und genau das ist aber in der heutigen Zeit, in der keiner mehr weiß, was echt ist und was nicht, eine der stärksten Wirkmechanismen.

Kommen Sie doch mal nach vorne auf die Bühne und seien Sie mal eine Minute Sie selber.

Frage: Wie vermittelt man denn auf einer Bühne: Ich bin gerade authentisch. In dem man einfach so ist, wie man ist?

Von Hoensbroech: Das große Missverständnis in Bezug auf Authentizität ist, dass die Leute glauben, das sei eine Eigenschaft. Das ist aber gar nicht so. Wenn ich beispielsweise in meinem Workshop frage, was denn Authentizität sei, dann kommt immer zurück: Echt sein oder man selbst sein. Und dann sage ich zu demjenigen: Kommen Sie doch mal nach vorne auf die Bühne und seien Sie mal eine Minute Sie selber. Jetzt.