Katarina Barley ist erst seit vier Jahren in der Bundespolitik und hat gleich in ihrer ersten Legislatur als Abgeordnete der SPD mehrere Karrieresprünge gemacht: Erst Justiziarin der Fraktion, dann Generalsekretärin, im Juni übernahm sie das Familienministerium von Manuela Schwesig. Für diesen Schritt gab es nicht nur Applaus. Insbesondere Frauen aus der SPD kritisierten die Entscheidung, sie kurz vor der Wahl als Generalsekretärin abzulösen. Der Vorwurf: der Wahlkampf der Sozialdemokraten würde wieder von einem "Herrenclub" organisiert.

Frage: Blicken Sie auf die letzten vier Jahre zurück und denken sich: Das war eine steile Karriere?

Katarina Barley: Ja, ich empfinde das so. Denn ich bin als junge Frau nicht in die SPD eingetreten, um Politik zum Beruf zu machen. Ich habe mich sehr wohl gefühlt als ehrenamtliche Politikerin, sowohl auf der kommunalen Ebene als auch bei der inhaltlichen Arbeit. Das war bei mir nicht anders als bei vielen Frauen, die, wenn sie politisch aktiv werden, denken: Ich bleibe mal im Hintergrund. Es war nicht so, dass ich mir das nicht zugetraut hätte, aber es ging mir immer um die Ergebnisse selbst, nicht so sehr darum, das Mikro in der Hand zu haben.

Frage: Haben Sie sich gar keine Gedanken gemacht, was ihr politischer Weg sein könnte?

Barley: Ich habe mir Gedanken gemacht, wo ich inhaltlich gut aufgehoben bin – das ist ein ziemlich sozialdemokratischer Ansatz. Das waren für mich drei Bereiche: Rechtspolitik, Europa und der Bereich, den ich jetzt hier im Ministerium verantworte: Gesellschaftspolitik. Danach habe ich mich ausgerichtet. Mit meinem Start im Bundestag bin ich dann direkt Justiziarin geworden. Damit war ich dann als Neuling direkt im Inner Circle der Fraktion. Aber ich war eindeutig die am besten Qualifizierte dafür. Da war ich selbstbewusst. 

Frage: Auf diese politischen Karrieresprünge haben Sie sich nicht vorbereiten können. Gab es einen Moment, wo Sie angerufen wurde und sich dachten: Eigentlich würde ich lieber das weitermachen, was ich jetzt gerade mache?

Barley: Nein. Aber bevor ich das Angebot angenommen habe, Generalsekretärin zu werden, habe ich klargestellt, dass ich ein ausgleichender und konstruktiver Mensch bin. Immer einen drauf auf die Zwölf – das bin ich nicht. Ich kann aggressiv sein, wenn es an Leidenschaftsthemen geht, so etwa wie bei der Ehe für alle.

Frage: Ist Aggression etwas, das man als Generalsekretärin können muss?

Barley: Ja. Harmoniebedürftige Menschen sind in diesem Amt nicht gut aufgehoben. Es geht aber auch um andere Fähigkeiten, gerade in einer Zeit, in der sich Politik verändert. Es gibt immer mehr Menschen, die sich von der repräsentativen Idee der Demokratie verabschieden. Da muss Politik besser erklären, vermitteln, greifbar machen, sichtbar und verständlich sein. Das ist etwas, was ich gut kann.

Frage: Ist Familienministerin nun der "weichere" Job?

Barley: Ganz und gar nicht. Familienpolitik ist in den letzten Jahren aus der weichen Ecke rausgekommen. Das ist auch ein Verdienst von Manuela Schwesig. Sie hat die Themen als völlig selbstverständlich begriffen und so gesetzt. Denn es geht hier auch immer um ganz harte Fragen wie etwa das Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit und Steuerpolitik – da geht es auch um Wirtschaftsmacht und um Geld.