Beruf der Woche Kämpfer gegen Korruption und Geldwäsche
Sie kämpfen gegen die kleinen und großen Unternehmenssünden, greifen ein, wo Strafen und Schlagzeilen drohen. Doch Compliance Manager sind mehr als Betriebspolizisten
Compliance ist ein Begriff aus der Medizin. Schluckt ein Patient brav seine Medikamente und befolgt die ärztlichen Ratschläge, ist das für den Mediziner eine gute Compliance. Überträgt man den Begriff Compliance auf die Wirtschaft, die Arbeitswelt der Compliance-Manager, dann ist Dirk Scherp eine Art Onkel Doktor. Seine Patienten sind Banken, Mittelständler und Weltunternehmen; die Krankheiten, die er zu diagnostizieren und zu heilen hat: Korruption, Kartellbildung und Geldwäsche.
Per Definition sorgen Compliance-Manager für die Einhaltung von Rechtsvorschriften und ethischen Grundsätzen in allen Bereichen eines Unternehmens. Man könnte gar behaupten: Der Compliance-Manager wahrt die schöne Fassade und kehrt hinter den Unternehmensmauern die brisanten Fälle unter den Teppich.
Dirk Scherp möchte nicht bestreiten, dass das in manchen Unternehmen geschieht. Nach der Jahrtausendwende arbeitete er als Global Head of Compliance und Chief Compliance Officer für die Dresdner Bank AG. Er sorgt sich um das korrekte Verhalten aller Mitarbeiter, vom Angestellten in der Bankfiliale, über die Unternehmensspitze bis zur Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Finanzaufsicht.
Seit einigen Jahren gibt es erste Master-Studiengänge und Fortbildungsprogramme, einen klassischen Ausbildungsweg jedoch nicht. Auch Dirk Scherp ist Autodidakt. Er hatte schon viele Berufe, arbeitete als Polizeibeamter, Staatsanwalt und Professor an einer Verwaltungsfachhochschule. Fächer: Strafrecht, Strafprozessrecht, Polizeirecht. Jeder dieser Jobs hätte ihm später geholfen, sagt Scherp: "Als Polizeibeamter und Staatsanwalt lernte ich das Ermitteln, als Professor das Vermitteln."
Einmal hatte er den Hinweis bekommen, ein übereifriger Mitarbeiter verkaufe unerlaubt Wertpapiere, die dafür nicht zugelassen waren. Scherps Abteilung klärte den Fall gemeinsam mit der Bankenaufsicht auf. Die Strafen reichten von der Abmahnung bis zur fristlosen Kündigung. Compliance-Manager sind zwar keine unternehmensinternen Vollstreckungsbeamten, doch arbeiten sie streng mit Rechts- und Revisionsabteilungen zusammen und sprechen Empfehlungen aus.
Bevor er Compliance Manager wurde, arbeitete Dirk Scherp als Polizeibeamter, Staatsanwalt und Professor an einer Verwaltungsfachhochschule. Im Anschluss war er viele Jahre Global Head of Compliance und Chief Compliance Officer bei der Dresdner Bank AG. Heute ist der 52-Jährige als Rechtsanwalt und Berater tätig.
Im Alltag ist der Compliance-Manager viel mehr Berater als Detektiv. Im Optimalfall begleitet er neue Projekte präventiv und achtet darauf, dass sie von Beginn an innerhalb der gesetzlich und ethisch gesteckten Grenzen umgesetzt werden. Vorbeugen, das ist Scherps Devise. Doch leider, sagt er, werden die Compliance-Manager oft erst gerufen, wenn die Grenzen längst überschritten sind. "Vermeiden kann man das nicht. Wir wollen schließlich nicht in einem Überwachungsstaat leben.“
Umso mehr muss Scherp seine Arbeitgeber verstehen; muss Volks- und Betriebswirtschaft, Dienstwege, Prozesse und Akteure im Unternehmen kennen. Er richtet sogenannte Whistle-Blowing-Telefone ein, damit Mitarbeiter anonym Ungereimtheiten in den Geschäften anzeigen können, er lässt Transaktionen durch Computerprogramme systematisch nach Auffälligkeiten durchsuchen, er zeigt Wege auf, Probleme ohne Verstöße gegen rechtliche und ethische Grundsätze zu lösen. Ein Compliance-Manger ist eine Mehrzweckwaffe. Doch die bleibe stumpf ohne die Unterstützung der Führung. "Positive Unternehmenskultur lässt sich nur von oben etablieren“, sagt Scherp.
- Datum 21.09.2009 - 06:49 Uhr
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- Serie Beruf der Woche
- Quelle ZEIT ONLINE
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Schön wäre diese Möglichkeit-erinnern Sie sich an die Compliance-Leute bei VW?
(Hans Leyendecker GIER)
In Deutschland wird immer noch jede berechtigte Kritik am eigenen Arbeitsplatz als Nestbeschmutzung ausgelegt- sogar in Behörden!
Solange sich z.B.eine Mitarbeiterin einer großen Rentenversicherung nicht traut, kritische Zustände ihres Arbeitgebers anzusprechen (sie fürchtet dann den Verlust des Arbeitsplatzes)-solange dominiert in Deutschland das Geschäft mit der Gier.
Und die Medien-auch die ZEIT- scheuen sich zu oft, dieses heiße Eisen anzupacken und gründlichst zu analysieren!
Wie ist denn in dem Zusammenhang der Abgang von Wolgang Schaupensteiner bei der DB zu verstehen?
Musste der gehen, weil er von der "Bespitzelungsaffaere" wusste und nicht eingriff?
Oder ist er gegangen, weil die von der DB nach der "Bespitzelungsaffaere" sein gesamtes Compliance-Management-System demontieren woll(t)en?
Von ihm selbst habe ich bis jetzt keine Stellungnahme dazu gehoert.
Von der DB auch nicht.
Ist wohl toll misslungen.
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