Business-English Englisch lernen, aber langsam

Nicht nur der Außenminister, auch jeder fünfte Akademiker braucht verhandlungssicheres Englisch für den Job. Crashkurse bringen jedoch selten den gewünschten Erfolg.

Seit Wochen kursiert ein Video von Guido Westerwelle im Netz. Es zeigt den FDP-Vorsitzenden und Außenminister in spe während einer Diskussionsveranstaltung, auf der Englisch gesprochen wird. Westerwelle stammelt ein merkwürdiges Denglisch, spricht von "The Aufschwung is da". Umso größer war die Häme, als sich der FDP-Chef während seiner ersten Pressekonferenz weigerte, einem BBC-Journalisten eine Frage auf Englisch zu beantworten. "Es ist Deutschland hier", wies er den Briten zurecht. Der Verdacht lag nahe, dass Westerwelle verhindern wollte, dass seine bescheidenen Englischkünste ans Licht kommen.

Fast jeder kennt diese Situation, in der man mit einer Fremdsprache glänzen sollte, aber einfach die Vokabeln fehlen. Englisch ist Arbeitssprache, nicht nur für einen designierten Außenminister. Jeder fünfte Akademiker braucht in seinem Beruf verhandlungssicheres Englisch, ergab zuletzt eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Weil bei vielen, selbst hoch qualifizierten das Schulenglisch ab einem bestimmten Karriereschritt nicht mehr ausreicht, rangieren Fremdsprachenkurse unter den Weiterbildungsangeboten ganz oben.

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Lediglich zwei Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland nutzen Weiterbildungsmaßnahmen. Vor allem Mitarbeiter im mittleren Management, die bei international agierenden Unternehmen arbeiten, sollten in der Lage sein, fließend Englisch zu sprechen. "Ich kann mir gut vorstellen, wie Guido Westerwelle sich fühlt", sagt die 33-jährige Birgit Kühn aus Bremen. Die Designerin bezeichnet sich selbst als "vollkommen fremdsprachenunbegabt. Mein Akzent ist grauenvoll und selbst bei Harry Potter habe ich noch so meine Schwierigkeiten", erzählt sie. Trotzdem führt sie seit knapp einem Jahr in einem internationalen Designbüro in Tokio ein sechsköpfiges Team. Ihre Mitarbeiter kommen aus Europa, Asien und den USA – Arbeitssprache ist Englisch.

Der Karriereschritt kam für die Deutsche überraschend. Im Bewerbungsgespräch pokerte Kühn und übertrieb, als es um ihre Sprachkenntnisse ging. "Aber mein Schulenglisch war allenfalls befriedigend und im Studium habe ich nicht weiter daran gefeilt", sagt die Designerin. Deshalb schob sie vor ihrem ersten Tag einen sechswöchigen Sprachurlaub in England ein, um die gröbsten Mängel wettzumachen. Mit immerhin mäßigem Erfolg. Kühn lebte in einer Gastfamilie, paukte täglich mit ihren Mitreisenden sechs Stunden in der Sprachschule. Abends gab es Kulturprogramm. Nach dem Sprachurlaub habe sie sich zumindest erholt und "etwas sicherer" gefühlt, erinnert sie sich.

Leser-Kommentare
  1. Sehr peinlich, dass er kein englisch kann, obwohl er gern Außenminister werden möchte. Die Art, wie er damit umgeht "Zurechtweisung eines britischen Journalisten" um seine Schwäche zu überspielen ist äußerst undiplomatisch und Taktlos. Gepaart mit dem damaligen nicht-reagieren bei dem Versuch der FDP unter der Federführung Möllemans rechts außen zu punkten, gibt es begründete Skepsis, dass in Deutschland ein neues "Teutonentum" gepflegt wird.
    Von einer Arbeitsagentur würde er mit diesen Qualifikationen wahrscheinlich nicht zum auswärtigen Amt als potentieller Außenminister vermittelt werden.

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    der nicht mindestens 1 Fremdsprache fließend beherrscht ist wirklich einfach NUR PEINLICH !

    Niemand würde heutzutage im Jahre 2009 auch nur auf die Idee kommen, jemanden als Botschafter einzustellen, der nicht mindestens Englisch und Französich fließend sprechen und schreiben kann.

    Hauptsache ich hab den Posten als Außenminster und stellvertener BUNDESKANZLER, irgendjemad wird es mir schon übersetzen ?

    Das Ansehen Deutschlands wird in der Welt dadurch nicht steigen.

    der nicht mindestens 1 Fremdsprache fließend beherrscht ist wirklich einfach NUR PEINLICH !

    Niemand würde heutzutage im Jahre 2009 auch nur auf die Idee kommen, jemanden als Botschafter einzustellen, der nicht mindestens Englisch und Französich fließend sprechen und schreiben kann.

    Hauptsache ich hab den Posten als Außenminster und stellvertener BUNDESKANZLER, irgendjemad wird es mir schon übersetzen ?

    Das Ansehen Deutschlands wird in der Welt dadurch nicht steigen.

    • th
    • 01.10.2009 um 16:16 Uhr

    Natürlich wäre es schon, wenn Westerwelle so gut Englisch könnte wie damals z.B. Helmut Schmidt, der ja auch sonst einiges drauf hatte.
    (Das vergessen heute gerne alle die SPD-Basher vom "bürgerlichen Lager")

    Aber ob die erfolgreichen Politiker Berlusconi, Merkel, Sarkozy oder die Brüder Kaczinski fließend und "verhandlungssicher" Englisch parlieren können, ist auch nicht bekannt.

    Die klassische Regel ist, dass ein Regierungsmitglied öffentliche Aussagen in der Landessprache macht, und diese dann von einem Profi übersetzt werden, damit keine Mißverständnisse auftreten. Wenn sich Westerwelle darauf beruft, hat er alles Recht dazu.

    Natürlich geht es auch anders, aber so geht es auch. Ein dummes Denglish mit schlechter Aussprache und schlechter Grammatik wäre sicher schlimmer.

    Die eigentliche Frage ist, wie man eine solche Haltung in der Öffentlichkeit vertritt: freundlich höflich, mit einer lächelnden Entschuldigung ("sorry, my english is somewhat limited", "sorry I'd prefer to answer in my mother tongue, you will get a translation later" etc) oder indem man sich auf Prinzipien beruht ("hier is Deutschland, hier wird gefälligst deutsch gesprochen!").
    Wie immer, macht der Ton die Musik.

  2. der nicht mindestens 1 Fremdsprache fließend beherrscht ist wirklich einfach NUR PEINLICH !

    Niemand würde heutzutage im Jahre 2009 auch nur auf die Idee kommen, jemanden als Botschafter einzustellen, der nicht mindestens Englisch und Französich fließend sprechen und schreiben kann.

    Hauptsache ich hab den Posten als Außenminster und stellvertener BUNDESKANZLER, irgendjemad wird es mir schon übersetzen ?

    Das Ansehen Deutschlands wird in der Welt dadurch nicht steigen.

    Antwort auf "Peinlich ist's..."
  3. Um mal aufs Thema zurück zu kommen, an meiner Uni meinen auch alle Dozenten, Englisch dozieren zu müssen und könntens nicht.
    Easy to learn, hard to master.

    • Liman
    • 23.10.2009 um 8:50 Uhr

    Warum spricht keiner über die schlechten Sprachkenntnisse des Vorgängers STEINMEIER
    (außer dem Spiegel: http://www.spiegel.de/spi...)
    Frau Merkel hat übrigens gute Kenntnisse. Und 1969 war sie Siegerin der Russisch-Olympiade auf bezirksebene!

  4. 6.

    Dass gerade der Herr Leistungsträger Englisch allem Vernehmen nach nur radebrechen kann, erfüllt mich doch mit einer gewissen Schadenfreude.

    Englisch heute einfach eine Selbstverständlichkeit - mag das jeder finden, wie er/sie will. Auch für den Außenminister sollte dies der Fall sein.

  5. Mir ist aufgefallen,daß die meisten deutschen Jugendlichen, und nicht nur Akademiker gut Englisch beherrschen. Bei uns in Frankreich ist es wirklich ein Kuriosum,wie die wenigstens (auch die Akademiker) eine Fremdsprache sprechen können.Dafür haben wir ein Gesetz,um die französische Sprache zu beschützen und vermeiden,daß sie von fremden Termini überflutet wird; zum Beispiel in den Geschäften darf nicht"Walkman" geschrieben stehen sondern "balladeur". Eine fremde Sprache zu beherrschen ist eine langwierige Sache und was den Unterschied macht,ist die Motivation ,sie zu erlernen und sie immer weiter auszuüben,vor allem indem man ins Ausland fährt und die Fremdsprache spricht und hört,die (schlechte Überraschung) eine ganze andere Sprache ist,die man zuhause gelernt hat! Da wir "dank" der Globalisierung nicht mehr nur zu unserem Land sondern auch zu der ganzen Welt gehören,wird es vielleicht für die zukunftigen Generationen selbstverständlich,zweisprachig zu sein...

  6. Wenn sich Dr. Westerwelle beispielsweise als Arbeitsloser um in den ersten Arbeitsmarkt hineinzukommen, auf eine Stellenanzeige in einem kfm. Beruf, sagen wir mal Industriekaufmann, beworben hätte, hätte er mit seinen Englischkenntnissen eine Chance gehabt?
    Wohl eher nicht! Aber für den Außenminister hat es gereicht.

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