Mit elf Jahren betrat sie zum ersten Mal das Unternehmen, mit gerade einmal 40 zieht sie jetzt in die Chefetage ein: Simone Bagel hat künftig beim Waschmittelhersteller Henkel das Sagen. Die Ururenkelin des Firmengründers Fritz Henkel (1848-1930) übernimmt in den kommenden Wochen den Vorsitz in den beiden wichtigsten Gremien der Firma. Die gebürtige Düsseldorferin steigt damit zu einer der mächtigsten Frauen in der deutschen Wirtschaft auf. "Ich will den roten Faden weiterstricken", sagt Bagel mit Blick auf die mehr als 130-jährige Firmengeschichte des Konzerns, der neben Waschmitteln wie Persil auch Klebstoffe und Kosmetik herstellt. Vielleicht werde sie aber hier und da andere Akzente als ihre Vorgänger setzen, "in anderen Ecken kehren".

Mit dem Aufstieg in der Familienhierarchie hat sich das Leben der Mutter von zwei Kindern bereits stark verändert. Simone Bagel spricht von einem Korsett, in das sie schlüpfen muss. Ein Korsett bestehend aus Terminen. In ihrem Kalender stehen schon Einträge bis ins Jahr 2011. Die promovierte Biologin ist seit geraumer Zeit fast jeden Tag im Henkel-Stammwerk in Düsseldorf.

Für ihren bisherigen beruflichen Mittelpunkt, das Forschungsunternehmen Antiinfectives Intelligence in Rheinberg bei Bonn, hat sie dagegen nun deutlich weniger Zeit. Mit 31 Jahren wurde sie geschäftsführende Gesellschafterin des Dienstleistungsunternehmens, das sich mit Antibiotika beschäftigt und zu dessen Kunden große Pharmakonzerne zählen. Forschung ist ein großes Thema, das Bagel nun auch bei Henkel im Blick haben dürfte.

Ich hatte nicht auf der Agenda, einmal ganz oben zu stehen
Simone Bagel

Ob es um Waschen bei niedrigen Wassertemperaturen oder um neue Reinigungsmittel geht, der künftigen Henkel-Chefkontrolleurin sind solche Themen wichtig. Das Spitzenamt wurde ihr allerdings nicht in die Wiege gelegt. Innerhalb der drei Familienstämme gab es durchaus andere Kandidaten, die für diese Posten gehandelt wurden. "Ich hatte nicht auf der Agenda, einmal ganz oben zu stehen", sagt sie. Vielmehr sei sie Schritt für Schritt in diese Aufgabe hineingewachsen.

Erste Erfahrungen als Aufsichtsratsmitglied sammelte sie 1999 bei der damaligen Henkel-Chemietochter Cognis. Zwei Jahre später wechselte sie in das Kontrollgremium des Mutterkonzerns. Seit 2008 ist sie im Gesellschafterausschuss Stellvertreterin von Albrecht Woeste, der nach 19 Jahren am 18. September den Vorsitz an Bagel übergeben will.

Gesellschafterausschuss und Aufsichtsrat? Für Außenstehende ist das eine komplizierte Konstruktion. Das weiß die designierte Chefin beider Gremien. Ändern will sie das nicht. Vertreter von Kleinaktionären hatten angemahnt, aus der Henkel AG & Co. KGaA solle eine normale AG werden. Dank der bisherigen Rechtsform kann die Familie stärker als bei einer AG auf das Unternehmen einwirken. Das Büro von Amtsinhaber Woeste ist direkt neben dem des Vorstandsvorsitzenden Kasper Rorsted. Der kurze Draht soll beim neuen Führungsduo Bagel/Rorsted beibehalten werden. Mit der 40-jährigen Chefkontrolleurin und dem 47-jährigen Vorstandschef wird Henkel die jüngste Chefetage aller Dax-Unternehmen haben. Bagel kann sich im Gesellschafterausschuss auf hochkarätige Berater wie Bayer-Chef Werner Wenning und Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner stützen.

Der Wechsel von der vierten auf die fünfte Generation im Hause Henkel erfolgt in schwierigen Zeiten. Simone Bagel sieht darin kein Problem, der Konzern habe frühzeitig auf die Wirtschaftskrise reagiert. Schon 2008 wurde ein Sparprogramm gestartet, mit dem 1000 Arbeitsplätze allein in Deutschland gestrichen werden. Henkel erzielte 2008 mit 55.500 Mitarbeitern 14 Milliarden Euro Umsatz. Zu Bagels Aufgaben gehört es auch, die Interessen des etwa 150 Mitglieder starken Henkel-Clans zu bündeln, der die Mehrheit der Stammaktien hält.