Mächtige Frauen Eine Frau wie Dynamit

Laurence Parisot, Präsidentin des französischen Unternehmerverbands MEDEF, ist umstritten. Sie schimpft über Manager und hat kein Verständnis für Arbeitnehmerschutz.

Sie ist unscheinbar, aber gefährlich. So beschreiben konservative französische Unternehmer ihre "Chefin" Laurence Parisot. Zierliche 1,60 Meter zwingen die Präsidentin des
Unternehmerverbandes MEDEF, sogar zu Nicolas Sarkozy aufzublicken. Doch wie der klein gewachsene Staatschef weiß auch Parisot sich durchzusetzen. Sie bricht Tabus und Traditionen und erntet dafür von den einen Bewunderung, von den anderen Abneigung, aber nie Gleichgültigkeit. Das Finanzblatt La Tribune nennt sie sogar die "Lara Croft der Reformen".

Laurence Parisot sagt Sätze, die verbale Bomben sind. "Das Leben ist prekär, die Liebe ist prekär: Warum sollte die Arbeit nicht prekär sein?" Gelassen, fast achselzuckend sagt sie das. Laurence Parisot, eine Frau im Krieg, heißt ein Buch über sie. Wer sie sieht, mag das kaum glauben. Die eher dezent gekleidete 50-Jährige wirkt nicht aggressiv, sondern verbindlich.

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Der sehr konservative Baron Ernest-Antoine Seillière hatte Parisot als Quotenfrau in den MEDEF eingeführt. Als sie 2005 für seine Nachfolge als MEDEF-Chef antrat, verlor der alte Herr jedoch die Contenance. Er sagte, sie haben sowieso keine Chancen, weil sie nicht Wirtschaft studiert hat, sondern Jura und Politik. Und weil sie keinen bedeutenden Konzern leitete, sondern das Umfrageinstitut Ifop. Außerdem stieß ihr Werben für einen angelsächsisch-liberalen Kapitalismus im altväterlich geführten Unternehmerlager auf Kritik.

Parisot gewann dennoch. Seither ist vieles anders in Frankreichs Unternehmerlager. Auf dunklen Nadelstreifen-Anzug, Zigarre und arrogante Distanz des Barons Seillière folgten T-Shirt, Blackberry und freche Klappe. "Ich will die Franzosen mit dem Unternehmertum versöhnen", verkündete Parisot und griff den stärksten MEDEF-Industrieverband UIMM an, der wegen einer "schwarzen Kriegskasse" von 617 Millionen Euro in die Schlagzeilen geraten war. "Parisot will den totalen Krieg", erklärte der Ex-UIMM-Chef Daniel Dewavrin schockiert. Sie gewann und mehrere alte MEDEF-Kader mussten gehen.

Provokativ ging Parisot auch die Gewerkschaften an, die gegen die Aufweichung des Arbeitsschutzes protestierten. Ihr Zitat schlug Wellen: "Die Gedankenfreiheit endet dort, wo das Arbeitsrecht beginnt." Doch in der Finanzkrise reicht Parisot den Gewerkschaften die Hand zur Sozialpartnerschaft und bietet ihnen jetzt Gespräche über "die Aufteilung des Mehrwerts" an. Dafür legt sie sich mit der Regierung an, die die Aktienoptionen für Manager beschränken will.

Das hatte das Pariser Establishment nicht erwartet. Denn Parisot galt als "Erbin", der Vermögen und Amt in den Schoß gefallen waren. Ihr Vater war immerhin der Besitzer des größten Möbelherstellers Frankreichs. Es hieß, sie habe durch die Netzwerke ihres Vaters Karriere gemacht. Beziehungen führten sie auch zum MEDEF.

Laurence Parisot äußerte sich immer wieder wütend über die Gier der Manager. "Mit der Haltung 'nach mir die Sintflut' ist Schluss", erklärte sie und forderte "das Ende der Exzesse".  Schärfere Gesetze will sie indes nicht. Ein Ehrenkodex soll reichen. "Wir sind fähig, zu allem Fragen zu stellen: Ethik, Kapitalismus, der Profit und sein Fehlen, Krise, Aufschwung, politische Korrektheit, Freiheit", erklärt sie. Man müsse auch über Kinder sprechen. "Kinder erlauben, die wesentlichen Fragen anzugehen und die Dinge unter einem anderen Blickwinkel und kreativer zu sehen", sagt Parisot. Man soll Denkgrenzen überwinden. Zum diesjährigen MEDEF-Sommerkongress lud sie neben Unternehmern und Politikern auch den polnischen Altpräsidenten Lech Walesa und die frühere britische First Lady Cherie Blair, einen Buddhistenmönch und Ex-Rennfahrer Alain Prost.

 
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