Doping im Job Auf dem Karrieretrip

Doping ist kein neues Phänomen. Schon vor hundert Jahren nahmen Menschen Medikamente, um ihre beruflichen Leistungen zu steigern. Von Markus Thierbach

Schöne, rote Pillen: Schon Soldaten im Zweiten Weltkrieg nahmen leistungssteigernde Mittel ein

Schöne, rote Pillen: Schon Soldaten im Zweiten Weltkrieg nahmen leistungssteigernde Mittel ein

An ihren Premierminister Anthony Eden erinnern sich die Briten aus zwei Gründen: Er trug modische Homburg-Hüte und unter seiner Führung wurde die Sues-Krise 1956 zu einem Debakel. Später räumte er ein, unter Drogen gestanden zu haben. Das Medikament Benzedrin hatte ihn zu Höchstleistungen gebracht.

Die Wirkung wird von den im Mittel enthaltenen Amphetaminen verursacht. Die Substanz unterdrückt nicht nur Schmerzen, sie steigert auch das Selbstbewusstsein. Wer sie nimmt, erlebt ein manisches Hoch. Die Kehrseite des Medikaments sind Nervenschäden und Abhängigkeit. Eigentlich schluckte Eden die Pillen, um damit die Folgen einer Gallenstein-Operation zu behandeln. Doch dann bemerkte er die leistungssteigernde Wirkung. Eden wurde abhängig, seine Dosis steigerte sich – bis sein Verstand vernebelt war und er den Zusammenbruch erlebte. 1957, nach seinem Abtritt, räumte er den Überkonsum ein.

Anzeige
Doping im Job

Konzentrierter, leistungsfähiger und besser gelaunt als alle anderen: Immer mehr Erwachsene nehmen das Medikament Ritalin, um dem Leistungsdruck im Job gerecht zu werden. Einer Studie zufolge soll in Amerika jeder vierte Student und jeder fünfte Professor das Mittel einnehmen. Doping im Job. Für Deutschland gibt es eine Studie der Krankenversicherung DAK. Demnach sollen 800.000 Deutsche regelmäßig Dopingmittel nehmen, um im Beruf zu bestehen. Am beliebtesten ist dabei das Medikament Ritalin, das Kindern mit der Krankheit ADHS verschrieben wird, dicht gefolgt von dem Mittel Modafinil, einem Medikament gegen Tagesmüdigkeit.

Woher die Mittel stammen

Jeder Fünfte bezieht die Pillen über Kollegen, Freunde und die Familie. Über zehn Prozent bekommen den Stoff aber auch aus dem Versandhandel und dem Internet. Im europäischen Ausland sind manche Präparate frei verkäuflich, innerhalb der EU können sie legal bezogen werden.

Wirkungen und Nebenwirkungen

Die Mittel wirken meist stimmungsaufhellend und leistungssteigernd. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu, ebenso die Ausdauer, das Schmerzempfinden nimmt ab. Die Nebenwirkungen sind jedoch teilweise verheerend. So kann die regelmäßige Einnahme psychisch und physisch abhängig machen. Durch plötzliches Absetzen können Verhaltensveränderungen auftreten: Gereiztheit, Hyperaktivität oder Depressionen. Kommt es durch die jahrelange Einnahme zu einer Störung im Dopaminhaushalt eines Menschen, könnten die dann zur Behandlung notwendigen Medikamente zur Erhöhung von Dopamin im Gehirn weniger oder auch gar nicht mehr wirksam sein.

Bekannt war die Wirkung des Medikaments schon in den dreißiger Jahren. Deutsche, englische und US-amerikanische Militärs erprobten das Mittel. Soldaten waren auch nach Gewaltmärschen noch fit, Piloten konnten sich ausdauernder auf Langstrecken konzentrieren. Die Nazi-Soldaten zogen mit dem Amphetamin-Präparat Pervitin in den Krieg. Millionen Tabletten wurden an die deutsche Wehrmacht verteilt, die nun "angstlos und berserkerhaft" kämpfte, wie eine britische Zeitschrift schrieb. Dass die Soldaten auf dieser Droge mitunter völlig von Sinnen waren, schildert der Historiker Nicolas Rasmussen in seinem Buch On Speed. Demnach hatte sich bei Stalingrad eine SS-Einheit kampflos der russischen Armee ergeben. Die Deutschen waren extrem nervös, sie verhielten sich bizarr. Die 100 Männer litten an Wahnvorstellungen. Ihre Munition hatten sie zuvor unter kollektivem Einfluss von Pervitin restlos auf einen unsichtbaren Feind verschossen.

Solche Halluzinationen waren den Militärs natürlich eine unerwünschte Nebenwirkung. Die romantischen Dichter des 19. Jahrhunderts hingegen schöpften ihr kreatives Kapital insbesondere aus phantastischen Wahrnehmungen. Das Mittel ihrer Wahl war Opium. Um 1800 war es ebenso frei erhältlich wie Amphetamin-Präparate es bis in die siebzigerer Jahre des 20. Jahrhunderts waren. Und der Konsum war gleichfalls gesellschaftlich verbreitet wie akzeptiert: "Man genoss es, wie man Kaffee und Tee nahm, als erfreulichen Helfer gegen die Mühsal des Alltags", sagt der Chemiker Matthias Seefelder.

Für das Proletariat war Opium ein Sorgenbrecher, für das Bürgertum Entspannungsdroge und für Literaten ebenso grundlegend für ihre Werke wie Papier und Tinte. E.T.A. Hoffmann, Novalis, Edgar Allan Poe griffen zu der braunen süchtigmachenden Tinktur. Die Droge verlieh den Schriftstellern kreative Höhenflüge, wie ein amerikanischer Abhängiger schrieb: "Wenn ein Mann eine Gabe zur Poesie hat, wird Opium diese fast unwiderstehlich zum äußersten treiben."

So wie bei Samuel Taylor Coleridge, der mit dem Gedicht Kubla Khan berühmt wurde. Inspiriert von einer Reisebeschreibung der Mongolei versank Coleridge 1797 auf Opium in einen stundenlangen Dämmerzustand, in dem er Hunderte Verse voller phantastischer Beschreibungen des fernen Landes reimt. Das Werk, das er nach seinem Erwachen zu Papier bringen wollte, blieb unvollständig: Eine banale Ablenkung ließ ihn den Großteil seines Geniestreiches schlagartig vergessen. Magenkrämpfe, Frieren, Erbrechen: Das war und ist bis heute der Preis für die im Rausch geborenen Visionen. Der Schriftsteller Jean Cocteau beschrieb die Opium-Sucht als "eine Apokalypse zur Gänze in der Sternennacht des menschlichen Leibes".

 
Leser-Kommentare
  1. Tja, Herr Thierbach - hier werfen Sie aber Vieles einfach so durcheinander, als ob Sie einen Selbstversuch unternommen hätten. Sie müssen sich schon entscheiden, ob Sie über originäre Drogen oder Leistungssteigerer (Doping) schreiben. Entscheiden Sie sich für Drogen, ist Ihre Kernaussage (100 Jahre) Unsinn, denn Menschen haben schon immer ein Faible für ihr Bewusstsein. Zielen Sie auf Doping in der Leistungsgesellschaft ab, sollten Sie sich auch auf die entsprechenden Beispiele konzentrieren oder sie müssten Marihuana und LSD auch dazu zählen. Dopen kann man damit im eigentlichen Sinn natürlich nicht - schon gar nicht im Job - doch machen diese Substanzen Einiges besser als es ist und sie gaukeln vor - wie Opium eben auch. Die Nr. 1-Droge, die Sie hätten anführen können, was den beruflichen Kontext von Heute und auch von Gestern betrifft, fehlt übrigens - Kokain.

    Recherche, lieber Herr Thierbach, ist kein Aneinanderreihen von Versatzstückchen und Anekdoten. Und da es sich hier um einen Zeitungsartikel handelt, fehlt mir an diesem auch ein wenig Struktur. Zu welchem Schluss kommen Sie eigentlich? Das Menschen schon vor hundert Jahren Substanzen nahmen, die Sie manipulierten? Wo sind dann die Bauern, die Coca-Blätter kauten und kauen, um trotz Hunger und anderer widriger Umstände leistungsfähig zu sein? Es gibt bessere Beispiele und man kann interessantere Schlüsse ziehen, wenn man sich dem Thema wirklich widmet. Ziehen Sie mal eine Line und starten Sie durch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    für Doping im Beruf ist wohl kaum Kokain - das wird vom nikotin milliardenfach übertroffen.

    Recherche, lieber tiefscharf...;-)

    für Doping im Beruf ist wohl kaum Kokain - das wird vom nikotin milliardenfach übertroffen.

    Recherche, lieber tiefscharf...;-)

  2. für Doping im Beruf ist wohl kaum Kokain - das wird vom nikotin milliardenfach übertroffen.

    Recherche, lieber tiefscharf...;-)

    Antwort auf "Drogen oder Doping?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nun, lieber exsoeldner - dann könnte man es noch weiter runter brechen und anführen, Coffein wäre die Nr. 1 (in welcher Form auch immer). Man könnte auch Vitaminpräparate als Doping hinstellen. Ich wollte es aber mal bei Mitteln belassen, deren Gebrauch heute als regelwidrig gilt - und dazu gehört Nikotin eben nicht - denn man braucht dafür kein Rezept und der Besitz ist auch nicht strafbar.

    Speed und Kokain (ja, man sollte das differenzieren) wird jedoch recht gerne und häufig konsumiert. Und im Gegensatz zu anderen Drogen kann man damit recht gut "arbeiten".

    Nun, lieber exsoeldner - dann könnte man es noch weiter runter brechen und anführen, Coffein wäre die Nr. 1 (in welcher Form auch immer). Man könnte auch Vitaminpräparate als Doping hinstellen. Ich wollte es aber mal bei Mitteln belassen, deren Gebrauch heute als regelwidrig gilt - und dazu gehört Nikotin eben nicht - denn man braucht dafür kein Rezept und der Besitz ist auch nicht strafbar.

    Speed und Kokain (ja, man sollte das differenzieren) wird jedoch recht gerne und häufig konsumiert. Und im Gegensatz zu anderen Drogen kann man damit recht gut "arbeiten".

  3. Nun, lieber exsoeldner - dann könnte man es noch weiter runter brechen und anführen, Coffein wäre die Nr. 1 (in welcher Form auch immer). Man könnte auch Vitaminpräparate als Doping hinstellen. Ich wollte es aber mal bei Mitteln belassen, deren Gebrauch heute als regelwidrig gilt - und dazu gehört Nikotin eben nicht - denn man braucht dafür kein Rezept und der Besitz ist auch nicht strafbar.

    Speed und Kokain (ja, man sollte das differenzieren) wird jedoch recht gerne und häufig konsumiert. Und im Gegensatz zu anderen Drogen kann man damit recht gut "arbeiten".

    Antwort auf "Die Nr. 1"
  4. "in 22 von 28 untersuchten Toiletten des Berliner Reichstagsgebäudes seien Spuren von Kokain gefunden worden."

    ...Und ihr wollt sagen, dass man auf Kokain gut arbeiten kann? Warum machen die dort dann alle so einen Unfug? ;-)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .. sie würden GUT arbeiten.

    Das ist eine Unterstellung.

    .. sie würden GUT arbeiten.

    Das ist eine Unterstellung.

  5. .. sie würden GUT arbeiten.

    Das ist eine Unterstellung.

    • Hugo_P
    • 23.11.2009 um 23:41 Uhr

    ...ist Blödsinn.
    Warum? Irgendwelche Reinigungsmittel sind auch Säuren und schlagen an.
    Also bitte, "urban legend" nennt sich wohl sowas in neudeutsch!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service