ZEIT ONLINE: Frau Pfahl, in Ihrer Studie findet sich immer wieder das Wort Care-Verantwortung. Das klingt freundlicher und leichter als Familienarbeit. Deutet das neue Wort etwa einen Paradigmenwechsel an?

Svenja Pfahl: Der Begriff symbolisiert zumindest ein neues Bewusstsein: Die Fürsorge für die Familie wird nicht mehr länger nur als eine Phase im Leben einer Frau wahrgenommen. Care-Verantwortung meint nicht nur, dass sich Mütter um kleine Babys kümmern. Der Begriff meint den gesamten Bereich der Fürsorge für Familie. Dazu zählt auch die Pflege von Angehörigen. Es sind Themen, die jeden irgendwann in seinem Leben betreffen. Es geht um eine große Frage der Lebenslaufgestaltung von Frauen und Männern.

ZEIT ONLINE: Sie sagen es: Es geht um Männer, die Familie als Teil ihrer Lebensaufgabe verstehen. Kann man ausmachen, wann dieser Bewusstseinswandel eingesetzt hat?

Pfahl: Das ist schon viele Jahre der Fall. Viele Männer finden sich in dem traditionellen Ernährermodell nicht mehr wieder. Männer setzen sich aktiv mit ihrer Rolle als Vater auseinander und haben den Wunsch, intensiv Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Aber die Erwerbsarbeit hat enge Strukturen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen hinkten lange hinter der Lebensrealität der meisten Männer hinterher. Die Einführung des neuen Elterngelds im Jahr 2007 hat nun mit einem großen Schritt einiges verändert. Es sind jetzt nicht mehr nur postmoderne Väter, sondern ganz normale Männer in der Mitte der Gesellschaft, die eine Zeit lang aus dem Beruf aussteigen, um sich um ihre Kinder zu kümmern.

ZEIT ONLINE: Wobei man ja nun nicht sagen kann, dass die Mehrheit der Väter auch intensiv Gebrauch von dieser Möglichkeit macht...

Pfahl: Man kann aber auch keine gigantischen Sprünge erwarten. Vor 2007 nahmen 3,5 Prozent der Väter Elternzeit, jetzt sind es immerhin 18 Prozent und ein weiterer Anstieg ist zu erwarten.

ZEIT ONLINE: Was sind das für Väter?