Selbstvermarktung "Jeder Mensch versucht, ein kontrolliertes Bild von sich zu kreieren"Seite 2/2
Nessmann: Man müsste den Begriff der Moderne genauer untersuchen. Die Zunahme des Selbstmarketings steht im engen Zusammenhang mit dem Neoliberalismus. Da, wo Arbeit zu einem Faktor wird, an dem ein erfolgreiches Leben bemessen wird, definiert sie den Wert eines Individuums. Erst recht, wenn Arbeit zu einem knappen Gut wird. Dann ist die Notwendigkeit, für sich zu werben, um an Arbeit zu gelangen, schwer zu widerlegen.
ZEIT ONLINE: Wie funktioniert Selbstvermarktung überhaupt?
Nessmann: Über persönliche Kontakte oder die Nutzung von Medien. Im ersten Schritt findet eine Analyse statt. Wofür steht der Mensch, was möchte er, was sind seine Stärken und Schwächen? Wie will er wirken? Wie kann erreicht werden, dass er bestimmte Kompetenzen verkörpert? Hier kann mit einer Farb- und Stilberatung, Rhetorikschulungen oder auch Benimmunterricht nachgeholfen werden. Entscheidend ist der aufrichtige Umgang mit Menschen.
Dann geht es in die Öffentlichkeit. Die Bekanntheit wird durch öffentliche Auftritte oder Stellungnahmen gesteigert, etwa durch das Besuchen von Tagungen, Events und Kongressen. Zudem werden die Medien genutzt: eine Website, ein Blog, ein Twitteraccount und weitere Profile in sozialen Netzwerken, in denen sich der Markenmensch klug äußert. Wir nennen das Online-Reputation-Management. Als hilfreich erweisen sich auch Fachpublikationen, Interviews, Expertisen – im besten Fall prominent platziert, sodass möglichst viele Menschen in der jeweiligen Branche von der Person hören. Prominente und Politiker sprechen außerdem die Massenmedien an und treten mit Journalisten in Kontakt.
ZEIT ONLINE: Und was ist mit Authentizität?
Nessmann: Dieser Begriff ist komplex. Ein Mensch wird als authentisch wahrgenommen, wenn seine Aussagen mit seinem Handeln, seinen Taten und seiner Wertehaltung übereinstimmen. Dazu zählt aber auch das Outfit. Erst wenn alles zusammenpasst, empfinden wir jemanden als echt. Im Selbstmarketing geht es darum, alle Facetten eines Menschen so zu unterstreichen, dass das Persönlichkeitsprofil passt. Dabei muss man behutsam vorgehen, darf nicht übertreiben oder Unwahrheiten verbreiten.
ZEIT ONLINE: Aber letztlich geht es um die totale Kontrolle über sich selbst ...
Nessmann: Es geht um Impression-Management, um gezielte Eindruckssteuerung. Aus der Psychologie wissen wir doch, dass sowieso jeder Mensch versucht, ein kontrolliertes Bild von sich zu kreieren.
Karl Nessmann ist Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Klagenfurt. Zu seinen Forschungsgebieten zählt die personenbezogene PR. Die Fragen stellte Tina Groll.
- Datum 20.11.2009 - 07:04 Uhr
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Dass niemand ein [...] sein will, hätte man auch ohne professorale Ausführungen erahnen können. Dass und wie man aber sehr schnell zu einem neoliberalen [...] werden kann, hat dieses Interview eindrucksvoll herausgearbeitet.
Wo Kenntnisse und Fertigkeiten nicht ausreichen, muss das Scheinselbst gefördert werden, um erfolgreich zu sein. Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch. Ich hab mich schon gewundert, weshalb meine Bewerbungen erfolglos blieben.
[Entfernt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
@ Redaktion:
Bitte entschuldigen sie die umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß in meinem Kommentar. Um etwaiges Entsetzen oder eine Fehlvermutung bei Lesern auszuschließen, füge ich hinzu, dass die darin befindliche Öffnung schon meiner Selbstzensur zum Opfer gefallen ist.
@ Redaktion:
Bitte entschuldigen sie die umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß in meinem Kommentar. Um etwaiges Entsetzen oder eine Fehlvermutung bei Lesern auszuschließen, füge ich hinzu, dass die darin befindliche Öffnung schon meiner Selbstzensur zum Opfer gefallen ist.
Man muss von Klein auf an auf sein Image (Bild) achten, eine Biographie nach DIN 08/15 vorlegen, Abitur natuerlich an einem guten Gymnasium, danach Studium, es duerfen nur bestimmte Faecher gewaehlt werden, ein Auslandssemester ist Pflicht, etwas Pseud-soziales Engagement und dann darf man Eintreten in die Gesellschaft.
Wer Erzieher oder Krankenschwester werden will, kann sich die Sache mit dem Studium sparen, der Rest bleibt gleich.
Welche Antworten die Richtigen bei einem Bewerbungsgespraech sind, erlernen wir aus dem Bewerbungsratgeber mit beiliegender Trainings-CD - und alles muss natuerlich schoen authentische wirken...
Mich erinnert das an die Erzaehlungen von "Drueben":
Erst kam man zu den Thaelmannjugend, dann zur FDJ, dann zur Volksarmee und man musste immer brav die Sprueche zur deutsch-sowjetischen Freundschaft aufsagen, ganz so wie heute die richtige Kleidung, die richtigen Xing-Eintraege,
die richtigen Antworten beim Bewerbungsgespraech...
Wer die falschen Eltern hatte konnte drueben nicht studieren, weil die Bezirksleitung das verbot, hier kann man es nicht, wenn Papas Geldbeutel zu klein ist...
Drueben nannte man dieses System totalitaer, weil es den Menschen weitgehend ihren Individaulismus raubte (zumindest in der Oeffentlichkeit). Und wie nennt man das hier?
Es gibt eine Diskrepanz, zwischen der Fremdwahrnehmung durch Dritte als authentisch, ("Ein Mensch wird als authentisch wahrgenommen, wenn seine Aussagen mit seinem Handeln, seinen Taten und seiner Wertehaltung übereinstimmen. Dazu zählt aber auch das Outfit. Erst wenn alles zusammenpasst, empfinden wir jemanden als echt." (Nessmann))und der wirklichen, subjektiven Authentizität enes Individuums. Authentisch i.S.v. frei bedeutet: Positive Verwirklichung des individuellen Selbst. Ein Ratgeber nach dem Motto -"Wie komme ich authentisch rüber?"- ist ein Widerspruch in sich selbst. "Die Angst vor der Freiheit" (Erich Fromm, 1941), wird heutzutage allzuoft mit der Flucht ins konformistische überwunden.
@ Redaktion:
Bitte entschuldigen sie die umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß in meinem Kommentar. Um etwaiges Entsetzen oder eine Fehlvermutung bei Lesern auszuschließen, füge ich hinzu, dass die darin befindliche Öffnung schon meiner Selbstzensur zum Opfer gefallen ist.
Zitat: "...entschuldigen sie die umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß in meinem Kommentar"
Schreib halt Hintern, dann haste keinen Huddel.
"dass die darin befindliche Öffnung schon meiner Selbstzensur zum Opfer gefallen ist". Diesmal sitzt sie, die Wortwahl.
Zitat: "...entschuldigen sie die umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß in meinem Kommentar"
Schreib halt Hintern, dann haste keinen Huddel.
"dass die darin befindliche Öffnung schon meiner Selbstzensur zum Opfer gefallen ist". Diesmal sitzt sie, die Wortwahl.
Zitat: "...entschuldigen sie die umgangssprachliche Bezeichnung für Gesäß in meinem Kommentar"
Schreib halt Hintern, dann haste keinen Huddel.
Guter Tipp, danke!
Wie Martin Luther schon sagte: Aus einem vertagten Hintern kann kein fröhlicher Furz kommen. ;-)
Guter Tipp, danke!
Wie Martin Luther schon sagte: Aus einem vertagten Hintern kann kein fröhlicher Furz kommen. ;-)
Was ist mit den depressiven Mitmenschen, was mit den immer häufiger auftretenden magersüchtigen Mädchen und Jungen? Nessmann greift zu dem Wort "Jeder" in einer Zeit, in welcher die Begriffe "Depression" und ähnliches verstärkt in der Öffentlichkeit diskutiert werden.
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Nur, das Wort "Jeder" stimmt nicht. Es ist ein Totschlagargument für die gerade zögerlich einsetzende Nachdenklichkeit. Er biedert sich damit bei einer Werbebranche an, die sogenannte "wissenschaftliche" Ergebnisse für die Kundenmanipulation braucht. Und damit wird das Interview von Frau Groll genau besehen zum Promotion Act für eine Branche, die an manipulativer Vermarktung verdienen will und diese nicht kritisch hinterfragt sehen will.
Guter Tipp, danke!
Wie Martin Luther schon sagte: Aus einem vertagten Hintern kann kein fröhlicher Furz kommen. ;-)
"dass die darin befindliche Öffnung schon meiner Selbstzensur zum Opfer gefallen ist". Diesmal sitzt sie, die Wortwahl.
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