Frauen in Führungspositionen Sie suchte Gold und fand das Management

Ihre Karriere begann im australischen Outback. Die Geologin Christine Wolff ist die Europa-Chefin des amerikanischen Ingenieur-Konzerns URS.

In ihrer Arbeitswelt ist sie von Männern umgeben – und fast nur von Männern. Christine Wolff ist die Europa-Chefin des amerikanischen Ingenieur-Konzerns URS. Die Managerin und Diplom-Geologin sagt deutlich, was sie antreibt: "Ich versuche nur das zu tun, was ich kann, was mich interessiert und was mir Spaß macht. Für alles andere wäre ein Arbeitstag viel zu lang." 

Schon zu Beginn ihres Geologie-Studiums in Berlin wusste die gebürtige Bremerhavenerin, dass sie als Geologin in Deutschland nur wenige Karrierechancen haben würde. Der Markt ist klein, die Stellen sind rar. Also wählte sie den buchstäblich steinigen Weg bis ans andere Ende der Welt. In Australien entdeckte sie als 25- jährige Praktikantin einer Explorationsgesellschaft ein seltenes Chromerz-Vorkommen. Sie blieb "downunder" und begab sich auf die Suche nach Gold und Diamantenvorkommen. "Nach fünf Jahren hatte ich keine Lust mehr allein im Outback zu arbeiten", sagt sie rückblickend. Zwei weitere Jahre blieb sie in Sydney: "Dann hatte ich Heimweh nach Europa."

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Für ihren neuen Arbeitgeber in Europa, den amerikanischen Ingenieurs-Dienstleister URS, hatte Christine Wolff zwar schon in Australien gearbeitet. Der Wechsel in die Deutschland-Zentrale in Frankfurt wurde dennoch zur beruflichen Wendemarke: "Es war der bewusste Abschied aus der Technikerwelt und die klare Entscheidung zu einer Karriere im Management", sagt Christine Wolff.

Mittlerweile ist sie zur Europe/Middle East-Chefin von URS aufgestiegen und von Frankfurt nach Hamburg umgezogen. Rund 2000 Beschäftigte und etwa 3000 Projekte stehen unter ihrer Verantwortung. In 13 Ländern ist ihr Arbeitgeber als einer der weltgrößten
Ingenieursgesellschaften für Umweltthemen, Architektur und Ingenieurplanung sowie im Hoch- und Tiefbau aktiv. Projekte anbahnen, vorantreiben und kontrollieren, Kontakte zu den Kunden pflegen und zur Unternehmenszentrale halten – ständig muss die Managerin fliegen, um wichtige Termine wahrzunehmen. In Hamburg nutzt sie zum Ausgleich das Fahrrad.

"Ich treffe gerne Entscheidungen", sagt Christine Wolff. Allerdings bedeutet Entscheidungsfreude für sie nicht, immer den Ton angeben zu wollen. "Unser Produkt ist eine geistige Leistung", sagt sie. "Dahinter stecken entsprechend intelligente Köpfe mit starken Charakteren." Solche Kollegen streiten nicht einfach um Ansichten, sondern vertreten wohlbegründete Positionen: "Zu vermitteln und in Konflikten den richtigen Weg für alle zu finden, gehört deshalb zu den wichtigsten Aufgaben."

Christine Wolff strahlt ein gesundes Selbstbewusstsein aus: "Als Technikerin war ich nur gut, als Managerin bin ich deutlich besser." In diesen Worten steckt das Signal an andere Frauen, sich beruflich mehr zuzutrauen: "Auch wenn man gut ist, schafft man die Karriere nicht, indem man darauf wartet entdeckt zu werden." Das Motto: "Tue Gutes und rede darüber" reiche aber nicht für den langfristigen Erfolg aus, erklärt die Managerin. "Wichtig sind auch Freude an der Verantwortung, Entschlossenheit, Selbstvertrauen und der Wille, sich nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen."

 
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