Traditionshandwerk Der Mittelalter-Schmied
Arbeiten wie im Mittelalter: Der Schmied Elias Kalk arbeitet mit jahrhundertealten Werkzeugen. Er fühlt sich dem Traditionshandwerk verpflichtet.
© Britta Picznitzky

Mit Schweiß und reiner Muskelkraft: Der Schmied Elias Kalk arbeitet an der Esse
Funken sprühen. Der riesige Blasebalg schnauft. Viel Kraft braucht Elias Kalk, um den Hebel zu drücken. Jetzt atmet der Blasebalg aus. Der Sauerstoff heizt der Steinkohlen-Esse mächtig ein, lässt grelle orangefarbene Stichflammen in den Abluftschacht ziehen. An der Farbe des glühenden Eisens erkennt Kalk die richtige Temperatur des Eisens. Jetzt wuchtet er den schweren Schmiedehammer, schlägt ihn auf das Metall, bringt es Schlag für Schlag in Form.
Elias Kalk ist Schmied und arbeitet bewusst nach alten, überlieferten Vorgaben. Moderne Gerätschaften sucht man in seiner, nach historischem Vorbild eingerichteten Schmiede vergeblich. Hammer, Amboss, der riesige Blasebalg: Jedes Werkzeug hat schon mindestens 120 Jahre auf dem Buckel – das sorgt bisweilen für Erstaunen unter den Besuchern auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Bremen, auf dem der Mittelalterschmied für einige Wochen gastiert. "Ab und an muss ich erklären, warum mein Amboss nicht wie der typische Amboss aussieht", sagt Kalk. "Dieser hier ist aus dem 17. Jahrhundert, da hatte ein Amboss nicht das heute typische Horn."
Kalk arbeitet so, wie ein Schmied schon vor mehreren Hundert Jahren gearbeitet hat. "Die Arbeit mit Maschinen hat mich nie besonders interessiert", erzählt Elias Kalk. Der Beruf des Schmiedes hat sich über die Jahrhunderte stark gewandelt. 1989 wurden die Berufe Schmied und Schlosser zum Metallbauer zusammengefasst. Werkstätten wie Kalk sie auf dem Mittelaltermarkt errichtet hat, findet man allenfalls noch in Museen oder Kunsthandwerksmärkten. Metallbaubetriebe sind mit modernen Werkzeugen und Maschinen wie mechanische Pressen und Schweißgeräten ausgestattet. Gleichgeblieben sind die Kenntnisse über die Materialien: Wann hat ein Metall die richtige Arbeitstemperatur? Welche speziellen Eigenschaften müssen berücksichtigt werden? Das Wissen hatten schon die Schmiede im Mittelalter.
Trotz der modernen Konkurrenz kann sich Kalk nicht beschweren. Die Auftragslage ist gut. Er hat mit der Präsentation des historischen Schmiedehandwerks eine Nische gefunden – historische Gewänder und Sprechweise inklusive. Mit seiner Liebe zum Traditionshandwerk ist er nicht allein. Es gibt einen Verein mit dem Namen "Ars Vivendi", der historisches Kulturgut fördert, bewahr und weitergibt. Auf historischen Veranstaltungen zeigen die Mitglieder, wie es vor einigen Hundert Jahren zuging. Die Faszination ist groß, auch bei Jugendlichen. Derzeit hat Kalk einen Praktikanten, dem er die nötigen handwerklichen Kniffe des Schmiedehandwerks beibringt. "Neben Gestaltungsvermögen und räumlicher Vorstellungskraft sollte der Schmied auch in einer gewissen Geschwindigkeit arbeiten können und man muss den Willen haben, das Eisen zu zwingen", sagt Kalk.
Auf den Märkten bietet er Kaminbestecke, Kerzenhalter, Gardinenstangen, Treppengeländer und Messer an – nahezu alles, was sich aus Metall anfertigen lässt. Immer wieder kommen Kunden mit eigenen Ideen oder sind auf der Suche nach Dingen, die sie noch von den Großeltern kennen. Solche Interessen werden in der modernen Gesellschaft oft nicht mehr bedient", erzählt der Schmied. Ein besonderes Faible hat Kalk für die Herstellung von Werkzeugen. "Eine Herausforderung stellen die Gerätschaften dar, die auf alten Arbeitstechniken beruhen und im Handel nicht mehr erhältlich sind", erklärt er.
Außerhalb der Marktsaison arbeitet Elias Kalk daheim in der Werkstatt in Norddeutschland, die er in seiner 250 Jahre alten Scheune eingerichtet hat. Dort erledigt er Kundenaufträge. Kalk hofft, dass er noch lange auf diese Art und Weise arbeiten kann. "Ich habe diesen Beruf seinerzeit erlernt und für mich festgestellt: Damit möchte ich alt werden. Und wenn es geht, solange wie möglich nur unter Zuhilfenahme historischer Werkzeuge." Ohne Grund sagt er dies nicht, denn: "Mit über 40 Jahren macht sich langsam das Alter bemerkbar." Die schwere körperliche Arbeit kann man nicht bis ins hohe Alter ausüben. Darum überlegt er, ob er einen automatischen Hammer verwenden sollte. Automatischer Hammer? Das klingt nach Moderne. Fast. Denn das Werkzeug, das sich der Schmied ausgeguckt hat, ist auch schon über 150 Jahre alt.
Arbeitszeit: variiert, je nach Auftragslage
Ausbildung: Damals Schmied, jetzt Metallbauer, Fachrichtung Metallgestaltung genannt
Verdienst: Stundenlohn zirka 25 Euro
- Datum 22.12.2009 - 07:25 Uhr
- Serie Beruf der Woche
- Quelle ZEIT ONLINE
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welchen Kurs die ZEIT jetzt einschlägt. Bis vor kurzem war das das eine fortschrittliches Medium und hat immer für CO2-Abschaffung geschrieben.
Wenn ich jedoch das Bild von der Flamme, der CO2-Schleuder sehe, dann weiß ich auch nicht mehr. Wenn das als Sinnbild für die Zerstörung der Erde dienen sollte, dann wäre es ja in Ordnung. Aber wenn ich den Artikel richtig verstanden haben, dann hat der Autor ja direkt Sympathie für den Klimaverpester.
Unverständlich, gerade jetzt wo die Entwicklungsländer den höchsten Preis zahlen müssen.
... nichts zu Weihnachten bekommen?
Gehen Sie auf den Grund des Meeres und zersetzen Sie sich möglichst Klimaneutral!
... nichts zu Weihnachten bekommen?
Gehen Sie auf den Grund des Meeres und zersetzen Sie sich möglichst Klimaneutral!
Wie ermittelt die Zeit die Stundenlöhne? Welcher Handwerker verdient denn 25 Teuros? Vielleicht verdienen das ein oder 2 Schmiede im unserem Billiglohnland. Das ist doch wieder neoliberales Phantasialand.
Ich kann nur jedem raten „Finger weg vom Handwerk“. Handwerker sind von Status und Verdienst her in Deutschland inzwischen Untermenschen, Minderleister und Leistungsverweigerer. Lasst die Schlauen ihr Zeugs selber schmieden. Dann gibt es Geländer die nichts halten und Messer die nicht schneiden.
Banker, Beamte, Ärzte und naturwissenschaftliche Akademiker, das hat was laut unserem Gehaltsgefüge und unserer Mainstreampresse. Die haben die „Zeit“ auf ihrer Seite.
Man beachte in diesem Zusammenhang auch die Akademikerinnenwurfprämie.
... nichts zu Weihnachten bekommen?
Gehen Sie auf den Grund des Meeres und zersetzen Sie sich möglichst Klimaneutral!
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