Lernen für den Job: Alle reden vom lebenslangen Lernen, aber noch mangelt es an der Umsetzung © William B. Plowman/Getty Images

E-Learning gilt als kostensparende und effiziente Möglichkeit, Mitarbeiter zu schulen und zu qualifizieren. Ob Sprachkurs oder Bürosoftware: Weltweit investierten IT-Firmen in die Entwicklung von E-Learning-Programmen. "Aber bislang bleibt der Erfolg aus", sagt Laura Overton, E-Learning-Expertin in der non-Profit-Organisation "Towards Maturity" in Großbritannien. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Menschen durch den Einsatz moderner Techniken weiterbilden können. Diese Frage wurde kürzlich auch auf internationalen Lern- und Weiterbildungstagung Online Educa Berlin von Experten aus aller Welt diskutiert. Dort herrschte vor allem Ratlosigkeit.

"Viele große Unternehmen setzen E-Learning-Methoden ein – aber nur ein Bruchteil dieser Firmen ist dadurch produktiver und erfolgreicher geworden. Oft nehmen die Mitarbeiter die Angebote auch gar nicht oder nur widerwillig an", sagt Laura Overton. Mehr als 600 Firmen hat sie zum Thema Weiterbildung beraten und eine Studie unter 3000 Angestellten durchgeführt, die sich im Job mit E-Learning-Angeboten fortgebildet haben.

Ist die Idee der ständigen Weiterbildung gescheitert? Nein, sagen Overton und ihre Kollegen. Immerhin: Ein Anfang ist gemacht. In Deutschland nutzen mittlerweile mehr als zwei Drittel aller Unternehmen E-Learning-Methoden, um Mitarbeiter zu qualifizieren. Besonders häufig werden die Techniken im Bereich Office-Lösungen sowie Bürokommunikation, Sprachen und Produktinformationen verwendet. Die meisten Firmen schulen mit solchen Programmen ihre kaufmännischen Mitarbeiter, Manager sowie Auszubildende, so das Ergebnis einer Studie von der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Dass der Einsatz von E-Learning-Programmen nicht erfolgreich ist, liegt nach Ansicht der Wissenschaftler jedoch nicht an den Programmen, sondern an der Art und Weise, wie Unternehmen sie einsetzen. "Die meisten Firmen wollen mehr für weniger. Sie wollen mehr Erfolg, Innovation und Gewinn bei weniger Zeit, Personal und Kosten", sagt Laura Overton. Firmen führen neue Arbeitssysteme ein, um Personal abzubauen und Kosten zu sparen. Diejenigen, die im Unternehmen bleiben, müssen den Umgang mit neuen Techniken lernen, ob sie wollen oder nicht. Eingespielte Arbeitsabläufe werden zerstört. Das frustriert die Mitarbeiter, die Produktivität sinkt, die Offenheit etwas Neues zu lernen, ebenfalls. 

Laura Overton hält das für den Anfang des Misserfolgs. Ihr geht es nicht darum, den Fortschritt aufzuhalten. "'Dann würde ich mich nicht seit vielen Jahren mit E-Learning beschäftigen", sagt sie. Sie wünscht sich eine Arbeitswelt, in der eine Kultur des lebenslangen Lernens etabliert ist – und in der die Unternehmen erfolgreich sind, die Menschen aber glücklich, weil sie immer wieder Neues lernen können und nicht allein als Humankapital verstanden werden.

Overtons Untersuchungen haben auch gezeigt, dass die Unternehmen, die E-Learning-Programme gezielt einsetzen, einen Wettbewerbsvorteil haben – und ihre Mitarbeiter sind zufriedener.

"Bevor eine Veränderung eingeführt wird, die eine Schulung voraussetzt, sollte das Unternehmen eine gründliche Analyse der Bedürfnisse und dem Möglichen durchführen", rät sie. Das Top-Management müsse entscheidende Fragen klären wie: Was wird erneuert, welches System wird neu aufgelegt, warum müssen die Mitarbeiter geschult werden und mit welchen Tools lassen sich welche Inhalte vermitteln zu welchem Nutzen?