Beruf der Woche Der Trecker-Bauer

Ein Job mit allerbesten Jobchancen: Agraringenieure entwickeln landwirtschaftliche Geräte und sind auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt

Trecker und mehr: Agraringenieure sind gefragt und werden gesucht. Sie entwickeln Geräte und optimieren die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft

Trecker und mehr: Agraringenieure sind gefragt und werden gesucht. Sie entwickeln Geräte und optimieren die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft

Nur auf die Gunst des heiligen Wendelinus verlässt sich keiner mehr. Wendelin? Das ist der Schutzpatron der Landwirte. Doch der allein reicht nicht mehr. Moderne Landwirtschaftsbetriebe sind hochmechanisiert und stehen anderen Unternehmen in technischer Ausstattung und Produktionsmethodik in nichts nach. Für die technischen Geräte ist der Agraringenieur zuständig. Er entwickelt neue Gerätschaften, Anbau- und Tierhaltungsmethoden. "Die Beschäftigungsmöglichkeiten für den Agraringenieur sind sehr breit gefächert", sagt Friedhelm Taube, Professor am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Universität Kiel.

Agraringenieure arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen: Ob nun Landschaftsbau, Berater für Planung und Optimierung der Arbeitsabläufe in landwirtschaftlichen Betrieben, Gutachter für Behörden oder als Ansprechpartner in Marketing- und Vertriebsfragen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen oder Forschung und Entwicklung. Agraringenieure arbeiten bei Zuliefererbetrieben, etwa für Agrartechnik, in der Futtermittel- oder der chemischen Industrie, beispielsweise bei der Produktion von Kunstdünger. "Der Forschungssektor ist ein wichtiger Zweig, um mehr Effizienz bei der Produktion von Lebensmitteln zu erzeugen", sagt Taube. Selbst in ganz fremden Branchen sind die Kenntnisse von Agraringenieuren hilfreich. "Versicherungen greifen gern auf den Agraringenieur beispielsweise als Experte zur Einschätzung von Hagelschäden an Pflanzen zurück", sagt Friedhelm Taube. Und natürlich können die Landwirtschaftsexperten auch Bauernhöfe führen.

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Die Ausbildung erfolgt über ein Studium, in dem unter zahlreichen Schwerpunkten ausgewählt werden kann. "Im Grundstudium geht es zunächst hauptsächlich um den Ausbau des Grundlagenwissens in Physik, Chemie und Biologie. Im Hauptstudium kann der angehende Agraringenieur dann aus einem der vier Teilbereiche Nutzpflanzenwissenschaften, Nutztierwissenschaften, Umweltwissenschaften und Agrarökonomie wählen und sich darauf spezialisieren", erklärt Taube.

An vielen Hochschulen und Universitäten ist ein Praktikum im landwirtschaftlichen Bereich vor Beginn des Studiums Bedingung für die Zulassung zum Studium. "Ungefähr 20 Prozent der Studenten kommen mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung in den Studiengang", sagt Taube. Innerhalb des Studiums ist häufig ein weiteres, mehrmonatiges Praktikum vorgesehen. Nach dem Bachelorabschluss können die Landwirtschaftsingenieure einen Master aufsatteln und eine Promotion in Agrarwissenschaften anstreben.

Der Beruf des Agraringenieurs ist im Übrigen kein klassischer Männerberuf. "Beinahe 60 Prozent unserer Studierenden sind Frauen", sagt Taube nicht ohne Stolz. Und die haben mit Abschluss des Studiums, ebenso wie die männlichen Absolventen, sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Der Agrarbereich ist von der derzeitigen Wirtschaftskrise nahezu verschont geblieben", sagt der Professor. Die Jobchancen seien beinahe schon zu gut. "Es ist mittlerweile schwierig, gute Doktoranden zu bekommen, weil uns die Industrie die Studenten mit lukrativen Jobangeboten weglockt."

  • Arbeitszeit: 40 bis 50 Stunden in der Woche
  • Ausbildung: Studium
  • Gehalt: ab ca. 40.000 Euro im Jahr, abhängig von Einsatzgebiet und Qualifikation
 
Leser-Kommentare
  1. Soweit mir bekannt ist, konstruieren Maschinenbau-Ingenieure Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen. Das werden sie natürlich in enger Zusammenarbeit mit Agrarpraktikern tun, ob das Ingenieure sind, ist zweitrangig dafür. Sie müssen vor allem praktische Erfahrung haben und diese kommunizieren können. In der Forschung der großen Maschinenbau-Konzerne wird für Agraringenieure und deren Doktores durchaus Platz und Betätigungsmöglichkeit sein. Man wird aber wenn es irgend geht immer mit Versuchsgütern der Unis und Fhs zusammenarbeiten.

  2. Es gibt auch die Fachrichtung Agrartechnik innerhalb des Studiums der Agrarwissenschaften. Die Universität Hohenheim bietet sogar einen Masterstudiengang Agrartechnik an. Absolventen dieser Vertiefung können sehr wohl auch Aufgaben in der Konstruktion von Landmaschinen übernehmen, die sonst eher Maschinenbau-Ingenieuren zugeschrieben werden.

  3. Allein von der Beschreibung erscheint mir der Begriff "Ingenieur" an dieser Stelle als Euphemismus.
    Jeder, der sich Ingenieur nennen darf, hat zumindest Grundkenntnisse in der Technischen Mechanik, Konstruktionselemten und Maschinenelemente, oder zumindest entsprechende Fächer der Elektrotechnik.

    Die Beschreibung hier hört sich für mich eher nach einem studierten Bauern an. Und Bauern habe ich noch keine Maschinen konstruieren, höchstens reparieren, sehen.

    Einzelne Aufgaben in der Konstruktion machen mich noch nicht zu einem Ingenieur. Das kann auch das Kaffee holen sein.

  4. Hier möchte ich auch kurz einhaken: Sehrwohl sind Agraringenieure bei Landmaschinenherstellern anzutreffen. Allerdings obliegt die maschinenbauliche Umsetzung auch dort primär Ingeneuren der fahrzeugbaulichen, bzw. einer artverwandten Fakultät des großen Bereiches „Maschinenbau“. Viele Ingeneure aus der letztgenannten Gruppe haben dennoch oft Affinitäten zum landwirtschaftlichen Bereich. Dies kann auf der Herkunft beruhen, wenn z.B. jemand auf einem Hof aufwuchs. Darüber hinaus möglich ist, dass sich im pers. Werdegang Verquickungen zwischen verschiedenen Bereichen ergeben, in dem beispielsweise nach einer landw. Berufsausbildung ein Maschinenbaustudium absolviert wurde. Auch nicht gänzlich verkannt werden kann der durchaus vorhandene technische Anteil in landwirtschaftlichen Ausbildungen. Vor allem in der landw. Berufsausbildung liegt ein Akzent im Bereich Metallbearbeitung; Überhaupt sind handwerklich-technische Kenntnisse insbesondere für den bäuerlichen Berufsalltag essentiell. Allerdings, für ein Agrarstudium gilt solches nicht mehr in der Art und Weise, als dass dort wahrhaft Kenntnisse eines Konstrukteurs vermittelt werden würden. Deswegen findet sich der Agraringenieur in der Landmaschinenindustrie vorzugsweise an vielen Schnittstellen: Kundenbetreuung, Vertrieb, Kontakt zur Praxis überhaupt, dann sei da die Planung und Durchführung von Versuchen, sowie Bewertungen des Leistungsvermögens von Maschinen unter (land-)wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

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