Geld sammeln An einem Tag zum Spenden-Profi
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Fundraising ist harte Arbeit

Am Nachmittag schwirrt vielen der Kopf. Hilde Gaus spult in der Kaffeepause Steuertipps und Rechtliches ab. Firmen brauchen für Sponsoring Rechnungen. Spendet ein Fleischer Würstchen, die auf einem Sommerfest verkauft werden, soll er besser auf eine Spendenbescheinigung verzichten: Denn Spenden dürfen nicht für wirtschaftliche Tätigkeiten verwendet werden. Und: Die Wirkung von Benefizveranstaltungen zur Spenderbindung dürfe nicht unterschätzt werden. "Merken Sie sich das!", sagt Gaus. "Die ist wahnsinnig professionell!", raunt eine Teilnehmerin bewundernd und gleichzeitig resignierend. Eine andere hat schon vor der Mittagspause beschlossen, einen freien Fundraiser einzukaufen. "Das schafft unser Verein allein im Leben nicht selbst. Das ist ja irrsinnig viel Arbeit!", sagt die Frau. "Jaja, Fundraising ist besonders in den ersten Jahren extrem harte Arbeit", sagt Hilde Gaus.

In der letzten Stunde werden die letzten noch offenen Fragen gestellt. Eigentlich gibt es kaum welche. Alle sind erschöpft und haben realisiert: Fundraiser wird man nicht an einem Tag. Kein Wunder, dass es so wenige gibt. Aber nicht alle sind enttäuscht. Der Mann von der Gedächtniskirche nimmt wichtige Anregungen mit, sagt er. Die Frau von der Kunstsammlung wird sich auf dem Nachhauseweg die richtige Strategie überlegen, und zwei weitere von sozialen Einrichtungen überlegen sogar, die zweijährige Fortbildung zu machen. Ich dagegen verwerfe meinen Plan, professionelle Geldsammlerin zu werden. Als ich mein Fahrrad aufschließe, funkelt mir etwas vom Boden entgegen: ein Zwei-Euro-Stück. Ich sammle es auf. Na bitte, Geldsammeln lernen an einem Tag, geht doch.

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Leser-Kommentare
  1. Das ekelt mich irgendwie an.

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    @boeserfuchs: Schon mal schlecht gemachte Spendenwerbung gesehen? Oder auch eine peinliche Bitte um Mitarbeit in einem eigentlich ganz sympathischen Verein? - Sowas ist wirklich "abstoßend", und zwar in einem für die betreffende Institution existenziell bedrohlichen Sinn: Es stößt nämlich genau diejenigen ab, die mit einer vernünftigen Ansprache möglicher Weise hätten geworben werden können.

    Da finde ich den "Gelbe Seiten"-Ansatz, jemand zu fragen, der etwas davon versteht, deutlich sympatischer.

    @boeserfuchs: Schon mal schlecht gemachte Spendenwerbung gesehen? Oder auch eine peinliche Bitte um Mitarbeit in einem eigentlich ganz sympathischen Verein? - Sowas ist wirklich "abstoßend", und zwar in einem für die betreffende Institution existenziell bedrohlichen Sinn: Es stößt nämlich genau diejenigen ab, die mit einer vernünftigen Ansprache möglicher Weise hätten geworben werden können.

    Da finde ich den "Gelbe Seiten"-Ansatz, jemand zu fragen, der etwas davon versteht, deutlich sympatischer.

  2. @boeserfuchs: Schon mal schlecht gemachte Spendenwerbung gesehen? Oder auch eine peinliche Bitte um Mitarbeit in einem eigentlich ganz sympathischen Verein? - Sowas ist wirklich "abstoßend", und zwar in einem für die betreffende Institution existenziell bedrohlichen Sinn: Es stößt nämlich genau diejenigen ab, die mit einer vernünftigen Ansprache möglicher Weise hätten geworben werden können.

    Da finde ich den "Gelbe Seiten"-Ansatz, jemand zu fragen, der etwas davon versteht, deutlich sympatischer.

    Antwort auf "Abstoßend"
  3. Netter Artikel, so geht es in 1-2-Tagesseminaren wirklich zu. Entweder schreckt es ab oder motiviert, sich besser und intensisiver mit der Thematik auseinanderzu setzen.
    Da aber viele eher resigniert abgeschreckt oder selbstüberschätzend der Meinung sind, nun hätten sie alle zu berücksichtigten Bereiche durchdrungen und Stolpersteine identifiziert, tummeln sich so viele Scharlatane auf diesem Markt. Provisionen sind unethisch - Fundraising-Wissen ist aber Geld wert, nur, wie rechnen wir das ab? Bei EU-Fördermitteln kann man sich nie sicher sein, daß der Antrag auch bewilligt wird, wie also das "Honorar" kalkulieren und realisieren? Fundraising-Stellen werden wenig ausgeschrieben. Oft sind sie mit unrealistischen Erwartungen verbunden, so als bringe man sein Gehalt gleich mit. Zu hoher Erfolgsdruck in zu kurzer Zeit. Das gilt nicht für die Großen wie WWF, NABU, Rotes Kreuz etc. Da funktionieren alle Formen, Einzelspenden, Bußgelder und auch das unbeliebte Erschaftsmarketing. Aber wichtig ist die Arbeit für kleine Vereine, die sich mit tabuisierten Themen beschäftigen. Dafür braucht es engagierte FundraiserInnen, die kreativ sind, über ein gutes Netzwerk verfügen - und das kann man nicht in einem Tagesseminar erlangen. Also, entweder sich als Institution selbst qualifizieren oder freiberufliche Fundraiser beauftragen - es gibt dank einiger guter langfristiger Ausbildungen, immer mehr...

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