Der Schriftsteller Johannes K. Soyener bei der Frankfurter Buchmesse: Als Johannes Loohs arbeitete er bis zu seinem 58. Lebensjahr als leitender Angestellter bei einem internationalen Pharmakonzern © Johannes K. Soyener

Muss man immer den Beruf ausüben, den man einmal erlernt hat? Keineswegs. ZEIT ONLINE stellt in den kommenden Wochen Menschen vor, die in einer zweiten Karriere ihre wahre Berufung gefunden haben. Den Auftakt macht in dieser Woche der Romanautor Johannes K. Soyener. Bis zu seinem Renteneintritt arbeitete der bekannte Schriftsteller als leitender Angestellter im Außendienst eines Pharmaunternehmens.

Einfach neu durchstarten: ZEIT ONLINE stellt Menschen vor, die mitten in ihrem Berufsleben eine zweite Karriere begonnen haben © Pierre Andrieu/AFP/Getty Images

Wer Menschen kennt, die noch einmal eine zweite oder sogar dritte Karriere gestartet haben, darf Vorschläge sehr gerne an die Redaktion richten.

ZEIT ONLINE: Herr Soyener, oder sollte ich besser sagen Herr Loohs, wenn Sie einen Namen und einen Beruf angeben müssten, welcher wäre das dann?

Johannes K. Soyener: Ich heiße Johannes K. Soyener und bin Schriftsteller.

ZEIT ONLINE: Fast 60 Jahre lang waren Sie allerdings Johannes Loohs und Chemie-Ingenieur. Sie sind für ein internationales Pharmaunternehmen als leitender Angestellter im Außendienst durch die Welt gereist. Waren Sie so unglücklich in diesem Beruf, dass Sie am liebsten nicht mehr daran erinnert werden möchten?

Soyener: Im Gegenteil, ich habe meinen Beruf sehr gemocht, ich habe ja auch richtig Karriere gemacht. Diese zweite Karriere als Schriftsteller war nie geplant. Man kann so eine Laufbahn sowieso nicht planen, es hat sich eher zufällig ergeben. Allerdings habe ich schon seit meiner frühen Jugend immer gerne geschrieben.

ZEIT ONLINE: Und Sie haben sich fürs Segeln interessiert. Das Thema war sozusagen Ausgangspunkt Ihrer zweiten Karriere.

Soyener: Ja, das kann man so sagen. Ich habe als Jugendlicher damit angefangen. Ich interessierte mich auch fürs Hochseesegeln und die Seeschifffahrtsgeschichte, besonders für die Seekriegsgeschichte im 16. und 19. Jahrhundert.

ZEIT ONLINE: ... ein Spezialthema ...

Soyener: Exakt. Über viele Jahre habe ich mir alles dazu angelesen. Wie waren die Schiffe gebaut, wie wurden sie gesegelt, welche Anforderungen wurden an Matrosen und Offiziere an Bord gestellt? Wie wurde navigiert in jenen Zeiten, wie hielt man die Disziplin an Bord aufrecht? Wie waren die politischen Umstände, wo die Werften, wo die Gießereien? So stieß ich auf einen Innsbrucker Gießer, der nach London ging, um England 1588 gegen die Spanische Armada zu unterstützen.

ZEIT ONLINE: Das ist der Romanstoff Ihres ersten Bestsellers. Wann haben Sie ihn aufgeschrieben?

Soyener: Das war erst gar nicht meine Absicht! Ich hab mir das alles rein aus Hobbyinteresse angelesen, fast 20 Jahre lang recherchiert. Irgendwann wurde ich vom Lions Club München, bei dem ich Mitglied war, gefragt, ob ich nicht mal einen Vortrag über diese Geschichte halten wolle. Das habe ich getan – und die Leute haben wie gebannt zugehört. Ein anderes Mitglied brachte mich auf die Idee, daraus einen Roman zu machen – und er brachte mich mit Bekannten von ihm zusammen, die bei einem Verlag arbeiteten.