Beruf der Woche Professionell im Boden wühlen
Indiana Jones als Beamter: Die meisten Archäologen sind im öffentlichen Dienst angestellt. Bevor es für sie ans Ausgraben geht, muss gründlich recheriert werden.
© David Silverman/Getty Images

Archäologe bei einer Ausgrabung
Knifflige Rätsel in unterirdischen Katakomben und tödliche Fallen, die einen sagenhaften Goldschatz bewachen: Geprägt durch die Vorgabe von Hollywoods Filmfabriken hat der Laie eine klischeebehaftete Vorstellung vom Beruf des Archäologen. Der Begriff heißt Altertumskunde – und ist zumindest bei sehr wissenshungrigen Kindern ein häufig genannter Traumberuf. "Das Berufsfeld der Archäologie beschränkt sich nicht nur auf das Aufspüren und Ausgraben von Artefakten", sagt Ortwin Dally, Generalsekretär des Deutschen Archäologischen Instituts und Honorardozent im Fach Klassische Archäologie an der Freien Universität Berlin.
Statt wie Indiana Jones mit Schlapphut und Peitsche um Schätze zu kämpfen, arbeiten die meisten Archäologen hierzulande im öffentlichen Dienst. Beamter statt Abenteuerheld. Aufgrund der oft begrenzten Ressourcen können nicht alle studierten Archäologen direkt an der Feldforschung teilnehmen. Doch was genau tun die Archäologen im öffentlichen Dienst? Sie recherchieren und zwar am Schreibtisch. "Vom Impfen der Mitarbeiter über die Zusammenstellung der Ausrüstung bis hin zum Besorgen der Visa: Auch diese Arbeiten übernehmen Archäologen. Dafür wird viel Zeitmanagement und Organisationstalent benötigt", sagt Dally.
Nicht nur vor, auch nach der Expedition wird wieder am Schreibtisch gearbeitet: Für die Katalogisierung, Konservierung und Archivierung von Fundstücken sind ebenfalls Archäologen verantwortlich. "Den klassischen Archäologen gibt es eigentlich gar nicht, denn Archäologen arbeiten in vielen unterschiedlichen Bereichen", klärt Dally auf. Und hier kommen wir Indiana Jones schon etwas näher: Neben der klassischen Forschung gehören auch Lehrtätigkeiten an Universitäten dazu. Außerdem arbeiten Archäologen in Bibliotheken, wo sie zuständig für die Beschaffung von Fachliteratur sind. In Museen koordinieren sie Ausstellungen, sie arbeiten auch in Landesämtern für Archäologie und Bodendenkmalpflege, als Redakteure für Fachpublikationen oder als Mitarbeiter bei Grabungsfirmen, die bei Feldarbeiten engagiert werden.
Innerhalb der Archäologie gibt es viele Fachrichtungen, beispielsweise die Ägyptologie, die christliche, vorderasiatische oder klassische Archäologie. "Jede Fachrichtung widmet sich einer bestimmten Epoche oder Kultur. Die Archäologie ist ein sehr breites Feld mit vielen Wissensgebieten", sagt Dally.
Und was ist nun mit Grabungen? Sie sind und bleiben die Kerntätigkeit. Bei der Feldforschung kommt der Archäologe aber nur mit Schaufel und Spitzhacke längst nicht mehr aus. Vielmehr bedient sich der Archäologe heute moderner Technik. "Der Boden wird mittels Geomagnetischer Messungen wie beim Röntgen durchleuchtet. Anhand der gewonnenen Aufnahmen lassen sich auf diese Weise sogar ganze Gebäude finden", erklärt Ortwin Dally. Ein weiteres Hilfsmittel ist die Luftbildarchäologie. Ja, Luftbild – also ganz weit weg vom Boden. Mit Hilfe solcher Luftaufnahmen lassen sich großflächige Strukturen im Boden ausmachen und so untergegangene, historische Fundstätten leichter feststellen.
Die Ausbildung ist anspruchsvoll. Ein Studium ist grundlegend. Der angehende Archäologe benötigt umfangreiche Sprachkenntnisse, je nach Spezialisierung in Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch, Spanisch und Russisch. Dazu kommen Latein oder Alt-Ägyptisch. Auch Soziologie und Ethnologie gehören zum Inhalt des Studiums. Zudem ist ein ausgeprägtes Gedächtnis für Formen und Bilder notwendig. Während des Studiums wird vom Studenten erwartet, dass sie viele praktische Erfahrungen sammeln. Sie arbeiten bei Grabungen mit. Weil das sehr teuer ist, gibt es für Archäologiestudenten besondere Stipendien. Doch meistens müssen die Kosten selbst bezahlt werden.
Das Studium endet nach vier bis fünf Jahren mit dem Bachelorabschluss, die Spezialisierung auf einen Fachbereich erfolgt im Master-Studiengang. Reine Hobbyarchäologen haben im Übrigen keine Chance, ihr Steckenpferd zum Beruf machen zu können. Überhaupt findet nur ein geringer Teil der Archäologen im Anschluss an das Studium einen Job. "Einigermaßen gute Jobchancen hat man nur durch eine Promotion", sagt Dally. Das klingt ernüchternd. Aber auch wenn die Perspektiven nicht allzu rosig sind: Gute Archäologen gehen ihren Weg. Denn auch die Reisebranche, die immer mehr Expeditionsreisen anbietet, greift gern auf das Wissen der Archäologen zurück.
- Gehalt: variiert, im öffentlichen Dienst zw. 3500 und 4700 Euro/Monat
- Arbeitszeit: variiert
- Ausbildung: Studium/Promotion
- Datum 05.02.2010 - 17:05 Uhr
- Serie Beruf der Woche
- Quelle ZEIT ONLINE
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