Lassen sich Vollzeitarbeit und Familie miteinander vereinbaren? ZEIT ONLINE stellt Menschen vor, die neue Wege für eine Vereinbarkeit von Kind und Karriere probieren. Im zweiten Teil der neuen Serie erzählt der ehemalige Beamte Manfred Schreiber, wie er durch einen Schicksalsschlag zum alleinerziehenden Vater von vier Töchtern wurde und wie er am Spagat zwischen Familie und Beruf scheiterte, aber eine neue Herausforderung in der Familienpolitik fand. Wer Menschen kennt, welche die Herausforderung zwischen Job und Familie gemeistert haben, darf sich gernean die Redaktionwenden.

ZEIT ONLINE: Herr Schreiber, im Hintergrund rufen Kinder. Sind das Ihre Enkel?

Manfred Schreiber: Ja, das ist mein Enkelkind und andere Kinder. Ich bin gerade mit meiner Tochter und meinem Enkelkind auf dem Spielplatz.

ZEIT ONLINE: Sie können es also nicht lassen, was?

Schreiber:(lacht) Ja. Für meine Enkel will ich natürlich da sein.

ZEIT ONLINE: So wie Sie es vor 30 Jahren für Ihre Kinder waren. Sie haben vier Töchter alleine großgezogen und mussten dafür viele Kompromisse im Job machen. Wie kam das?

Schreiber: Die Entscheidung war unfreiwillig, wie wohl bei den meisten Männern. Ich hätte den Ausstieg aus dem Beruf und das Leben als Vater und Hausmann wohl nicht geführt, wenn ich es nicht gemusst hätte. Männer wechseln die Rolle nur, wenn sie es müssen oder ungewöhnliche Situationen haben, in denen sie sich das erlauben können. Ich kam in diese Situation, weil meine Frau bei der Geburt unserer Zwillinge gestorben ist.

ZEIT ONLINE: Ein schwerer Schicksalsschlag. Sie hatten bereits Kinder?

Schreiber: Ja, wir hatten schon zwei Töchter, die eine war 6, die andere 3 Jahre alt. Ich war damals 37 Jahre alt und stand auf einmal da mit vier kleinen Kindern. Der Oberarzt der Entbindungsstation, wo das geschah, wollte mir helfen und hat ein sehr langes Gespräch mit mir damals geführt und sogar vorgeschlagen, dass ich die Kinder auch in ein Heim geben könnte. Aber das wäre für mich nicht infrage gekommen. Mein Vater allerdings, der hat mir später einmal gesagt, dass er wohl so gehandelt hätte. Er hätte nicht das gemacht, was ich gemacht habe.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich der Verantwortung gestellt und die Kinder allein großgezogen. Wie haben Sie das bewerkstelligt, gerade in der ersten Zeit, mit zwei kleinen Säuglingen und zwei sehr kleinen Kindern?