Ein langer Weg
ZEIT ONLINE: Profitieren Ihre Töchter heute davon, dass sie diesen Rollentausch an ihrem Vater erlebt haben?
Schreiber: Meine Töchter haben alle studiert, zwei sind schon selbst Mutter – aber sie leben nicht völlig andere als die gesellschaftlich verbreiteten Rollenaufteilungen, nur weil es in Ihrer Kindheit nur einen Vater zu Hause gab. Meine Schwiegersöhne haben zwar die zwei Monate Elternzeit genommen, und kümmern sich dadurch um ihr Kind auch später noch, soweit der Beruf es erlaubt, aber es sind doch meine Töchter, die für die Erziehung ihrer Kinder überwiegend zuständig sind und die Karriere etwas zurückstellen, während die Schwiegersöhne den größeren Teil des Familieneinkommens durch weitgehend ununterbrochene Vollzeiterwerbstätigkeit beisteuern. Ich habe auch den Eindruck, dass die meisten jungen Väter durch die Elternzeit so gut es geht hindurchkommen. Der Stil, mit den Aufgaben in der Betreuung der Kinder umzugehen, ist ein anderer. Es ist eine Aufgabe, eine Herausforderung, aber keine neue Rolle. Immerhin gibt es jetzt diese zwei Monate, das ist ein Anfang. Es darf aber allein nicht dabei bleiben. Ich sehe das eher realistisch: Nach meiner Beobachtung ist die klassische Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern in der Gesellschaft sehr fest verankert. Es dauert lange, bis man gesellschaftliche Veränderungen erwirkt hat. Und ich muss ehrlicherweise auch sagen: Wenn ich noch einmal Familie gründen würde und mir würde dieser Schicksalsschlag nicht noch einmal passieren, ich würde und müsste mich wohl auch für die klassische Männerrolle entscheiden. Auch wenn das heißt, auf viele schöne, intensive Stunden mit seinen Kindern zu verzichten.
ZEIT ONLINE: Was würden Sie jungen Männern raten, die gerne den Rollenwechsel ausprobieren möchten?
Schreiber: Es zu wagen. Und nicht alleine sondern gemeinsam mit anderen dafür kämpfen. Noch immer dominiert auch von der Gesellschaft die Erwartung an die jungen Männer, dass sie die Ernährer der Familie sein müssen. Wer es andersrum probiert, hat es schwer. Gerade dort, wo Arbeitsplätze hart umkämpft und die Konkurrenz groß ist, kann man sich Familienarbeit, manchmal sogar Familie gar nicht leisten. Dabei wäre eine Gesellschaft, in der die Arbeit zwischen den Geschlechtern gleicher verteilt wäre, sicher eine schönere. Ich hoffe, dass die nachfolgenden Generationen über eine Umstrukturierung der Arbeitsgesellschaft und einen besseren Ausgleich mit der Familienwelt nachdenken. Doch dafür müssen wir noch viel kämpfen – politisch und ganz individuell.
Manfred Schreiber war leitender Beamter in der Baubehörde in einer Stadt in Baden-Württemberg. 1981 verlor er im Alter von 37 Jahren seine Frau und war plötzlich mit vier Kindern alleinerziehend. Viele Jahre lang versuchte er, Beruf und Kindererziehung miteinander zu vereinbaren. Später engagierte sich in der Familienpolitik. Er berät alleinerziehende Mütter und Väter. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich hier bei ihm melden.
Die Fragen stellte Tina Groll.
- Datum 05.02.2010 - 10:13 Uhr
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In der Tat sind die meisten Männer sehr karrierefixiert. Allerdings gibt es wie ich aus meiner Bekanntschaft berichten kann auch Ausnahmen. Ein Freund dessen Frau gut verdient hat seinen Beruf komplett aufgegeben und kümmert sich jetzt um Haus und Kinder. Es ist sozusagen ein Zwischending zwischen Hausfrau und Heimwerke und kommt damit wie ich unseren Gesprächen entnehme gut zurecht. Allerdings musste er dafür Anfangs auch über seinen Schatten und die Konventionen der Gesellschaft springen.
Persönlich könnte ich mir das für mich auch vorstellen, allerdings war dieses Denken für mich auch ein langer Weg da auch ich dahingehend stark von der Gesellschaft und ihren normalen Familienbild sowie Geschlechterrollen geprägt war.
ja und nun? Für Fachkräfte gibt es Firmen-Kinderbetreuung. Welche Konventionen? Mittelalter? Bayern BW?
Was möchten Sie uns sagen? Ironisch? Ernst?
SPO um verstanden zu werden...
Was möchten Sie uns sagen? Ironisch? Ernst?
SPO um verstanden zu werden...
Was möchten Sie uns sagen? Ironisch? Ernst?
SPO um verstanden zu werden...
Ich verstehe allen Ernstes diese Karrierefixiertheit bei Männern nicht, obwohl ich selbst einer bin....
Was wäre denn mein Lebenswerk im Laufe einer Karriere in der freien Wirtschaft?
Den Gewinn einer Firma von 14% auf sagenhafte 15% Prozent steigern (und dafür 500 Leute entlassen)? Wow, da weinen die Götter, welch Lebensinhalt! Das muss umbedingt auf dem Grabstein verewigt werden!
Und das Beste kommt noch: Dieses verdiente Geld dient zum Schluss hauptsächlich der Bank, ... Schuldendienst. Und diese Bank hat die Scheinchen per Kredit von der Zentralbank, ... die wiederum die Geldscheine ja überhaupt erst gedruckt hat!!
Wenn ich nicht gerade Derjenige bin der, gesetzlich abgesichert, Papier bedrucken und es Geld nennen darf, ... um anschließend die Zinsen für das Verleihen dieser bunten Papierschnipsel zu kassieren ... wozu das Ganze?
Dem Kunden durch ausgefeilte Produkte dienen? Jedes einzelne Stück Technik in einer Durchschnittswohnung könnte so konstruiert werden, dass es 50 Jahre durchhält. Wird es aber nicht. Es geht schließlich nicht um das Produkt.
Karriere? Das Leben der Firma widmen? Die Mafia hat mehr Loyalität ihren Angestellten gegenüber als die meisten Firmen in denen man Karriere machen kann. Wozu für jemanden Arbeiten dem ich egal bin?
Wenn man sich dieses Kasperletheater wirklich antun möchte, sollte man es für die Familie tun. Und wenn einem die Kumpelrunden im Büro lieber sind, dann bitte gar nicht erst eine Familie gründen.
Nach wie vor ist die ganze Diskussion über das Vereinbaren von Beruf & Elterndasein doch eine Farce. Pardon, aber wieviele Frauen können denn wirklich in ihren Beruf zurück? Ja, wir haben die Elternzeit, die durch monatliche Zahlungen den Eintieg in die Welt des Elterndaseins einfacher gestaltet. Aber nach wie vor hängen Unternehmen doch noch an ihren alten Strukturen fest. Will man arbeiten, muss man von min. von 8-17 Uhr am Arbeitsplatz sein, je nach Anstellung natürlich noch länger. Frauen die vor ihrer Schwangerschaft einen, sagen wir relativ verantwortungsvollen Posten im mittleren Management bekleidet haben, werden danach höchstens noch als Sachbearbeitung zur Ablage eingesetzt. Mit dem Argument: Sie sind ja jetzt Mutter. Welch ein Hohn. Und das, obwohl wir heute dank IPhone/Blackberry, WLAN etc. rund um die Uhr erreichbar sind. Wenn man dann auch noch sein Kind erst mit 35 bekommt, rückt der Wiedereinstieg in nicht erreichbare Ferne. Natürlich kann man sein verdientes Geld auch komplett in die Kinderbetreuung stecken; man denkt ja langfristig. Aber die Frage muss nach wie vor gestattet sein, warum es in der heutigen Zeit, bei der heutigen verfügbaren Technologie den Unternehmen nicht möglich ist, andere Wege zu beschreiten. Ich bin mir sicher, die Eltern würden es mit entsprechendem Engagement danken.
Was möchten Sie uns sagen? Ironisch? Ernst?
SPO um verstanden zu werden
ich sehe noch das Gesicht von Rudi S. vor mir, als ich ihm eröffnete, dass ich den Erziehungsurlaub nehmen
würde. (Ich habe nur zweimal eine solche Verblüffung auf dem Gesicht eines Vorgesetzten gesehen: das erstemal war, als ich eröffnete, die Stelle wechseln zu wollen.)
Es eine Entscheidung, die "atomar", also ohne Kosten-Nutzen Analyse von mir getroffen und die gemeinsam getragen wurde. (Um falschen Vermutungen vorzubeugen: mein eigenes Gehalt war das höhere.)
Die Reaktionen der Mitarbeiter waren erstaunlich positiv (bis hin zu ganz moderaten Neidgefühlen), und das Unternehmen? "Machte eine Limonade daraus" (vermarktete die Situation).
Eine singuläre Situation? Nicht wirklich. Die gelebte Firmenphilosophie begünstigten den Entschluss aber sie war keine conditio sine qua non.
Kann der Staat helfen? Ja. Der Einsatz zusätzlicher Haushaltshilfen müsste unbedingt und in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden können.
Ein Modell für jeden? Nein. Es sollte ja niemand gezwungen werden.
Würde ich es wieder tun? Ich hatte es (abgeschwächt im Teilzeitmodus) wieder getan.
Ich habe es nicht getan für den Staat, nicht für irgendwelche Genderpolitik, schon gar nicht um als Vorbild durchzugehen. Ich habe es getan für uns und für mich - atomar eben.
Herzlichst Crest
Habe auch zwei Kinder großgezogen. Meine Frau starb, als die Kinder gut 7 und 9 Jahre waren.
Meine Frau starb nicht plötzlich. Ihre Krebserkrankung trat vier Jahre vorher auf. Damit konnte ich langsam in die Rolle des Alleinerziehenden hineinwachsen.
Eine riesige Hilfe war die Unterbringung meiner Kinder in einem katholischen Kindergarten und später der Schule, wo sie sich auch später noch nachmittags in der angeschlossenen Kindertagestätte aufhielten und ihr Mittagessen bekamen udn die Schularbeiten machten. Meinen Beruf habe ich nicht augegeben, ich hatte an der Universtät große Freiheit, mir die Arbeit und Arbeitszeiten einzuteilen.
Beide Kinder haben ihr Abitur gemacht. Der Sohn studiert, die Tochter wird wohl demnächst ein Studium aufnehmen. Derzeit macht sie ein soziales Jahr im Ausland.
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