Es ist passiert. Diesen Valentinstag wird Elke Gerben nicht alleine verbringen. Schuld daran war die Projektarbeit. Vier Wochen lang traf man sich im Sommer zweimal die Woche und danach hin und wieder auf ein Bier. Im Herbst ist dann mehr daraus geworden. Und nun ist sie schon ein paar Monate ganz fest liiert – mit ihrem Chef.

Doch ganz so glücklich, wie sie sein könnte, ist die Marketingassistentin nicht. Ihren richtigen Namen will sie darum auch lieber nicht nennen. Noch weiß es niemand von den Kollegen. Und dabei sollte es auch bleiben, wünscht sich Elke Gerben. Liebe im Büro hat ihrer Meinung nach jede Menge Tücken. Als Assistentin, die sich den Chef angelt, möchte die junge Frau nicht abgestempelt werden. Und was erst geschieht, wenn die Beziehung scheitern sollte, daran möchte sie auch nicht denken. 

Die Liebe unter Kollegen hat einen schlechten Ruf. Fast jeder kennt einen Fall mit schlimmen Folgen. Sich vor der Abteilung streitende Kollegenpaare, gefeuerte, als Affäre abgelegte Assistentinnen des Chefs oder halbgare Beziehungen zwischen jungem Ausbilder und Auszubine. Die Klischees kommen leider allzu oft in der Realität vor. Der Arbeitsplatz ist die größte Partnerbörse. 17 Prozent aller Deutschen haben ihren Partner am Arbeitsplatz kennen gelernt, zeigt eine aktuelle Studie der Hamburger Parship GmbH (gehört wie ZEIT ONLINE zur Verlagsgruppe Holtzbrinck ). Und immer wieder geistern Meldungen durch die Presse wie über die US-amerikanische Handelskette Wal-Mart oder den internationalen Großkonzern Honeywell, die ihren Mitarbeitern offen mit Restriktionen drohten , wenn sie sich auf einen Flirt am Arbeitsplatz einließen.

Aber wer kann schon Liebe verbieten? Dass sich Menschen am Arbeitsplatz verlieben, passiert. Verwunderlich ist das auch kaum, schließlich verbringen Berufstätige dort die meiste Zeit. Und auf groteske Weise verheimlicht werden sollte eine Beziehung unter Kollegen auch nicht, sagt Personalentwicklerin und Coach in der Schweiz . "Vorausgesetzt man hält sich an die Regeln." Zurückhaltung, Ehrlichkeit und Vorsorge.

Clasen meint einen Bewusstseinswandel bemerkt zu haben. Noch vor ein paar Jahren sahen es die meisten Unternehmen nicht gerne, wenn sich Mitarbeiter auf ein Techtelmechtel einließen, sagt sie und berichtet, dass man bei einem Pharmaunternehmen, bei dem sie als Personalerin angestellt war, Beziehungen zwischen Mitarbeitern durchaus skeptisch gegenüberstand. Inzwischen sei es den Unternehmen aber egal, sagt Ralf Horak, Pressesprecher bei der HypoVereinsbank . Auch beim Computerriesen IBM betrachtet man Liebe unter Mitarbeitern eher nüchtern. "Wir gehen damit um", sagt Heinz Liebmann, Leiter Personalprogramme bei IBM. Erstens lasse sich das auch gar nicht vermeiden. Und zweitens könnten positive Schwingungen ja letztlich sogar dazu beitragen, die Motivation zu erhöhen. Und was ist mit dem Einwand, dass es drittens die Unternehmen auch gar nichts anginge, wen ihre Mitarbeiter liebten oder eben nicht?

Expertin Clasen stellt jedoch klar, dass die Liebe am Arbeitsplatz spätestens dann Thema für die Firma sei, wenn das Private zu viel Platz im Beruflichen findet: Sich selbst und die Beziehung öffentlich zu machen, ist im Job unangebracht. "Liebe und Arbeit müssen strikt getrennt werden", sagt der Coach. Küsschen und Händchenhalten sind damit am Arbeitsplatz ebenso tabu wie allzu offen ausgeplauderte Beziehungsinternas.

Aber zu verschwiegen dürfen Paare auch nicht sein. Spätestens dann, wenn es wie bei Elke Gerben ernst wird, Bett und Tisch zusammengerückt, gar eine gemeinsame Wohnung bezogen wird, ist Offenheit angesagt. Insbesondere, wenn die Liebenden tatsächlich miteinander arbeiten oder schlimmer noch einander weisungsbefugt sind. Zwei Regeln gibt es beispielsweise bei IBM: Keine Beziehungen innerhalb eines Teams und keine Beziehungen innerhalb einer Hierarchielinie. Kommt es doch dazu, greift die Firma ein. Liebmann: "Wir versuchen dann die Paare zu trennen und in unterschiedlichen Abteilungen zu beschäftigen."