Berufe Ohren gut, alles gut
Jeder Fünfte in Deutschland hat Probleme mit den Ohren. Hörgeräteakustiker, unser Beruf der Woche, helfen weiter: Sie passen Hörgeräte an und sind auch Seelentröster
Nachdem sie morgens das Zwitschern der Vögel nicht mehr wahrnehmen konnte, musste sich Hanna Schmieder eingestehen: Ein Hörgerät muss her. Der Gang zum Akustiker war für die Seniorin nicht einfach. "Wer gibt schon gerne zu, dass er schlecht hört?“
Mit ihren Hörproblemen ist sie aber nicht allein. Nach einer Statistik des Deutschen Schwerhörigenbund haben mehr als die Hälfte der über 70-Jährigen Probleme mit dem Hören. "Viele Menschen verleugnen ihre Hörprobleme sehr lange", sagt Eckhard Schröder, Leiter der Landesschule für Hörgeräteakustiker in Lübeck. "Einige Kunden müssen erst überzeugt werden, dass ein Hörgerät zu tragen gar nicht schlimm ist." Sorgfalt und Fingerspitzengefühl sind damit Grundvoraussetzung für den Job als Akustiker. Und darum spricht man in der Branche auch nicht von Patienten, sondern von Kunden.
Bei jedem Kunden muss der Akustiker mit einer Hörprüfung ermitteln, welche Schwierigkeiten vorliegen. Schwerhörigkeit ist nämlich nicht gleich Schwerhörigkeit, und nicht jeder Kunde war vorher schon beim Ohrenarzt und hat eine genaue Diagnose. Ältere Menschen haben zumeist ganz andere Probleme als Kinder oder jüngere Erwachsene. "Liegt eine Störung des Hörvermögens vor, werden bestimmte Frequenzen nicht mehr gehört. Im Alter beispielsweise hört man hohe Töne, wie Vögelgezwitscher oder Löffelklappern, nicht mehr so gut", erklärt Schröder. Ist das Problem bekannt, stellt der Akustiker seinem Kunden die verschiedenen Hörgerätstypen vor. Die Auswahl ist riesig. Die Geräte unterscheiden sich in Größe, Bedienbarkeit, Farbe, Verarbeitung und natürlich im Preis.
Hat sich der Kunde für ein Gerät entschieden, geht es für den Akustiker ans Eingemachte: Jetzt muss das Gerät entsprechend der Ergebnisse aus dem Hörtest programmiert werden. Dann passt er das Gerät dem Ohr an. Das geht aber nicht auf Knopfdruck, sondern ist ein Prozess. Und zwar über mehrere Tage lang. Das Ohr gewöhnt sich langsam an das Gerät; immer wieder muss nachjustiert werden. Irgendwann ist das Hörgerät optimal eingestellt. Dann zeigt der Akustiker seinem Kunden alle wichtigen Funktionen und übt mit ihm die Bedienung des Tools im Ohr.
Und dann kann mit der Krankenkasse abgerechnet werden, sofern diese für das Gerät zuzahlt. "Insgesamt ist das Aufgabengebiet in diesem Beruf sehr breit gefächert und umfasst mehrere Bereiche", sagt Schröder. Neben umfangreichen Kenntnissen in Biologie, Physik und Naturwissenschaften gehören PC- und betriebswirtschaftliches Wissen dazu. Dennoch bleibt der Beruf ein Handwerk. "Man benötigt viel Geschick, um Ohrstücke anzupassen und kleinere Reparaturen vornehmen zu können", sagt Schröder.
Die Ausbildung zum Hörgeräteakustiker ist staatlich anerkannt und dauert drei Jahre. Die Theorie wird an der Landesschule für Hörgeräteakustiker in Lübeck im Blockunterricht unterrichtet. Sie ist die einzige Berufsschule für Hörgeräteakustiker bundesweit. Nach der Lehre darf sich der Auszubildende Hörgeräteakustikergeselle nennen. Nach einigen Berufsjahren ist eine Weiterbildung zum Meister möglich. Und man kann ein Studium aufsatteln, beispielsweise im Fach Audiologie, und dann in der Forschung arbeiten. Bundesweit haben Hörgeräteakustiker, egal ob Geselle oder Meister, gute Aussichten auf Festanstellung. Einzige Herausforderung an dem Job: Ohrenschmalz. Manche Auszubildende kostet es Überwindung. Schröder sagt dazu nur: "Das ist alles Einstellungssache. Und wenn der Kunde lächelt, weil er wieder hören kann, macht das alles wieder wett."
- Ausbildung: dreijährige Ausbildung
- Arbeitszeit: 38,5 Stunden pro Woche
- Gehalt: Als Geselle ab 1600 Euro Brutto
- Datum 11.03.2010 - 10:18 Uhr
- Serie Beruf der Woche
- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich habe eine Frage: Ist dies ein Beruf, den nur Männer ausüben können? Gibt es keine Hörakustikerinnen?
Endlich mal ein interessanter Beruf und dann sind Frauen offensichtlich mal wieder nicht gefragt?!
Liebe Bellis,
danke für Ihre Anmerkung. Natürlich können auch Frauen den Beruf ergreifen. Gerade heute am Internationalen Frauentag ist Ihr Einwand mit dem Verweis auf die nicht genderneutrale Sprache berechtigt. Wenn von Akustiker die Rede ist, sind natürlich auch die Akustikerinnen mitgemeint. Das möchte ich an dieser Stelle noch einmal klarstellen.
Im übrigen werde ich gleich noch mal sehen, ob wir das Geschlechterverhältnis in dem Beruf noch herausbekommen. Danke für die Anmerkung und Ihnen einen guten 8. März!
Tina Groll, ZEIT ONLINE, Redakteurin
Liebe Bellis,
Sie haben natürlich Recht: Die Berufsbezeichnung sollte Geschlechtsneutral sein. Im Eifer des Gefechts wird dies leider nicht immer bedacht. Ich bitte dies zu entschuldigen.
Wir werden zukünftig darauf achten, bei Berufsbezeichnungen ausschließlich den Plural zu verwenden.
Kleiner Zusatz an dieser Stelle: Der Beruf ist für Männer und Frauen gleichermaßen geeignet. Dies spiegelt sich auch in der Praxis wieder: Obwohl die Zahl der Hörgeräteakustiker leicht überwiegt, sind auch viele Hörgeräteakustikerinnen in dem Beruf aktiv.
Mit freundlichen Grüßen
Markus Schleufe
Hallo
Einfach süss :)
Ein Nutzer/INN quengelt wegen angeblich nicht ausreichender sprachlicher Würdigung des weiblichen Geschlechts in einen bestimmten Beruf, und schon macht ein Teil der Redaktion den Kotau.
@ Topic
Auch wenn schon richtig angemerkt.
Wer nicht ganz blind ist, der wird in den Akustik-Studios/Fachgeschäften sehr viele Frauen sehen die dort arbeiten.
Mein Akustiker ist weiblich, hat einen Meisterbrief und hat mir einen superben Gehörschutz gebastelt.
Btw.
Genannter Gehörschutz ist leider nicht immer in der Lage "Genderneutrale Sprache" zu filtern. Dieses künstliche Konstrukt (nicht der Gehörschutz) erinnert mich fatal an Neusprech und ist in seiner Grundierung auch nichts anderes.
Gruss
Rene
Wow. Zu was sich die Redaktion so schnell melden kann.
Bei wirklich etwas heikleren Themen, bei denen es in der Kommentierung teilweise auch durchaus diskriminierend und unfreundlich wird, passiert manchmal tagelang nichts und bei einer solchen Frage, gibt es innerhalb kürzester Zeit gleich 2 Antworten und eine zusätzliche Recherche.
Sehr löblich, dass prinzipiell auf Fragen eingegangen wird, aber eine gewisse Verhältnismässigkeit wird schon in Frage gestellt.
Es ist vollkommen überflüssig, sich für eine nicht genderneutrale Sprache zu entschuldigen und Besserung zu versprechen. Man liest und sieht auch nur, was man sehen will.
Wenn ich in einem Artikel zum Beruf Hörgeräteakustiker selbiges Wort lese, ist das der Beruf Hörgeräteakustiker, vollkommen unabhängig davon, ob nun eine Frau oder ein Mann ihn ausübt, im Gegensatz zu z.B. Krankenschwester.
Wenn ich das nicht lesen würde, dann will ich das ganz offensichtlich auch nicht.
Aber ich könnte ja auch einfach das Bild anschauen, das über die volle Artikelbreite unter der Unterschrift prangt.
Also bitte keine unnötige Verunglimpfung der Sprache im Sinne einer falsch interpretierten im eigtl. Sinne sinnvollen Gleichberechtigung. Die Chefin meines Friseursalons arbeitet ja auch nicht in einem Friseurinnensalon und hat einen Meister- und keinen Meisterinnenbrief. Manchmal kann man auch geschichtlich Entstandenes einfach stehen lassen. Gleichberechtigung findet im Kopf statt und nicht auf dem Papier.
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