Mobbing : Psychoterror als Führungsstil

An jedem zweiten Mobbingfall ist der Chef beteiligt. Für Opfer von "Bossing" sind die Folgen schwerwiegend. Auch Unternehmen und Volkswirtschaft kommen zu Schaden.

Am Ende saß Karsten T.* nur noch da. Er fühlte sich, wie unter einer Glocke. Den Inhalt von E-Mails erfasste er nicht mehr. Eigene Texte konnte er nicht schreiben. Karsten T. litt unter Bauchkrämpfen, Kopfschmerzen und bekam ein nervöses Augenzucken. Er konnte nicht mehr essen, nicht mehr schlafen, nicht mehr denken. Hätte ihn seine Familie nicht aufgefangen, "ich glaube, dann ist man kurz vorm Selbstmord", sagt er heute.

Nur sechs Monate zuvor hatte der 40-jährige Industrie-Designer seine neue Stelle angetreten. Damals war er voller Tatendrang. Sein Engagement gefiel seiner Chefin jedoch nicht. Sie kritisierte ihn. Immer und immer wieder. Und immer heftiger. Er solle doch mal Laufen gehen, sagte sie. Er sei schlampig, stur, verdiene zu viel und arbeite mit seinen 50 Stunden pro Woche zu wenig. Er mache zu viele Rechtschreibfehler, deshalb solle er ihr jede Mail vorlegen. Sie nahm ihm Projekte weg, verbot ihm, wichtige Kontaktleute anzurufen, und warf ihm hinterher genau das vor.

"Irgendwann wusste ich gar nicht mehr, was ich noch machen sollte und was meine Aufgabe war", sagt Karsten T. Er grübelte und zweifelte. Stundenlang. Hatte die Chefin vielleicht doch Recht mit ihrer Kritik? Die anderen Kollegen hielten ihn auch für dumm, behauptete sie. "Am Ende konnte ich nicht mehr arbeiten", sagt T. "Ich habe mich immer stark über meine Arbeit definiert. Und zu dem Zeitpunkt saß ich da wie in einer dunklen Kiste und dachte, ich bin nichts mehr wert." Der 40-Jährige wurde krank. Erst als ihn sein Arzt krankschrieb, erkannte der Industrie-Designer, dass er Opfer von Bossing – Mobbing durch den Vorgesetzten – geworden war.

Wie Karsten T. geht es vielen: Mindestens drei Prozent der Beschäftigten in Deutschland werden an ihrem Arbeitsplatz systematisch schikaniert. Jeder neunte Deutsche im erwerbsfähigen Alter soll schon einmal gemobbt worden sein, heißt es in der Broschüre Wenn aus Kollegen Feinde werden, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) herausgibt. Als Mobbing wird das Schikanieren, Drangsalieren, Benachteiligen und Ausgrenzen von Mitarbeitern und Kollegen über einen längeren Zeitraum verstanden.

In 40 Prozent der Fällen geht der Terror im Büro von den Führungskräften aus, in weiteren zehn Prozent mobben Chef und Mitarbeiter gemeinsam. Einige Experten gehen sogar von einer Bossing-Quote von 70 Prozent aus. Die Zahlen sind erstaunlich, wenn man berücksichtigt, dass es erheblich weniger Vorgesetzte als Arbeitskollegen gibt.

Tatsächlich ist Bossing häufig das Ergebnis von Führungsschwäche und ungesunden Strukturen im Betrieb. "Wenn in einem Unternehmen systematisch gemobbt wird, zeugt das von schlechtem Management", sagt der Frankfurter Arbeitspsychologe und Mobbing-Forscher Dieter Zapf. Manchmal stehen aber auch einfach persönliche Animositäten zwischen Bosser und Opfer im Raum.

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Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Was denn?

Das fängt doch schon in der Grundschule an - da werden dann eher "spielerisch" die Andersartigen ausgegrenzt (Ich war selbst Mittäter). Im Gymnasium ist es ein bequemes Profilierungs- und Kompensationsmittel und dient der Steigerung eines Gruppengefühls (da war ich Opfer). Warum sollten Menschen in dieser Gesellschaft auch charakterlich dazulernen? Mit einer "Mobber"-Einstellung kann man es ja sogar bis in die Spitzen der Gesellschaft schaffen, ja, es erscheint sogar fast als unabdingbare Voraussetzung.

zu Kommentar 1

Sie haben mit Ihrem kurzen Kommentar eigentlich alles gesagt.
Wenn es keine Gesetze und angemessene Stafen gegen die Mobber gibt, dann tut sich nichts.
"Nimm Dir was Du kriegen kannst - Rücksichtnahme ist Schwäche - ". Das muß an doch heute seinen Kindern mit auf den Weg geben, wenn Sie nicht als Verlierer enden sollen.

Das christliche Abendland ist Geschchte. - Wir leb en im Zeitalter des Egoissmus.

Genau das ist die ganze Wahrheit!

Leute die ganz oben stehen können alle besonders gut austeilen. Sonst kommt man da niemals an. Das fängt in der Schule schon an. Lehrer können es auch. Wenn das Opfer raus soll aus der Klasse, schafft es ein Lehrer/in wenn er/sie die Klasse zwei Jahre lang in zwei Fächern hat spielend. Zwei Fünfer. Mobbing gehört als Straftat geahndet! Nur..wie eingrenzen?

Noch früh am Tag

"Wie hoch die soziale Kompetenz von Mitarbeitern mit Personalverantwortung sei, würde selten geprüft der mit Fortbildungen gefördert, sagt Zapf." ?
"der" = "oder"?

"Es erreicht nicht diejenigen, die Leitungspositionen, die menschlich, persönlich und fachlich am qualifiziertesten sind, ..." ?
"Es erreichen nicht diejenigen die Leitungspositionen, ... ?

Ich hab das selber erlebt.

Einmal das "normale" Mobbing, das von Schulkameraden. Problem wenn mann, zu groß, zu dünn und Brille und Zahnspange trägt und wenn man dann noch einen Sprachfehler hat ist man gear***t. Das Problem dabei ist die Lehrer können es denn Schülern sagen, aber denn Schülern ist es egal. In dem Fall spielt die Herkunft keine Rolle. Bei mir waren es Deutsche und Ausländer in der Schulzeit.

Später in der Ausbildung, wurde ich dann von einem unfähigen Meister gemobbt, weil ich meine Kollegen angefangen hab zu helfen weil die es nicht konnte.
Mädchen waren noch schlimmer dran die wurden richtig raus gedrangt, bei einer hat sie es geschafft. Aber auch nur weil die durch gedreht ist. Vor allem Leute die zu viel wussten hat sie zum gehen bewegt. bei mir hat es nicht geklappt, nach meinem zweiten Phychertrie Aufenhalt hab ich ihr das leben zu höhle gemacht. Als ich ging ist sie zur Kur gegangen.
Das schlimme an der Sache dort ist, das ist eine Einrichtung für Behinderte. Von Körperlich wie bei mir(auch wenn es nur 25%) und Lernbehindert bei anderen. B.z.w der IQ fehlt ober wegen Behinderung oder nicht.