Coaching , das ist doch so etwas wie Psychotherapie, nur ohne Ausbildung. Wenn Christoph Rauen Sätze wie diesen hört, muss er tief durchatmen. Rauen ist Vorsitzender des 2004 gegründeten Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC). Der Verband setzt sich dafür ein, dass Coaching ein anerkannter Beruf mit einer geregelten Ausbildung wird. Seit etwa Mitte der neunziger Jahre gibt es immer mehr Menschen in Deutschland, die als Coach tätig sind. Etwa 5000 bieten deutschlandweit ihre Beraterdienste an. Nicht alle von ihnen haben eine Ausbildung. Denn der Beruf ist nicht geschützt; prinzipiell kann jeder als Lebens- und Karriereberater tätig sein. Das trägt nicht gerade zum guten Image der Branche bei.

In einem Coaching werden Mitarbeiter und Führungskräfte beraten, abhängig von ihrer Position und Funktion. "Ziel ist es, individuelle sowie kollektive Lern- und Leistungsprozesse zu steigern", sagt Rauen. Führungskräfte beispielsweise haben häufig konkrete Fragen zur Mitarbeiterführung oder Kundenkommunikation. Es geht um Fragen, die kein Studium vermitteln kann und die erst ab einer bestimmten Stufe auf der Karriereleiter auftauchen: Wie man mehr Durchsetzungsvermögen, Entscheidungskompetenz und Autorität erlangen kann, wie man seine Mitarbeiter motiviert oder Konflikte unter ihnen lösen kann. Andere möchten lernen, mit einem hohen Stresspensum besser umzugehen; oft geht es auch darum, mehr berufliche Zufriedenheit zu erlangen oder sich sogar beruflich zu verändern.

Ein Coach gibt Feedback, Impulse und stellt wichtige Leitfragen – und zwar mit einer externen Perspektive und auf konstruktive Weise. So hilft er dem Klienten, eigenständige Lösungen für Probleme zu finden, die dieser wiederum leicht in den Joballtag übertragen kann. Dieser positive Ansatz unterscheidet das Coaching von der Therapie. "Ein Klient ist aber in der Regel gesund und wendet sich nur mit beruflichen Fragestellungen an den Coach", sagt Katharina von Agris. Sie veranstaltet Trainings für Führungskräfte. Die 51-Jährige arbeitet seit 1989 selbständig, zuvor war sie bereits als Cheftrainerin bei einer großen Hotelgruppe tätig. Viele ihrer Kunden fürchteten, dass ihr Bedarf am Coaching als Führungsschwäche interpretiert werden könnte. "Darum wollen sie in der Öffentlichkeit lieber nicht als Coaching-Kunden genannt werden", sagt sie.

Eine, die auf den positiven Nutzen des Coaching schwört, ist Bärbel Langwasser-Greb. Die Geschäftsführerin der Kaiser-Karl-Klinik in Bonn lässt die rund 200 Mitarbeiter coachen. "Fähige Mitarbeiter sind das höchste Kapital eines Unternehmens", sagt die 49-Jährige. "Gute Fachkräfte sind rar und bleiben dort, wo sie sich wohl fühlen. Wenn ich also einen verheißungsvollen Mitarbeiter halten will, muss ich in ihn weiterbilden", sagt Langwasser-Greb. Die Mitarbeiter seien nach dem Coaching zufriedener mit ihrem Job und würden effizienter arbeiten. Auch helfe die Beratung, um Konflikte und Spannungen innerhalb von Teams zu bewältigen und Kommunikationsprobleme zu lösen. 

Auch Kerstin Krohn hat sich coachen lassen. Die 51-Jährige hat über die Beratung zu mehr beruflicher Zufriedenheit gefunden. Als sie das Coaching in Anspruch nahm, war sie bei einer Marketinggesellschaft als Referatsleiterin beschäftigt. Ihre Abteilung hatte einen hohen Etat, um den sie von manchen Kollegen beneidet worden sei, erzählt sie. Außerdem war sie für mehrere Mitarbeiter verantwortlich. Die Differenzen mit Kollegen und die hohe Verantwortung begannen sie unter Druck zu setzen. "Ich wollte einen professionellen Blick von außen einholen", erinnert sich Kerstin Krohn und so nahm sie ein Coaching in Anspruch. Zuerst analysierte sie gemeinsam mit einer Trainerin das, was sie belastete und überlegte auch, wie sie sich gerne sehen würde, wie andere sie wohl wahrnehmen würden und wie ihr Selbstbild war. "Das hat mir geholfen, mir bewusst zu machen, was meine Handlungen auslösen und wie sie auf andere wirken", sagt die 51-Jährige. Zudem gab ihr die Trainerin einige Anregungen, wie sie im Joballtag ihre gewohnten Verhaltensmuster durchbrechen könnte. Krohn setzte das Gelernte in die Praxis um und verblüffte ihre Kollegen. "Das hat letztlich zur Entkrampfung so manch eines Konfliktes geführt", sagt sie.