Familie und Beruf Daheim ist Papa der Chef

Immer mehr Männer gehen in Elternzeit, wenn auch zumeist nur kurz. Vorreiter erzählen, wie man es macht und was sie gelernt haben – fürs Leben und sogar für den Job.

"Ich lasse einfach nicht mehr zu, dass aus einer Minikrise ein Elefant gemacht wird." Nicht jeder drückt es so bildlich aus wie Christoph Herget. Er arbeitet als Teamleiter bei Microsoft Deutschland. Und dieser Satz ist eine seiner wichtigsten Erkenntnisse, die er im Erziehungsurlaub gemacht hat. Querelen im Büroalltag tangieren ihn kaum noch. Auch Gerald Peter, Textchef der Fernsehzeitschrift Gong, gewichtet familiäre und beruflicher Probleme seit seiner Elternzeit "deutlich ausgewogener". Und Torsten Straß, Deutschandchef des Beratungs- und IT-Dienstleisters Logica, hat neben beruflichen inzwischen auch private Termine im Firmenkalender stehen.

Rund 20 Prozent der Väter, so aktuelle Studien, nutzen derzeit zumindest die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Monate aus, die zum Bezug des Elterngeldes notwendig sind. Weniger als ein Viertel davon nimmt dann tatsächlich ein volles Jahr oder mehr wie Herget, der über 13 Monate zu Hause blieb.

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Männer in Elternzeit

Nachdem 2007 das neue Elterngeld eingeführt wurde, ist die Anzahl der Väter, die Gebrauch von der Elternzeit machen, von 3,5 Prozent auf 18 Prozent gestiegen. Am meisten gehen die Väter aus den Bundesländern Berlin und Bayern in Elternzeit, am wenigstens die Väter aus den neuen Bundesländern. Der überwiegende Teil der Männer steigt jedoch nur für zwei Monate aus dem Berufsleben aus.

Die Studie

Das Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) hat im Herbst 2008 eine explorative Studie unter Elternzeitvätern durchgeführt. Dafür befragten die Wissenschaftler in einer Online-Umfrage 830 Männer. Mit 29 Vätern wurden anschließend Interviews geführt, zudem sprachen die Forscher mit 23 Experten, darunter Betriebsräte, Führungskräfte und Gleichstellungsbeauftragte. Die Ergebnisse der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung sind in einem Buch zusammengefasst worden. Der Untersuchung zufolge beantragten 2008 insgesamt 18 Prozent der Väter Elterngeld – im Vergleich zu den Vorjahren ein Quantensprung: Noch zwei Jahre zuvor gingen nur rund drei Prozent der Väter in Erziehungszeit.

Die Ergebnisse

Zwei Drittel der befragten Väter steigen zwei Monate aus dem Beruf aus. Der Großteil von ihnen nimmt die Auszeit direkt im Anschluss an die Geburt des Kindes, wenn auch die Mutter zu Hause ist. Die Forscher haben diese große Gruppe der Väter als die "Vorsichtigen" bezeichnet. Sie trauen sich offenbar nicht zu, alleine für ihr Kind zu sorgen und sie halten die Auszeit sehr kurz, weil sie fürchten, dass sonst ihr berufliches Fortkommen gefährdet sein könnte.

Neben ihnen gibt es vier weitere Typen: Die "Paritätitischen" stellen 14 Prozent der Elternzeitväter. Sie gehen in Elternzeit versetzt zur ebenfalls berufstätigen Partnerin, aber auch sie machen nur zwei Monate Auszeit, um nicht zu lange der Arbeit fern zu bleiben. Eine deutlich längere Elternzeit nehmen nur sechs Prozent der Väter. Für sie hat die Familie einen zentralen Stellenwert, der deutlich über dem der eigenen Karriere liegt. Auch verzichten diese Männer zugunsten der Karriere ihrer Frauen auf die eigene. Ein weiterer Typus ist der "familienorientierte": Neun Prozent der Männer kombinieren ihre Elternzeit aus den Elterngeldmonaten und zusätzlicher unbezahlter Elternzeit. Schließlich gibt es noch den Typus des "familienzentrierten", die mehr als neun Monate lang aus dem Beruf aussteigen. Sie wollen bewusst eine lange Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Insgesamt haben die Forscher ausgemacht, dass die Väterzeit auch stark von den Partnerinnen der Väter unterstützt und gewünscht wurde. Zudem arbeiten viele Elterngeldväter in großen Unternehmen, wo sie Schreibtischarbeit verrichten. Klassische Arbeiter finden sich unter den Elterngeldvätern wenige. Zudem hat der Großteil der Väter eine formal hohe Bildung, sie sind als Angestellte oder Beamte tätig, eine Vielzahl von ihnen sind Ingenieure und somit in einem klassischen Männerberuf tätig.

Hauptargument für die Elternzeit: Hat man(n) erst einmal wesentliche Erlebnisse versäumt, lassen sich diese nicht nachholen. Eine Erkenntnis, die mitunter schmerzlich sein kann, wie es Herget erzählt. Bevor er sich im August 2007 entschloss, für sein zweites Kind zu Hause zu bleiben, hatte er Fotos sortiert und dabei festgestellt, dass er von der Entwicklung seines älteren Sohnes vieles gar nicht mitbekommen hatte. Das wollte er nicht noch einmal erleben und entschloss sich zum Rollentausch.

Seine Frau stieg in dieser Zeit wieder voll in den Beruf ein. Auf einmal war Herget statt für ein Team von Mitarbeitern für seine beiden Kinder voll verantwortlich und musste nebenbei noch den Haushalt organisieren. Der Erwerb von neuen oder die Vertiefung von fast verlernten Fähigkeiten, ist darum auch das zweite Argument, das laut Herget für die Elternzeit spricht. Bei ihm war es vor allem verbessertes "Teammanagement", das er aus der Elternzeit mitbrachte. Eindeutig etwas, das ihm in seiner Position den Arbeitsalltag erleichtert.

CEO Straß nennt andere Softskills, die er im Umgang mit seinen Kindern vertiefen konnte: Vorbild sein, Überzeugungsarbeit leisten und Wertschätzung. Qualifikationen, die in einer Führungsposition wie seiner wichtig sind. Aber nirgends bekomme man so deutlich gespiegelt, ob man sie auch wirklich beherrschte, sagt Straß. Und wo sonst lasse sich erleben, wie wirkungsvoll Lob und Anerkennung sind – und wie schnell Verweigerung entsteht, wenn man beides mal vergisst. "Kinder geben immer ehrliches Feedback."

Straß findet es darum auch schade, dass sich immer noch nur wenige Führungskräfte eine solche Auszeit gestatten. "Ein, bis zwei Monate Elternzeit", davon ist der Deutschlandchef überzeugt, "sind für jeden Mitarbeiter möglich." Wenngleich er einräumt, dass sein Ansinnen auch im eigenen Haus zunächst auf Verwunderung stieß, obwohl es lediglich zweimal vier Wochen waren. Inzwischen haben sich Nachahmer gefunden.

Voraussetzung für das Gelingen der Elternzeit sind eine gute Vorbereitung und Ausgestaltung. Es müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, die sicherstellen, dass der Rückzug aus dem Tagesgeschäft auch wirklich gelingt. Schon Wochen vorher habe er damit begonnen, Termine und Projekte umzuverteilen, sagt Textchef Peter.

Je länger der Ausstieg dauert, desto wichtiger sei ein lockerer Kontakt zum Unternehmen. Langaussteiger Herget versorgte die Kollegen regelmäßig mit einem Newsletter von zu Hause, um ihnen Einblick in seine Welt zu gewähren. Gleichzeitig stattete er den Kollegen im Büro hin und wieder eine Stippvisite ab und nahm auch an wichtigen Teamsitzungen teil. Eine Handynummer für den Notfall hatte er zudem hinterlassen.

Nötig gewesen wäre das allerdings nicht. Niemand rief an, er wurde während seiner Auszeit nicht gebraucht. Auch dies ist eine Erkenntnis. Dass es auch ohne ihn ging, bezeichnet Herget als lehrreiche Erfahrung. Zum Glück wird er zu Hause immer gebraucht.

 
Leser-Kommentare
  1. Berufstätige Mütter verfügen seit einiger Zeit über die weise Erkenntnis dass das Berufs- vom Familienleben auch profitieren kann. Anscheinend müss aber jeder "Chef" erst selbst die eigenen Erfarhungen damit machen. Immerhin: Hauptsache die Einstellung ändert sich ... mit müdem Lächeln (aufgrund Doppelbelastung) grüßt ...

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    @Fabiana: Pardon, ich verstehe den ersten Satz nicht. Profitieren von was?

    @Fabiana: Pardon, ich verstehe den ersten Satz nicht. Profitieren von was?

  2. @Fabiana: Pardon, ich verstehe den ersten Satz nicht. Profitieren von was?

    Antwort auf "Besser spät als nie"
    • lepkeb
    • 27.04.2010 um 18:31 Uhr

    anschaut wird schnell klar warum sie sich dies könne konnten; CEO Straß, Teamleiter bei Microsoft Deutschland Hegret, Textchef Gerald Peter. Hatte als GF in D-land auch meine Freiheiten.

    Bei Herrn Hegret "Niemand rief an, er wurde während seiner Auszeit nicht gebraucht." würde ich mir als Comptroller überlegen ob die Stelle überhaupt noch nötig ist. ;)

    Elternauszeit für Männer (als normale Angestellte) ist doch in den meisten technischen Disziplinen in D-land beruflicher Selbstmord und oftmals gar nicht möglich, da die meisten Büros doch gesund geschrumpft wurden und auch die Kunden eine feste Bezugsperson wünschen.

    @Fabiana
    Wenn sie jetzt über die "Doppelbelastung" stöhnen, warum haben sie sich nicht für das Eine oder das Andere entschieden.

  3. "Teamleiter bei Microsoft Deutschland", "Textchef der Fernsehzeitschrift Gong", "Deutschandchef des Beratungs- und IT-Dienstleisters Logica". Hallo?! Geht's noch?! Lebt der Autor/die Autorin im Takka Tukka Land? Klar, alles durchschnittliche Jobs, die für diese weltfremde Argumentation jeder Emanze hervorragend gelegen kommen. Und dann noch mit Microsoft kommen. Wie viel Koffer sind dafür geflossen? Einem Mafia-Konzern, verantwortlich für die größten IT-Ungerechtigkeiten, durch die Hintertür, Sozialkompetenz zuzuschreiben ist echt arm. Gehen Sie mal zu einem Fließbandarbeiter und erzählen Sie dem Ihre tolle Blümchenstory. Der jagt Sie mit der Kurbelwelle durch den kompletten Betrieb.

  4. ... dass der Artikel von ner Frau stammt.
    Ich dacht es mir noch, als ich das Kommentar beginnen wollte und voila.

    Es ist immer wieder nett, wenn man zu hören kriegt, wie man als Mann sein soll. Da werden die Chefs als normale Männer hingestellt, die uns zeigen sollen, dass es doch auch geht. Typisch Frau sag ich da. Früher sollten Männer nur Reich sein. Jetzt sind Reiche Männer, die zuhause bleiben die Vorbilder? Nein Danke.

    Kommen Sie mal zurück in die Realität! Es soll Menschen geben, die kein unbefristetes Büro in der Chefetage haben. Nach einem Jahr ist da nämlich schluss, wenn der Vertrag nicht verlängert wird. Und Geld muss auch verdient werden, wenn man keine 100.000 pro Jahr verdient.

    Für die Tatsache, dass Sie sich nicht zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen, ist Ihre Sichtweise mehr als beschränkt.
    Nichts besseres, als wenn Menschen "da oben" meinen, sie seien Standart. Ich hasse Ignoranz, vor allem von unseren oberen.

  5. ... dass der Artikel von ner Frau stammt.
    Ich dacht es mir noch, als ich das Kommentar beginnen wollte und voila.

    Es ist immer wieder nett, wenn man zu hören kriegt, wie man als Mann sein soll. Da werden die Chefs als normale Männer hingestellt, die uns zeigen sollen, dass es doch auch geht. Typisch Frau sag ich da. Früher sollten Männer nur Reich sein. Jetzt sind Reiche Männer, die zuhause bleiben die Vorbilder? Nein Danke.

    Kommen Sie mal zurück in die Realität! Es soll Menschen geben, die kein unbefristetes Büro in der Chefetage haben. Nach einem Jahr ist da nämlich schluss, wenn der Vertrag nicht verlängert wird. Und Geld muss auch verdient werden, wenn man keine 100.000 pro Jahr verdient.

    Für die Tatsache, dass Sie sich nicht zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigen, ist Ihre Sichtweise mehr als beschränkt.
    Nichts besseres, als wenn Menschen "da oben" meinen, sie seien Standart. Ich hasse Ignoranz, vor allem von unseren oberen.

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    es ist doch erfreulich, wenn es menschen gibt, die es sich leisten können, zuhause bei ihrer brut zu bleiben und für sie zu sorgen.

    und wenn die herrschaften dabei ihre führungsqualitäten verbessern, haben leute wie du dann doch auch etwas davon ;-)

    es ist doch erfreulich, wenn es menschen gibt, die es sich leisten können, zuhause bei ihrer brut zu bleiben und für sie zu sorgen.

    und wenn die herrschaften dabei ihre führungsqualitäten verbessern, haben leute wie du dann doch auch etwas davon ;-)

  6. es ist doch erfreulich, wenn es menschen gibt, die es sich leisten können, zuhause bei ihrer brut zu bleiben und für sie zu sorgen.

    und wenn die herrschaften dabei ihre führungsqualitäten verbessern, haben leute wie du dann doch auch etwas davon ;-)

    Antwort auf "Irgendwie klar..."

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