Karriere im VerbandProfessionell Mitglieder verwalten

In Deutschland gibt es für alles einen Verband. Etliche Verbände haben sich inzwischen zu modernen Dienstleistern gemausert – und bieten gute Jobperspektiven an. von Stefani Hergert

Nun zieht auch der jüngere Guttenberg-Bruder nach Berlin. Zwar ist der Posten von Philipp zu Guttenberg als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände nicht ganz so prestigeträchtig wie der des Verteidigungsministers, den Bruder Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) innehat. Und verdienen wird er als Chefforstlobbyist auch nichts. Dennoch will der studierte Forstwirt, der selbst Tausende Hektar Wald in Deutschland und Österreich sein Eigen nennt, sich um die Belange der zwei Millionen Waldbesitzer kümmern. Gerade einmal fünf hauptamtliche Mitarbeiter unterstützen ihn dabei.

Deutschland, das Verbändeland. Vom Deutschen Dachgärtner Verband, über den Diätverband oder den der Seemansfrauen bis zur Interessenvertretung der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe gibt es hierzulande so ziemlich alles. Mit der Wahl zu Guttenbergs rücken sie wieder einmal ins öffentliche Interesse. Vom Mini-Verein bis zur Organisation mit angeschlossenem Wirtschaftsunternehmen ist alles dabei. Sie suchen Fachspezialisten, die sich im jeweiligen Beritt auskennen, aber auch Absolventen anderer Studienrichtungen. Und dass die Geschäftsführer immer ein Juraexamen in der Tasche haben, stimmt so auch nicht mehr.

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Mehr als eine halbe Million Vereine gibt es hierzulande, all die lokalen Sportclubs, Musikvereinigungen eingerechnet. Auch die Verbände gehören dazu, sind im rechtlichen Sinne Vereine. Aber nur 8500 bis 9000 haben eine hauptamtliche Geschäftsführung, nur rund 5400 daneben noch weitere entlohnte Mitarbeiter. Die meisten Verbände beschäftigen laut Schätzungen etwa zehn bis 20 hauptamtliche Mitarbeiter.

Gehälter

Das Gehaltsniveau in den Verbänden liegt unter dem der freien Wirtschaft. Das hängt auch mit der Größe der Interessenvertretungen zusammen.

Laut einer Gehaltsstudie des Personaldienstleisters Kienbaum verdienen Verbands-Geschäftsführer im Schnitt 126.000 Euro brutto im Jahr, der Schnitt in der Studie sind 280.000 Euro. In Wirtschaftsverbänden wird besser bezahlt als in karitativen.

Abteilungsleiter verdienen im Schnitt 75.000 Euro, in Firmen sind es 100.000 Euro. Der Abstand wird kleiner beim Vergleich Organisationen gleicher Größe: Bei 50 bis 100 Mitarbeitern sind es 72.000 Euro, in Unternehmen 78.000 Euro.

Gesucht werden in den Fachverbänden vor allem Hochschulabsolventen mit Fachstudium. Wer mit der Politik und den eigenen Mitgliedern diskutieren muss, braucht das entsprechende Rüstzeug. Daneben tummeln sich in den juristischen Abteilungen etliche Rechtsanwälte. Aber auch Wirtschaftswissenschaftler, Politologen und Soziologen sind gern gesehen. "Wir haben auch einen Physiker in der Mitgliederbetreuung", sagt Willi Fuchs, Direktor der Ingenieurvereinigung VDI. Der Doktorgrad wurde schon immer gern gesehen – wegen der Außenwirkung.

Jobs bieten Verbände aber nicht nur in der Zentralen Organisation, die sich um Mitgliederbetreuung und Lobbying kümmert. Selbst kleinere wie der Bayerische Jagdverband haben meist eigene Service-GmbHs, die zu 100 Prozent in den Händen des Vereins liegen. Hier werden die unternehmerischen Tätigkeiten gebündelt – von der Mitgliederzeitung bis hin zu Rabatten bei Versicherungen, Autovermietungen oder dem Handel. Die Gewinne der Töchter bringen zusätzlich zu den Mitgliedsbeiträgen Geld in die Kasse. Damit kann auch der VDI Preissteigerungen ausgleichen und die Mitglieder schonen. 

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