Hochbegabte Schlau, schlauer, gefeuert
Hochbegabte sollten für eine Karriere als Überflieger prädestiniert sein. Doch oft scheitern Mitarbeiter mit einem Intelligenzquotienten über 130 an den Hierarchien.
© Hulton Archive/Getty Images

Ein hoher Intelligenzquotient sagt nichts darüber aus, ob ein Mensch auch Karriere macht
Die Sorge, nicht richtig verstanden zu werden, schwingt immer mit. "Ach, jetzt habe ich Sie mit einem Redeschwall zugedonnert, konnten Sie überhaupt noch folgen?", fragt Berater Heinz-Detlef Scheer am Ende des Telefonats. Auch Unternehmer Volker Schatz unterbricht sich selbst: "Jetzt erkläre ich wieder viel zu viel auf einmal, jetzt bin ich wieder auf einer ganz anderen Ebene." Scheer und Schatz sind Hochbegabte, Menschen mit einem Intelligenzquotienten von 130 oder höher. Sie haben im Berufsleben erfahren, dass schlauer zu sein, als die anderen, nicht immer ein Vorteil ist. Sie wissen, dass sie leicht anecken oder unverstanden bleiben, wenn sie sich nicht an das Niveau ihrer Umwelt anpassen.
Wie ticken Hochbegabte? Personalmanager und Unternehmensberater entdecken das Thema bestenfalls gerade erst. Selbst den Betroffenen fehlt meist noch das Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen: Sie merken allenfalls nur, dass sie irgendwie anders sind.
Rund zwei Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung sind hochbegabt, können Intelligenztests deutlich schneller lösen als der Rest. Das sind etwa 1,6 Millionen Deutsche. Sie können Firmenchefs sein, Handwerker oder auch Hartz IV-Empfänger. Ein kluger Kopf garantiert noch lange nicht den raschen Aufstieg. "Gut die Hälfte aller Hochbegabten fällt überhaupt nicht auf", sagt Hochbegabten-Coach Scheer. Und er schätzt, dass 80 Prozent der Betroffenen nichts über ihren hohen Intelligenzquotienten wissen.
- Informationen für Hochbegabte
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IQ-Test: Ab einem Intelligenzquotienten von 130 sind Menschen hochbegabt. Tests machen Psychologen und Erziehungsberatungsstellen. Sie kosten 200 bis 300 Euro, dazu kommt noch die Auswertung. Eine preiswerte Alternative sind Tests der Hochbegabtenorganisation Mensa Deutschland e.V. Sie veranstaltet Tests zu 49 Euro, die Profil-Auswertung 60 Euro extra.
Netzwerke: Mensa bezeichnet sich selbst als weltweit größten Verein für hochbegabte Menschen mit 110.000 Mitgliedern, davon rund 8500 in Deutschland. Auch auf der Webseite www.hobee.de können sich Hochbegabte austauschen.
Trainer und Bücher: Ein gutes Dutzend Trainer coacht in Deutschland Hochbegabte. Auch Bücher beschäftigen sich mit dem Thema, wie etwa: Malcolm Gladwell: Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht. Oder Heinz-Detlef Scheer: Wie ich werde, was ich bin.
Sie wundern sich häufig nur. Wenn es schlecht läuft, haben Sie zwar mehrere Doktortitel, landen aber trotzdem beruflich im Abseits. Sie verärgern ihre Kollegen, wenn sie Problemlösungen vorschlagen, weil sich die anderen von ihrem Tempo überfahren fühlen. Sie sind gekränkt oder genervt, wenn sie der andere nicht versteht. "In hierarchisch organisierten Unternehmen büßen sie ein großes Maß an Freiheit ein", sagt der hochbegabte Ex-Banker Claudio Seipel, der sich inzwischen als Unternehmensberater selbstständig gemacht hat. "Da kommt rasch Frust auf, dass man nichts bewegen kann."
Coach Scheer, der auch Ex-Musiker, Kaufmann, Diplom-Psychologe und Buchhändler ist, macht mehrere Muster bei seinen Klienten aus: Erstens: Sie steigen rasch auf, fallen aber häufig auch tief, weil sie rasch an ihre Grenzen stoßen. Zweitens: Sie legen sich mit ihren Chefs und Untergebenen an und machen sich unbeliebt. Und drittens besteht die Gefahr, dass sie sich verzetteln.
"Sie entdecken permanent neue Interessengebiete und haben keine Strategie, welches sie verfolgen sollen und welches nicht", beobachtet Scheer. Häufig fangen sie fünf oder sechs Ausbildungen an, zwei bringen sie vielleicht zu Ende. Kaum hätten Hochbegabte ein wenig Ahnung in einem Gebiet, werde es ihnen schon langweilig. "Aber zum beruflichen Erfolg gehört, dass man sein Handwerk konsequent einübt und beherrscht", meint Ex-Banker Seipel. Richtig lernen hätten Hochbegabte aber oft nie gelernt. Die Schule haben sie schließlich auch meist ohne Lernen geschafft.
Volker Schatz, der geradlinig die Messgeräte-Technik-Firma seines Vaters übernommen hat und leitet, hat seine Begabung nie als Nachteil empfunden. Schließlich kann er als Chef schalten und walten, wie er will. Damit es ja nicht langweilig wird, hat er nebenbei noch einen Doktortitel hingelegt, zwei Bücher geschrieben, als Gehbehinderter mit dem Reiten angefangen und eine Kabarettistenlehrgang absolviert. Die erste Aufführung findet Ende Mai statt.
Mehrere Jobs gleichzeitig, davon zumindest einer in Selbstständigenposition, das ist bei Hochbegabten ein typische Berufssituation. Die hochintelligente Christine Warlies etwa verbessert im Festangestelltenverhältnis die Abläufe in einem Krankenhaus. Nebenher arbeitet sie noch als Unternehmensberaterin und ist ehrenamtlich im Hochintelligentenclub Mensa engagiert.
Eine der größten Herausforderungen im Berufsalltag ist die Kommunikation. "Ich habe mir angewöhnt, in Meetings erst mal den Mund zu halten und zu warten, bis andere mit Lösungsvorschlägen kommen", sagt Warlies. Sie sei früher auch mal schnell mit ihren Ideen herausgeplatzt. Das sei nicht gut angekommen. "Man muss sich ständig für andere herunterregeln", sagt Ärztin Maya Zimmermann. Und Unternehmer Schatz ist sich oft nicht sicher, ob er die richtige Kommunikationsebene gefunden hat. "Wenn ich meinen Mitarbeitern was erkläre, weiß ich oft nicht, ob ich zu viel oder zu wenig Information gegeben habe."
Auf Belehrungen reagiert das Umfeld empfindlich. Hochbegabten-Coach Scheer erinnert sich an einen Klienten, der trotz zweier Doktortitel ständig den Arbeitgeber wechseln musste. Er machte seine Chefs auf Fehler aufmerksam, ignorierte Verantwortlichkeiten und Hierarchien. "Er hat allen in ihr Hoheitsgebiet hineingepfuscht." Am besten funktioniere die Zusammenarbeit mit anderen Hochbegabten, sagen die Betroffenen. "Dann kommt endlich ein sich gegenseitig befruchtendes Miteinander zustande", sagt Medizinerin Zimmermann.
Für Personalberater ist der Intelligenzquotient bis jetzt allenfalls ein Randthema. "Wir testen die fachliche Qualifikation und die Persönlichkeitsstruktur, das sind die wichtigen Kriterien" sagt Jens Hohensee, Seniorberater bei Kienbaum. Bestnoten im Examen hält er für einen Pluspunkt. "Aber für die Top-Jobs muss mehr dazu kommen", sagt er. Wer es bis ganz oben schaffen wolle, der müsse parkettfähig sein und politisch denken können. "Politische Allianzen erkennen, umgehen, selbst welche schmieden."
Ganz unbeachtet bleibt der Intelligenzquotient bei ihm trotzdem nicht. Hohensee ist überzeugt, dass Hochbegabte in hierarchisch strukturierten, traditionellen Industrieunternehmen nicht so gut aufgehoben sind. "Besser sind hierarchisch flache Unternehmen der New Economy", sagt er. Oder gleich ein Beraterposten. " Da wechseln ständig die Aufgaben. Und intelligenter Rat ist hier ausgesprochen erwünscht."
(Erschienen im Handelsblatt)
- Datum 31.05.2010 - 13:35 Uhr
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Ist es nicht ein klassisches, wohl bekanntes Problem, wenn es untereinander ab und zu Schwierigkeiten gibt, sich auf dem selben Niveau zu unterhalten?
Der Bericht bestätigt wieder einmal, daß es sich auch bei "Hochbegabten" nur um "partiell begabte Vollidioten" handelt.
Ist nichts Schlimmes dabei,- so geht´s eben den meisten Menschen.
Wie kann man in einem solchem Ton, dazu derart vorurteilsbehaftet und ignorant sich per Kommentar zu Wort melden. Warum lesen sie nicht einfach die Bildzeitung und verschonen uns mit ihren "platten"Phrasen.
Gute Provokation hat einen anderen Stil.
Das gute an diesem Kommentar ist, dass es kurz und knapp zeigt mit welchen Menschen "Hochbegabte" zu kämpfen haben
meint Leni vom Land
....vom Land? vielleicht ist er hoch begabt und sein Schreiben ein Beweis dafür.
Wie kann man in einem solchem Ton, dazu derart vorurteilsbehaftet und ignorant sich per Kommentar zu Wort melden. Warum lesen sie nicht einfach die Bildzeitung und verschonen uns mit ihren "platten"Phrasen.
Gute Provokation hat einen anderen Stil.
Das gute an diesem Kommentar ist, dass es kurz und knapp zeigt mit welchen Menschen "Hochbegabte" zu kämpfen haben
meint Leni vom Land
....vom Land? vielleicht ist er hoch begabt und sein Schreiben ein Beweis dafür.
als hochbegabter Mensch unter einer systematischen verdummten Konsumgesellschaft zu leben führt manchmal ins Irrenhaus.
Egal ob in beruflichen oder privaten Situationen - es ist oft tragisch, als Kluger mit den Begrenzungen anderer umgehen zu müssen und Potentiale, die nutzbringend wären, zu verstecken. Ich muss sogar zugeben, manchmal regelrechte Hassgefühle zu entwickeln, wenn zu viele Langsame, Beschränkte, Unverständige um mich herum um ihre Relevanz kämpfen. Und gleichzeitig merke ich, wie arrogant sich das wieder anhört und warum ich Probleme bekomme. Ich habe mir jedenfalls angewöhnt, mich eher zurückzuziehen und arbeite längst nur freiberuflich. Ich spiele Wettbwerbe mit mir selbst wie in Schule oder Studium, wo ich die Verachtung, von Lehrenden "geprüft" zu werden, die wesentlich schlichter waren als ich, und die gleichzeitige Notwendigkeit, systemisches Funktionieren nachzuweisen, nur durch selbst gesetzte Wettbewerbe in den Griff bekam: auf keinen Fall jemals etwas lernen oder sich vorbereiten; Arbeiten herunterschreiben, ohne sie einmal korrekturzulesen; abgeben in einem Zehntel der verlangten Zeit und grundsätzlich trotzdem die Bestnote bekommen. Dazu das alles als Selbstverständlich nehmen und sich keinesfalls freuen, weil man weiß, dass alles viel besser ginge. Wenn man jeden, der sich Mühe gibt, entweder verachtet oder belächelt - natürlich noch mit der passenden Fontane-Sottise "Mühegeben ist das Gegenteil von Kunst" im Zitatenschatz - ist einem selbst klar, warum man in normalen Betrieben eher inkompatibel erscheinen muß. Ich muß mir unglaubliche Mühe geben, sozial zu sein.
Hochbegabte scheitern - wie die meisten, die in irgendeiner Weise von der Norm abweichen - an der Starrheit dieses Gesellschaftssytsems, das keinen Raum für Vielfalt schafft und Egoismus fördert statt Solidarität.
Kein Wunder also, wenn Mitschüler - und Lehrer -, Mitarbeiter und Vorgesetzte Talent mit Neid begegnen, und Hochbegabte sich eher zurückhalten oder Minderbegabten mit Ablehnung begegnen, anstatt Hilfestellung zu geben bzw. geben zu können.
Wo sich jeder selbst der Nächste ist, da ist kein Platz für Verständnis. Solange diese Ellenbogengesellschaft existiert wird Potential weiterhin (oft unentdeckt) verschenkt werden - nicht nur bei Hochbegabten.
Beginnen wir mit einer lit. Anleihe:
"Einmal so wird erzählt, wurde eine Gruppe überdurchschnittlich guter Schüler aufgefordert, einen Aufsatz über den Herzog von Marlborough zu schreiben. Am nächsten Tag sollte Bundy seine Arbeit vor der Klasse vorlesen. Kaum hatte er begonnen, fingen seine Klassenkameraden an zu kichern, und sie kicherten die ganze Zeit weiter, während Bundy einen ausgezeichneten Essay vorlas. Der Lehrer war sehr angetan, erkundigte sich aber nach dem Unterricht bei einem der Schüler, was denn das Gekicher zu bedeuten gehabt habe. 'Haben Sie es denn nicht bemerkt', sagte der Schüler, 'dass er nicht vorbereitet war? Er las von einem leeren Blatt Papier.'"
Die Rede ist von McGeorge Bundy. Er war zu seiner Zeit der begabteste Student an der Yale Universität und wäre um ein Haar Präsident von Harvard geworden. Er war ein Favorit Kennedys, denn er wollte "The Best and the Brightest".
Dies zeigt zweierlei:
1. Extrembegabungen können in Hierarchien überleben - bis an die Spitze.
2. Es ist nicht notwendig gut für eine Gesellschaft, wenn sich an der Spitze tatsächlich "The Best and the Brightest" befinden.
Warum? Weil Sie dort der Versuchung erliegen, nicht nur den besten Weg zur Erreichung eines demokratisch legitimierten Zieles zu finden, sondern gleich das Ziel mit (dort war es Vietnam). Analog einem Bergführer, der nicht nur den Weg zum Gipfel bestimmt, sondern auch den Gipfel selbst.
Herzlichst Crest
...kann ich Ihnen das nachfühlen. Zum allergrößten Teil aber erinnern Sie mich an den jungen Werther und seine Leiden. Vielleicht, kann ich mich aber auch nicht mehr so gut daran erinnern, wie es war, mit 25 hochbegabt und am Anfang der Karriere zu stehen.
Großes Lob für diesen Kommentar. Da bringt es einer auf den Punkt.
Eines fällt mir, analog zu meinem Kommentar Nr. 16, noch ein…
Im Laufe der Jahre habe ich beobachtet, wie viele Menschen sich als hochintelligent oder außerordentlich begabt betrachten. Sehr schmerzlich für sie wird, wenn man sie in bestimmten Disziplinen überragt, bspw. in Logik, Mathematik, Physik, Systemtheorie, die sie offenbar als ihre Domäne begreifen. Mir fällt zunehmend auf, dass sich sehr viele wahrscheinlich hochintelligente Leute auf Grundwissen und Allgemeinwissen ausruhen. Sie lesen zwar alles, was sie zu Konstruktivismus oder einer anderen Mode finden, die gerade angesagt ist, scheitern jedoch an denjenigen, die sich darin vertieft haben. Es kommt für gewöhnlich zu hässlichen Szenen.
Desweiteren kenne ich Hoch-IQ-Menschen, die sich in Erfindungen verzetteln, die bei Lichte betrachtet trivial oder reformatorisch wirken. Man denke an den Mega-Club-Mann Christopher Langan, der eine Theorie der Realität ausstanzt, die dann doch nicht so neuartig ist: ich habe sie untersucht:
http://www.iscid.org/pape...
Ich vermute, dass für Nachbarn und Freunde von denen ein romantischer Sog ausgeht, der sie erstrahlen lässt, weswegen sie sich früher ausruhen oder vieles, was war, aus naiver Überheblichkeit übersehen. Manche erfinden sogar das Rad neu.
Aber, ganz klar, faszinierend finde ich, dass bei Hochbegabten sofort der Wunsch nach Emotionen, Rücksicht und Demut aufkommt, natürlich nicht zu Unrecht, aber auch überzogen.
dieser artikel und ihr beitrag sprechen mir aus der seele.
mir wurde immer gesagt, ich müsse geduldiger mit den anderen sein und mir mehr zeit mit erklärungen lassen. das hat aber total nicht hingehauen, weil ich einfach übergangen werde/wurde.
mittlerweile ist meine höchste priorität nicht mehr mich fortzubilden oder einzubringen, sondern sozial kompatibel zu werden. das ist wirklich ätzend, weil das nichts anderes bedeutet die klappe zu halten und mit anzuschauen wie ein projekt misslingt.
die bedeutung einer aussage wird nicht am inhalt gemessen, sondern an der hierarchie.
ich könnte stundenlang über das thema schreiben bzw. aufregen.
Lieber Fremdermann,
Ihr Beitrag hat mich zugleich bewegt und überrascht: bewegt, weil ich in Ihren Worten meinen eigenen bisherigen Bildungs- und Lebensweg in vielerlei Hinsicht gespiegelt sehe; überrascht, weil es einige Jahre gedauert hat, bis ich einem Kommentar wie dem Ihren begegnen durfte.
Eine große Schwierigkeit, die mir meine eigene Hochbegabung (wenn man den Sachverhalt überhaupt so nennen möchte) auch heute noch immer wieder bereitet, ist das wiederkehrende Gefühl einer zugleich als unwahrscheinlich schön, gelegentlich jedoch auch als unendlich traurig empfundenen Unnahbarkeit, die sicher auch - wenngleich natürlich nicht ausschließlich - in jenem geistigen "Niveau-Unterschied" zu anderen Mensch begründet liegt, den ich derzeit sogar noch im Promotionsstudium an meiner Universität erlebe. Gleichgesinntheit wird durch dieses ambivalente Gefühl, das auf wunderbare Weise kreative Stärken bündeln, aber auch hohe emotionale und soziale Barrieren errichten kann, nicht selten im Keim erstickt. Arroganz und Minderwertigkeitsgefühle wechseln einander dementsprechend von Tag zu Tag ab.
Falls Sie einmal Lust verspüren sollten, sich mit mir über diese Dinge auszutauschen, dürfen Sie mich gerne unter smeisner78@web.de kontaktieren. Ich würde mich freuen.
Nun aber genug gejammert und zurück an die Arbeit!
Waehre nicht eigentlich der richtige Schluss aus Ihren Erlebnissen, ein Handwerk zu erlernen, mit dem man weitgehend unabhaengig von Anderen materielle Werte/Werke erstellen kann und sich in laendliche Abgeschiedenheit zurueckzuziehen?
Hochbegabte scheitern - wie die meisten, die in irgendeiner Weise von der Norm abweichen - an der Starrheit dieses Gesellschaftssytsems, das keinen Raum für Vielfalt schafft und Egoismus fördert statt Solidarität.
Kein Wunder also, wenn Mitschüler - und Lehrer -, Mitarbeiter und Vorgesetzte Talent mit Neid begegnen, und Hochbegabte sich eher zurückhalten oder Minderbegabten mit Ablehnung begegnen, anstatt Hilfestellung zu geben bzw. geben zu können.
Wo sich jeder selbst der Nächste ist, da ist kein Platz für Verständnis. Solange diese Ellenbogengesellschaft existiert wird Potential weiterhin (oft unentdeckt) verschenkt werden - nicht nur bei Hochbegabten.
Beginnen wir mit einer lit. Anleihe:
"Einmal so wird erzählt, wurde eine Gruppe überdurchschnittlich guter Schüler aufgefordert, einen Aufsatz über den Herzog von Marlborough zu schreiben. Am nächsten Tag sollte Bundy seine Arbeit vor der Klasse vorlesen. Kaum hatte er begonnen, fingen seine Klassenkameraden an zu kichern, und sie kicherten die ganze Zeit weiter, während Bundy einen ausgezeichneten Essay vorlas. Der Lehrer war sehr angetan, erkundigte sich aber nach dem Unterricht bei einem der Schüler, was denn das Gekicher zu bedeuten gehabt habe. 'Haben Sie es denn nicht bemerkt', sagte der Schüler, 'dass er nicht vorbereitet war? Er las von einem leeren Blatt Papier.'"
Die Rede ist von McGeorge Bundy. Er war zu seiner Zeit der begabteste Student an der Yale Universität und wäre um ein Haar Präsident von Harvard geworden. Er war ein Favorit Kennedys, denn er wollte "The Best and the Brightest".
Dies zeigt zweierlei:
1. Extrembegabungen können in Hierarchien überleben - bis an die Spitze.
2. Es ist nicht notwendig gut für eine Gesellschaft, wenn sich an der Spitze tatsächlich "The Best and the Brightest" befinden.
Warum? Weil Sie dort der Versuchung erliegen, nicht nur den besten Weg zur Erreichung eines demokratisch legitimierten Zieles zu finden, sondern gleich das Ziel mit (dort war es Vietnam). Analog einem Bergführer, der nicht nur den Weg zum Gipfel bestimmt, sondern auch den Gipfel selbst.
Herzlichst Crest
...kann ich Ihnen das nachfühlen. Zum allergrößten Teil aber erinnern Sie mich an den jungen Werther und seine Leiden. Vielleicht, kann ich mich aber auch nicht mehr so gut daran erinnern, wie es war, mit 25 hochbegabt und am Anfang der Karriere zu stehen.
Großes Lob für diesen Kommentar. Da bringt es einer auf den Punkt.
Eines fällt mir, analog zu meinem Kommentar Nr. 16, noch ein…
Im Laufe der Jahre habe ich beobachtet, wie viele Menschen sich als hochintelligent oder außerordentlich begabt betrachten. Sehr schmerzlich für sie wird, wenn man sie in bestimmten Disziplinen überragt, bspw. in Logik, Mathematik, Physik, Systemtheorie, die sie offenbar als ihre Domäne begreifen. Mir fällt zunehmend auf, dass sich sehr viele wahrscheinlich hochintelligente Leute auf Grundwissen und Allgemeinwissen ausruhen. Sie lesen zwar alles, was sie zu Konstruktivismus oder einer anderen Mode finden, die gerade angesagt ist, scheitern jedoch an denjenigen, die sich darin vertieft haben. Es kommt für gewöhnlich zu hässlichen Szenen.
Desweiteren kenne ich Hoch-IQ-Menschen, die sich in Erfindungen verzetteln, die bei Lichte betrachtet trivial oder reformatorisch wirken. Man denke an den Mega-Club-Mann Christopher Langan, der eine Theorie der Realität ausstanzt, die dann doch nicht so neuartig ist: ich habe sie untersucht:
http://www.iscid.org/pape...
Ich vermute, dass für Nachbarn und Freunde von denen ein romantischer Sog ausgeht, der sie erstrahlen lässt, weswegen sie sich früher ausruhen oder vieles, was war, aus naiver Überheblichkeit übersehen. Manche erfinden sogar das Rad neu.
Aber, ganz klar, faszinierend finde ich, dass bei Hochbegabten sofort der Wunsch nach Emotionen, Rücksicht und Demut aufkommt, natürlich nicht zu Unrecht, aber auch überzogen.
dieser artikel und ihr beitrag sprechen mir aus der seele.
mir wurde immer gesagt, ich müsse geduldiger mit den anderen sein und mir mehr zeit mit erklärungen lassen. das hat aber total nicht hingehauen, weil ich einfach übergangen werde/wurde.
mittlerweile ist meine höchste priorität nicht mehr mich fortzubilden oder einzubringen, sondern sozial kompatibel zu werden. das ist wirklich ätzend, weil das nichts anderes bedeutet die klappe zu halten und mit anzuschauen wie ein projekt misslingt.
die bedeutung einer aussage wird nicht am inhalt gemessen, sondern an der hierarchie.
ich könnte stundenlang über das thema schreiben bzw. aufregen.
Lieber Fremdermann,
Ihr Beitrag hat mich zugleich bewegt und überrascht: bewegt, weil ich in Ihren Worten meinen eigenen bisherigen Bildungs- und Lebensweg in vielerlei Hinsicht gespiegelt sehe; überrascht, weil es einige Jahre gedauert hat, bis ich einem Kommentar wie dem Ihren begegnen durfte.
Eine große Schwierigkeit, die mir meine eigene Hochbegabung (wenn man den Sachverhalt überhaupt so nennen möchte) auch heute noch immer wieder bereitet, ist das wiederkehrende Gefühl einer zugleich als unwahrscheinlich schön, gelegentlich jedoch auch als unendlich traurig empfundenen Unnahbarkeit, die sicher auch - wenngleich natürlich nicht ausschließlich - in jenem geistigen "Niveau-Unterschied" zu anderen Mensch begründet liegt, den ich derzeit sogar noch im Promotionsstudium an meiner Universität erlebe. Gleichgesinntheit wird durch dieses ambivalente Gefühl, das auf wunderbare Weise kreative Stärken bündeln, aber auch hohe emotionale und soziale Barrieren errichten kann, nicht selten im Keim erstickt. Arroganz und Minderwertigkeitsgefühle wechseln einander dementsprechend von Tag zu Tag ab.
Falls Sie einmal Lust verspüren sollten, sich mit mir über diese Dinge auszutauschen, dürfen Sie mich gerne unter smeisner78@web.de kontaktieren. Ich würde mich freuen.
Nun aber genug gejammert und zurück an die Arbeit!
Waehre nicht eigentlich der richtige Schluss aus Ihren Erlebnissen, ein Handwerk zu erlernen, mit dem man weitgehend unabhaengig von Anderen materielle Werte/Werke erstellen kann und sich in laendliche Abgeschiedenheit zurueckzuziehen?
Lieber Fremdermann,
wie lange hat es gedauert, bis Sie genau wussten, dass Sie "inkompatibel" in normalen Betrieben sind? Und was arbeiten Sie freiberuflich? Wie haben Sie für sich eine Tätigkeit gefunden, in der Sie sich und ihre Potentiale selbst verwirklichen können?
Freue mich über Antworten!
Tina Groll, Redakteurin ZEIT ONLINE
Wer schon einmal mit schlüsselfertigen Lösungen in einer einberufen Runde (z.B. bei VW) gesessen hat, indem vier Hierarchieebenen mit am Tisch sitzen wird sich spätestens da fragen, ob er hier richtig ist. Da geht es nicht darum frei um die besten Lösungen zu diskutieren, sondern vor allem darum: „Wer hat’s erfunden“? Die hochbegabten können ihr Lösungen beim direkten Vorgesetzen abgeben, der sagt vielen Dank und zwei Monate später sind sie weg. Drei Monate später erfahren sie, dass ihr ehemaliger Vorgesetzter mit ganz tollen Ideen – die Ihnen bekannt vorkommen - eine weitere Karrierestufe aufgestiegen ist. Auch schön: http://www.zeit.de/2009/2...
So ist es mir passiert in den 80ern. Heute Hartz IV.
Das kann ich nur bestätigen.
Ein großer Anteil der unerkannten Kinder werden an Förder oder Sonderschulen beschult weil sie verhaltensauffällig sind oder waren.
Bitter, dass die Pädagogik sich nicht intensiver mit diesem Thema auseinander setzt wie es im umgekehrten Fall, der Lernbhinderung schon Standard ist.
meint Leni vom LAnd
ich verstehe und glaube dass so etwas passiert.
Sie haben Ihre situation reflektiert, wissen über Ihre potenziale und die ungenutzten chancen. warum nutzen Sie Ihre hohe denkkraft nicht, eine lösung aus Ihrer situation zu konstruieren:
- was sind die hindernisse: wissen / lebenslauf
- was kann sind lösungsstrategien: wissensgenerierung / erklärung / selbstständigkeit
ursprünglich sind Sie sicher unschuldig und traurigerweise in Ihre lebenssituation gestoßen worden - jetzt aber sollten Sie sich mit all Ihren potenzialen nochmal zusammenreißen, Sie haben nur dieses eine leben!!!
Das kann ich nur bestätigen.
Ein großer Anteil der unerkannten Kinder werden an Förder oder Sonderschulen beschult weil sie verhaltensauffällig sind oder waren.
Bitter, dass die Pädagogik sich nicht intensiver mit diesem Thema auseinander setzt wie es im umgekehrten Fall, der Lernbhinderung schon Standard ist.
meint Leni vom LAnd
ich verstehe und glaube dass so etwas passiert.
Sie haben Ihre situation reflektiert, wissen über Ihre potenziale und die ungenutzten chancen. warum nutzen Sie Ihre hohe denkkraft nicht, eine lösung aus Ihrer situation zu konstruieren:
- was sind die hindernisse: wissen / lebenslauf
- was kann sind lösungsstrategien: wissensgenerierung / erklärung / selbstständigkeit
ursprünglich sind Sie sicher unschuldig und traurigerweise in Ihre lebenssituation gestoßen worden - jetzt aber sollten Sie sich mit all Ihren potenzialen nochmal zusammenreißen, Sie haben nur dieses eine leben!!!
Die Vermutung liegt nahe, dass bei besonders begabten Menschen die "Filter" im Kopf fehlen, welche rein rationales Denken zugunsten von sozialem Miteinander/Gruppendynamik trüben.
Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass man sich diesen Teil mit der "Sozialen Matrix", also z.B. die Intuition für Hierarchien, antrainieren kann. Menschen sind viel berechenbarer als Sie selber denken. Das Miteinander folgt gewissen Regeln die man auf Kärtchen schreiben und auswendig lernen kann. Einfaches Beispiel: Auf Parties nicht immer wieder zum selben Diskussionsthema zurückkehren sondern die Gesprächsthemen laufen lassen....
Was mich viel härter trifft und nicht antrainiert werden kann: Menschen mit unterschiedlicher Begabung unterscheiden sich in ihrem Humor. Leider sind es aber gerade die guten Witze, das gemeinsame Lachen welches privat wirklich verbindet. Aus Arbeitskollegen werden dann leider oft genug NICHT gute Freunde.
Hochbegabte scheitern - wie die meisten, die in irgendeiner Weise von der Norm abweichen - an der Starrheit dieses Gesellschaftssytsems, das keinen Raum für Vielfalt schafft und Egoismus fördert statt Solidarität.
Kein Wunder also, wenn Mitschüler - und Lehrer -, Mitarbeiter und Vorgesetzte Talent mit Neid begegnen, und Hochbegabte sich eher zurückhalten oder Minderbegabten mit Ablehnung begegnen, anstatt Hilfestellung zu geben bzw. geben zu können.
Wo sich jeder selbst der Nächste ist, da ist kein Platz für Verständnis. Solange diese Ellenbogengesellschaft existiert wird Potential weiterhin (oft unentdeckt) verschenkt werden - nicht nur bei Hochbegabten.
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