ZeugwartDie Ersatzmama der Kicker

Mehr als nur dreckige Trikots waschen: Zeugwarte gehören zum Team und sorgen hinter den Kulissen für ein reibungsloses Fußballspiel. Ihr Joballtag im Beruf der Woche von 

Ein Zeugwart legt den Spielern frische Trikots heraus

Ein Zeugwart legt den Spielern frische Trikots heraus  |  © Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Fußballlegende Sepp Herberger sagte einmal: "Ein Spiel dauert 90 Minuten." Das mag für die Fußballer stimmen, für die Zeugwarte, die die Spieler vor, während und nach einem Fußballspiel betreuen, aber nicht.

"Für uns hat das Spiel nicht 90, sondern eher 900 Minuten", sagt Sven Holtrode. Ganz so lang dauert der Arbeitstag des Zeugwarts der U-20 und U-17 Fußball-Nationalmannschaft natürlich nicht. Dennoch ist Holtrode schon lange vor Anpfiff aktiv. "Ungefähr drei bis vier Stunden, bevor die Mannschaft im Stadion eintrifft, beginne ich mit den Vorbereitungen in der Kabine", sagt Holtrode. Von der Unterhose bis zum kompletten Trikot: Holtrode hat für die Spieler alles dabei. Bei mehr als 20 Spielern kommt einiges zusammen. "Bis zu 1,5 Tonnen Gepäck sind keine Seltenheit", sagt Holtrode.

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Die Aufgabe der Zeugwarte ist es zunächst, die Shirts zum Warmlaufen, die Fußballschuhe sowie alle Spielutensilien bereitzulegen. Während des Aufwärmens räumen die Zeugwarte die Kabine auf, stellen Erfrischungsgetränke, Kuchen und Bananen bereit und hängen jedem Spieler sein Trikot an seinen Platz. "Es bedarf einer umfangreichen Vorbereitung, alle Sachen individuell für die Spieler bereitzulegen. Das macht man nicht in einer halben Stunde", sagt Holtrode.

© Tim Boyle/Getty Images

Doch wer denkt, während des Spiels können Zeugwarte gemütlich dem Spiel zusehen, der irrt. Kurz nach Anpfiff werden Vorkehrungen für die Halbzeitpause getroffen. Sind genügend Handtücher da? Möchte ein Spieler seine Schuhe wechseln? Zeugwarte müssen auf alles vorbereitet sein. Außerdem wichtig: genügend Getränke und ein frischer Satz Trikots für alle Spieler. In der zweiten Halbzeit muss die Kleidung zum Auslaufen nach dem Spiel bereitgelegt werden. Die Spieler brauchen genügend Eis, um kleinere Blessuren zu kühlen. Zu guter Letzt muss alles zusammengepackt und verstaut werden. Hektik. "Insgesamt sehe ich vom Spiel vielleicht 20 Minuten", sagt Holtrode. Im Quartier muss er Wäsche waschen und den nächsten Tag vorbereiten. Häufig hat er dann einen 12-Stunden-Tag. "Zeugwarte sind morgens die ersten und abends die letzten, die arbeiten", sagt Holtrode.

Warum ist eine so umfangreiche Betreuung eigentlich nötig, warum legen die Fußballer nicht selbst mit Hand an? Die Antwort ist einfach: "Die Spieler sollen sich so wohl wie möglich fühlen und so wenig wie möglich abgelenkt werden, damit sie den Kopf für das Fußballspielen frei haben", sagt Holtrode.

Die Arbeit der Zeugwarte besteht auch nicht nur aus dreckige Wäsche waschen und Trikots bereitlegen. Zeugwarte sind auch Ersatzmama und Seelsorger. Nicht selten sind sie die ersten, die von den Problemen der Spieler hören oder denen ein Anliegen vorgetragen wird, das nicht sofort mit dem Trainer besprochen werden muss – oder soll. Das betrifft besonders Extrawünsche. "Bei guten Zeugwarten gibt es auf Wunsch auch mal ein Stück Schokolade oder ein paar Gummibärchen als Sonderwunsch – ohne Wissen des Trainers." Die Spieler sollen schließlich bei Laune gehalten werden. "Meistens wissen die Trainer das ohnehin", sagt Holtrode, stellt aber auch klar: "Wir wissen aber schon, was wir rausgeben dürfen, oder was nicht. Eine ganze Tafel Schokolade ist beispielsweise nicht drin."

Beim DFB arbeiten Zeugwarte zumeist auf Honorarbasis im Rahmen von Länderspielen oder Lehrgangsmaßnahmen, bei den Vereinen der Bundesligen im Laufe der Saison sind sie häufig angestellt. Der Verdienst variiert je nach Liga und Verein.

Und wie sieht die Ausbildung aus? Der Beruf des Zeugwarts ist nicht staatlich anerkannt, eine Ausbildung im klassischen Sinne gibt es nicht. Viele beginnen als Betreuer im Jugendbereich eines Vereins.

"Man eignet sich viel selbst an, schaut zu, wie die Zeugwarte bei den Profis arbeiten", sagt Holtrode. Learning by doing. Besondere Kenntnisse sind nicht notwendig. Viel Herzblut für den Job, genaues Arbeiten und ein gewisses Organisationstalent sollten mitgebracht werden. Dennoch: Einfach ist der Job nicht. "Die Aufgaben hören sich banal an, aber ohne uns würde es wohl drunter und drüber gehen", sagt Holtrode. Die Helfer im Hintergrund sind innerhalb des Teams voll anerkannt. "Die Spieler und Trainer wissen genau, wie anstrengend und anspruchsvoll unsere Arbeit ist."

  • Ausbildung: keine staatlich anerkannte Ausbildung
  • Gehalt: auf Honorarbasis: variiert; als Angestellter: ab 1500,- Euro/brutto
  • Arbeitszeit: variiert
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Leserkommentare
  1. .. finde ich trotzdem nicht, dass die Arbeit so schwer sein kann. Auch wenn der Artikel das so versucht darzustellen.

  2. also ich denke schon das die arbeit recht stressig ist da wird einiges zu tun sein wie halt wäsche waschen bügeln wahrscheinlich noch schuhe impregmieren buffett dekorieren und denke mal sie werden auch die kabine danach noch sauber machen müssen glaube kaum das da ein Profi fussballer groß selbst hand anlegt. Denke mal die werden wie kleine Kinder sein deren Zimmer man aufräumen muss und das hoch gerechnet auf den ganzen Kader wird schon ne Menge arbeit auf ein zu kommen. Aber solang man sein Job liebt ist das denke ich mal auch egal wieviel stress man dabei hat.

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    deine Punkt- und Komma-Tasten sind ein wenig von dir enttäsucht. Du vernachlässigst die Beiden arg.

  3. deine Punkt- und Komma-Tasten sind ein wenig von dir enttäsucht. Du vernachlässigst die Beiden arg.

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  • Serie Beruf der Woche
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte DFB | Fußball-Nationalmannschaft | Sepp Herberger | Trainer | Ausbildung | Getränk
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