Befristete BeschäftigungArbeitsvertrag mit Ablaufdatum

Jeder zweite neue Arbeitsvertrag in Deutschland ist nur noch befristet. Welche Rechte und Pflichten die Beschäftigten auf Zeit haben, klärt ZEIT ONLINE in einem FAQ. von Wiebke Baden

Immer mehr Firmen stellen ihre Mitarbeiter nur befristet ein. "Der Trend geht zu möglichst wenig Verbindlichkeiten und mehr Flexibilität", sagt Martina Perreng, Arbeitsrechtsexpertin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Dass Chefs befristet einstellen, hat einen simple Ursache: Sie brauchen dann keinen Kündigungsgrund mehr, weil der Vertrag irgendwann einfach ausläuft. Für den Arbeitnehmer bedeuten die Stellen auf Zeit erhebliche Unsicherheiten. Doch Jobs sind rar, gerade Berufsanfänger nehmen oft mehrere Befristungen hintereinander auf sich. Dabei sollten sie unbedingt auf typische juristische Fallen achten.

Was ist der Unterschied zwischen Zeitarbeit und einem befristeten Arbeitsverhältnis?

Die Zeitarbeit ist generell ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Der Arbeitnehmer ist unbefristet bei einer Zeitarbeitsfirma eingestellt und wird einer anderen Firma für bestimmte Tätigkeiten entliehen. Dazu macht das Unternehmen einen separaten Vertrag mit der Zeitarbeitsfirma. Bei einer Befristung hingegen beschäftigt es den Mitarbeiter selbst – aber nur für eine beschränkte Zeit.

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Worauf muss ich achten, wenn ich einen befristeten Arbeitsvertrag unterschreibe?

Ein befristeter Vertrag muss immer schriftlich vorliegen. Eine mündliche Vereinbarung ist unwirksam. Der Arbeitgeber muss ihn vor Arbeitsbeginn unterschreiben und seinem neuen Angestellten vorlegen. Sonst gilt das Arbeitsverhältnis vom ersten Arbeitstag an als unbefristet.

Unterschieden werden zwei Arten von befristeten Verträgen: Solche ohne besonderen Grund, die auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt sind. Juristen nennen dies "Befristung ohne sachlichen Grund" oder auch "kalendermäßige Befristung". Eine Befristung ohne Sachgrund ist allerdings nur bei Neueinstellungen möglich. Bei den Befristungen ohne Sachgrund ist zudem wichtig, dass im Vertrag das Ende des Arbeitsverhältnisses genau angegeben ist.

Die zweite Variante ist die Befristung mit einem "Sachgrund", der auch explizit im Vertrag genannt werden sollte. Ansonsten sind Auseinandersetzungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorprogrammiert.

Welche Sachgründe für eine Befristung lassen Gerichte gelten?

Das regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz, unter Paragraph 14, Absatz 1. Die wichtigsten Gründe: Man vertritt einen Kollegen während seiner Elternzeit oder arbeitet nur für die Dauer eines Projekts. Zulässig und üblich ist es auch, Berufsanfänger, die gerade erst ihre Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben, zunächst befristet einzustellen. Eine Art verlängerte Probezeit.

Wie oft darf ein befristeter Arbeitsvertrag verlängert werden?

Das hängt von der Art der Befristung ab. Eine kalendermäßige Befristung ohne Sachgrund darf insgesamt höchstens zwei Jahre dauern. In dieser Zeit kann der Arbeitgeber den Vertrag maximal drei Mal verlängern. Das nennt sich Kettenbefristung. Werden die Mitarbeiter danach weiterbeschäftigt, muss eine Entfristung des Arbeitsverhältnisses erfolgen. Theoretisch ist es auch möglich, nach Neueinstellungen mit einer Befristung ohne Sachgrund nach Ablauf der Höchstdauer von zwei Jahren eine Befristung mit Sachgrund anzuschließen – weil beispielsweise der Arbeitnehmer aus Haushaltsmitteln vergütet wird, die haushaltsrechtlich für eine befristete Beschäftigung bestimmt sind. Eine weitere Ausnahme besteht nach Firmenneugründung: Wer das Unternehmen selbst erst gegründet hat, kann seine ersten Angestellten bis zu vier Jahre lang immer wieder befristet einstellen. Wer mit Sachgrund befristet beschäftigt ist – etwa als Vertretung – dem kann der Chef den Vertrag beliebig oft verlängern. Wie lang eine Befristung dabei jeweils dauert, hängt davon ab, wie lang der Arbeitnehmer als Vertretung oder für ein Projekt arbeiten soll. Solange immer ein sachlicher Grund vorliegt, können mehrere befristete Verträge aufeinander folgen. Dieser Grund kann aber auch jedes Mal ein anderer sein. Eine Befristung erst mit Sachgrund und dann ohne darf allerdings nicht erfolgen. Möglich ist nur der umgekehrte Fall.

Kann ich im Nachhinein über Gehalt und Arbeitszeiten verhandeln?

Kaum. "Eine Änderung im Vertrag bedeutet immer einen neuen befristeten Vertrag", sagt Harald Schwamborn, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Hamburg. "Es wäre deshalb unklug vom Arbeitgeber, sich im Nachhinein auf Änderungen einzulassen." Falls sich der Chef bei einem befristeten Vertrag ohne Sachgrund trotzdem auf eine Änderung einlässt, sind Arbeitnehmer gut beraten, den Chef darauf nicht hinzuweisen. Denn rechtlich gesehen ist die Befristung dann unwirksam geworden und der Arbeitnehmer kann nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses klagen.

Wann kann ich eine Entfristung einklagen?

Wenn sie unwirksam ist. Beispiel: Der Sachgrund im Arbeitsvertrag stimmt nicht mit der tatsächlichen Situation überein; jemand wird als Vertretung eingestellt, obwohl es niemanden zu vertreten gibt und die Stelle womöglich sogar nach Auslaufen des Vertrags erneut ausgeschrieben wird.

Leserkommentare
  1. ob der befristet Angestellte über das Vertragsende hinaus eine Mitwirkungspflicht hat, die über die Nebenpflichten hinaus gehen.

    Also angenommen, der Vertrag des Angestellten läuft am Tag x aus und der Arbeitgeber versäumt es eine Übergabe durchzuführen. Nach dem Tag x fällt dem Arbeitgeber auf, dass der Angestellte über Informationen bessesen hat, die kein anderer hat. Ist der Angestellte dann noch zur Mitarbeit verpflichtet oder darf er mit Verweis auf den abgelaufenen Vertrag die Zusammenarbeit verweigern?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gerade durch die Befristung schließt der Arbeitgeber eine weitergehende "Loyalität" aus. Wer sich nicht binden will braucht sich nicht wundern, wenn die andere Seite geht, ohne sich umzudrehen. Der Arbeitgeber will es nicht anders.
    Die Mitwirkungspflicht endet mit dem Vertragsende. Wenn der Arbeitgeber sich nicht rechtzeitig um die Übergabe kümmert hat er "Pech" gehabt.

  2. Haben Sie bei Ihrem Artikel überhaupt in Betracht gezogen, daß es in Deutschland auch Arbeitnehmer gibt? Wo sind die wichtigen Hinweise, wo bitte wird einmal auf die Konsequenzen und Folgen für den befristet Beschäftigten hingewiesen? Kriegen Sie Ihr Gehalt vom Arbeitgeberverband?
    Ich sehe in Ihrem Artikel keinen einzigen Vorteil für den Arbeitnehmer, ganz im Gegenteil!

    Wie kann man so eine falsche Tatsache in die Welt setzen, in einem Ratgeber? Lieber Autor, auf welche Rechtsgrundlagen berufen Sie sich bitte?

    "Wenn ein befristeter Vertrag ausläuft und niemand den Arbeitnehmer darauf hinweist, darf er im Prinzip am nächsten Tag zur Arbeit gehen und einfach weiterarbeiten. In diesem Fall müsste der Arbeitgeber ihn sofort nach Hause schicken, sobald er ihn sieht. Wenn er dies nicht tut, entsteht automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis."

    In Deutschland ist es ein Wunschdenken, in Holland ist es möglich.

    Ich hab schon mehrer Widerspruchsverfahren gegen die Bundesagentur für Arbeit durchgesetzt, aber das setzt voraus, daß man bereit ist sich zumindest mit den wichtigsten Rechtsgrundlagen auseinanderzusetzen
    [...].
    Wir bitten Sie, Ihre Kritik sachlich und ohne Beleidigungen zu formulieren. Danke, die Redaktion/vv

  3. Gerade durch die Befristung schließt der Arbeitgeber eine weitergehende "Loyalität" aus. Wer sich nicht binden will braucht sich nicht wundern, wenn die andere Seite geht, ohne sich umzudrehen. Der Arbeitgeber will es nicht anders.
    Die Mitwirkungspflicht endet mit dem Vertragsende. Wenn der Arbeitgeber sich nicht rechtzeitig um die Übergabe kümmert hat er "Pech" gehabt.

  4. stelle mir die frage, ob es irgendeine chance gibt, diesen befristeten Vertrag zu kündigen, wenn nämlich KEINE Angaben zur Kündigungsfrist drin stehen. Das bedeutet ja, dass ich während der Vertragslaufzeit nur außerordentlich kündigen kann. Wenn nun aber innerhalb meines 1 Jahres befristet sich eine Stelle anbietet, die unbefristet ist bzw. mir mehr zusagt(Oder Anschlussbeschäftigung, die 1 oder 2 Monate eher beginnen würde), dann möchte ich doch auch als befristet Angestellter kündigen können. Weiß dazu jemand was? Also: Wie komm ich da raus? (...von wegen Verweis auf gesetzliche Kündigungsfrist wie in diesem Artikel geschrieben...)

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    Hallo sterni1,

    vielleicht hilft Dir der Link weiter

    http://rechtsanwaltarbeit...

    Im Grunde waren befristete Arbeitsverhältnisse nur als Ausnahme und nicht als übliches Arbeitsverhältniss gedacht.
    Der einfachste Weg ist mit dem Arbeitgeber eine "gütliche Einigung" zu finden.
    Einen "unbefristeten Vertrag" würde ich allein schon von der rechtlichen Stellung grundsätzlich
    vorziehen.

  5. Hallo sterni1,

    vielleicht hilft Dir der Link weiter

    http://rechtsanwaltarbeit...

    Im Grunde waren befristete Arbeitsverhältnisse nur als Ausnahme und nicht als übliches Arbeitsverhältniss gedacht.
    Der einfachste Weg ist mit dem Arbeitgeber eine "gütliche Einigung" zu finden.
    Einen "unbefristeten Vertrag" würde ich allein schon von der rechtlichen Stellung grundsätzlich
    vorziehen.

  6. Was passiert,wenn der Arbeitgeber vorzeitig kündigt ? Kann ich auf Vertragserfüllung klagen ?

  7. Ich sehe keine Nachteile für den Arbeitnehmer in einen befristeten Arbeitsvertrag ausser dass er keine Abfindung bekommt!

    Es ist eine sehr klare Abmachung

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