Ein Leben ohne Arbeit ist nämlich kaum vorstellbar. Ein Leben ohne Familie hingegen schon. Vorbei sind die Zeiten, in denen erwerbstätige Frauen als kinderlose Karrierefrauen abgewertet wurden. Die berufstätige Singlefrau ist normal geworden. Umso gewagter ist die Frage, die die Politologin Alexandra Scheele aufwirft: "Gibt es ein gutes Leben jenseits von Erwerbsarbeit?" Es ist ein alternatives Denkmodell. "Warum ist es gleich verdächtig, wenn jemand nicht arbeitet?", fragt Scheele.

Karriere und Schwangerschaft - Ist eine Mutter verdächtig, wenn sie nicht arbeitet?

Die Aussage führt zu einer Debatte. Die meisten Frauen versuchen irgendwie, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wer es sich leisten kann, vergibt die Betreuung an ein Kindermädchen oder teilt sich die Erziehung mit dem Partner. Und überhaupt, kritisiert eine Frau aus dem Publikum, werde hier eine Mittelschichtsdebatte geführt. Die Frauen aus der Unterschicht gingen doch auch arbeiten und bekämen Kinder. Die Unvereinbarkeit stelle sich doch nur den Akademikerinnen als Problem dar, die auf einen gewissen Lebensstandart nicht verzichten wollten. Mit der Pille habe dies alles nichts zu tun.

An der Situation gut Verdienender orientiert sich Kathrin Mahler Walther. Sie arbeitet an der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) und hat eine Studie über sogenannte "Doppelkarrierepaare" durchgeführt. Dafür wurde die Lebenssituation von 1200 Paaren untersucht, die Kinder haben und beide in einer Führungsposition in der Wirtschaft tätig sind. "62 Prozent aller jungen Eltern wünschen sich sowohl Familie als auch Beruf und wollen dies in einem partnerschaftlichen Modell. Aber nur 29 Prozent schaffen es auch, diesen Wunsch umzusetzen", sagt Mahler Walther. Den untersuchten Doppelkarrierepaare ist das gelungen. Aber wie? "Beide wissen, dass keiner von ihnen Vorstand werden kann. Für beide ist es eine große Herausforderung, das Leben ist hoch getaktet. Es gibt im Leben dieser Paare nur den Beruf und die Kinder und daneben nichts", sagt Mahler Walther. Um dieses Modell leben zu können, sei eine gute physische und psychische Konstitution erforderlich, es gebe zudem viele Barrieren. Endlich ein neues Modell? Keineswegs, so Mahler Walther. Die Vereinbarkeit von Führungsposition und Familie werde nur erreicht, weil sich die Doppelkarrierepaare Haushaltshilfen und Babysitter leisten können .

Am Ende bleibt Ratlosigkeit. Die Arbeitswelt und ihre Anforderungen erscheinen übermächtig, besonders für jene, die karriereambitioniert sind und nur ein durchschnittliches Einkommen beziehen. Die Vorträge haben keine zufriedenstellende Antworten geliefert. Aber ein paar alternative Denkansätze. Den Karrierebegriff neu zu überdenken, wäre ein Anfang. Sich kritisch mit der Familienplanung und dem "richtigen Zeitpunkt" auseinanderzusetzen oder gemeinsam für familienfreundlichere Strukturen in der Arbeitswelt zu kämpfen.