Ein Mann sitzt mit Laptop und Handy auf den Stufen vor einer Sehenswürdigkeit in Sydney und arbeitet © Reg Wood/AFP/Getty Images

Ist es Leidenschaft für den Job oder schon Arbeitssucht? Jeder zweite Arbeitnehmer ruft im Urlaub berufliche E-Mails ab, jeder dritte führt dienstliche Telefonate – so das Ergebnis einer Umfrage des Software-Anbieters Symantec und des Personaldienstleisters Randstad, die kürzlich veröffentlicht wurde. Die Männer sind dabei arbeitssüchtiger: Etwa zwei Drittel machen auch im Urlaub via Netzschalte ins Büro keine echte Auszeit, aber nur ein Drittel der Frauen hält es ebenso.

Arbeitsrechtlich ist die Sache jedenfalls klar: Urlaub ist Urlaub. Der Arbeitgeber muss mindestens zwölf zusammenhängende Urlaubstage genehmigen , in denen er nicht verlangen kann, dass der Mitarbeiter erreichbar ist.

Doch warum gelingt es so vielen nicht, den Urlaub auch wirklich als Urlaub zu nutzen? Was sind die Gründe für dieses Verhalten – und was können die Auswirkungen sein? Antworten wissen die Karriereexpertin Carola Kleinschmidt , und der Arbeitspsychologe Tim Hagemann . Sie diskutierten im ZEIT ONLINE Talk vom 31. Juli 2010. Die Sendung zum Nachhören finden Sie hier .

ZEIT ONLINE: Was verstehen Sie selbst unter dem Begriff Work-Life-Balance ?

Tim Hagemann: Ich halte den Begriff eigentlich für etwas irreleitend, weil Arbeit ein Teil des Lebens ist. Generell verstehe ich darunter, einen Ausgleich zu finden zwischen beruflichen und privaten Zielen, zwischen den eigenen Wünschen und denen, die von außen an einen herangetragenen werden, zwischen Phasen der Beanspruchung und der Entspannung. Dies erfordert Reflexion und eine klare "interne Landkarte".

Carola Kleinschmidt:  Für mich umschreibt Work-Life-Balance letztlich das Gefühl "Ich habe mein Leben, meinen Alltag, in der Hand" und bestimme aktiv, in welchem Tempo ich durch den Tag gehe, wann ich Pausen mache oder welchen Interessen und Aufgaben ich Priorität gebe. Dabei geht es nicht nur um die Balance zwischen Beruf und Privatleben sondern um ein ausgeglichenes Lebensgefühl.