ArbeitBeruf Stuntman – fast wie beim Ballett

Sie sind die eigentlichen Helden in der Filmindustrie: Stuntleute übernehmen für Schauspieler die gefährlichen Parts. Ihr Joballtag im Beruf der Woche von 

Tom Cruise traut es sich, Angelina Jolie auch und selbst Sylvester Stallone will trotz seiner 61 Lenze nicht darauf verzichten: Einige Schauspieler stehen für gefährliche Filmszenen selbst vor der Kamera. Ein Großteil der heiklen Szenen beim Filmdreh wird aber von Stuntdoubles, auch Stuntleute oder Kaskadeur genannt, übernommen. Egal, ob der Actionheld eine Flasche auf dem Kopf zerschlagen bekommt, mit dem Wagen über eine brennende Rampe rast oder sich aus dem Fenster in die Tiefe stürzt –  oberstes Gebot ist es, das Verletzungsrisiko bei einem Stunt richtig einzuschätzen und für alle Beteiligten auf ein Minimum reduzieren.

Tatsächlich ist das Berufsrisiko kalkuliert. Stuntleute wissen, wie man einen 20-Meter-Sturz ausführt, ohne sich dabei zu verletzen, sagt Sascha Borysenko. Der Stuntman betreibt eine Stuntschule.

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Die Ausbildung der Stuntdoubles ist umfangreich und anstrengend. Klettern, Höhentraining, Akrobatik, Fall-, und Sprungtechniken, Schleudertraining: Zunächst werden die Grundlagen des Berufs beigebracht. Später werden die spezifischen Stuntarten, beispielsweise Auto-, Kletter-, oder Waffenstunts, aber auch Showkämpfe und Personenbrand trainiert. So spektakulär die Tricks aussehen, so wichtig ist den Profis die Sicherheit. Zur Grundausbildung zählen Erste Hilfe und Feuerlösch-Übungen. Sie kommen noch vor den Schauspielübungen, die wesentlich für den Job sind. Denn um nicht sofort als Double der echten Schauspieler entlarvt zu werden, müssen die Stuntleute ebenfalls Schauspielkenntnisse haben. Zur Ausbildung gehört entsprechend Rollenfindung, Mimik und Gestik.

© Tim Boyle/Getty Images

Im Unterricht lernen die Actionhelden Material- und Waffenkunde – und Filmverständnis. Wie wird ein Konzept für einen Film erstellt, wie werden Show-Veranstaltungen geplant, wie ein Drehbuch geschrieben? Auch die Grundlagen der Schnitt- und Kameratechnik müssen die Stuntmen und -women beherrschen. "Erfahrung ist ein sehr wichtiger Aspekt bei der Arbeit. Bis man richtig gut ist, dauert es. Das ein langwieriger Prozess", sagt Borysenko. Und so sind gefährliche Stunts für Anfänger tabu. Erst nach und nach werden Training und Übungen intensiviert.

Die Ausbildung zum Stuntman oder Stuntwomen ist nicht staatlich geregelt und dauert je nach Stuntschule zwischen einem und drei Jahren. Die Kosten zahlen die Stuntleute selbst. Sie variieren je nach Schule zwischen 1000 und 2500 Euro pro Jahr.

Die Arbeit ist anspruchsvoll, viel Fleiß, Geduld und Ehrgeiz sind nötig, möchte man als Stuntman oder -women sein Geld verdienen. Ständige körperliche Fitness und Körperbeherrschung ist grundlegende Voraussetzung, ein sehr intensives, regelmäßiges Training Pflicht. Auch wichtig: Teamfähigkeit, Besonnenheit und gute Selbsteinschätzung. "Man sollte Respekt, aber keine Angst vor dem haben, was man macht. Risikofreudigkeit ist bei der Arbeit fehl am Platz", sagt Borysenko.

Aber ist die Arbeit nicht gefährlich? "Wer seinen Job richtig beherrscht, für den ist die Arbeit weitestgehend ungefährlich. Nur bei Unerfahrenheit oder Unaufmerksamkeit können gefährliche Situationen entstehen." So werden alle Szenen bis ins kleinste Detail geplant, die Abläufe immer wieder geübt. Die Vorbereitung für Schlägereien oder Fechtkämpfe sind besonders aufwändig, fast wie beim Ballett wird eine ganze Choreografie einstudiert, der Bewegungsablauf genau abgesprochen. "Bei Treppenstürzen beispielsweise ist eine gute Abrolltechnik absolut notwendig. Wenn jemand, der ungeübt ist, die Treppe hinunterfällt, bricht er sich wahrscheinlich sämtliche Knochen", sagt Borysenko.

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