Frage: Frau Lüdemann, gilt der Dresscode im Job auch bei Temperaturen über 30 Grad?

Carolin Lüdemann: Ja. Der Dresscode ändert sich nicht. Es sei denn, das Unternehmen hat einen anderen Dresscode für den Sommer herausgegeben. Banken erlauben manchmal, dass im Sommer ein kurzärmliges Hemd getragen werden darf. Solche Ausnahmen für warmes Wetter sind aber eher rückläufig. Die Unternehmen haben die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter den Kleidungsstil dann zu locker handhaben. Für manchen Kollegen fängt der Sommer nämlich schon an den ersten warmen Tagen im April an.

Frage: Was sind klassische Dresscode-Sünden?

Lüdemann: Eine Regel gilt immer: Kurze Hosen sind nicht erlaubt. Wenn die Krawatte im Unternehmen Vorschrift ist, fällt auch das Kurzarm-Hemd weg. Zur Krawatte gehört einfach ein langärmliges Hemd, das man aber – wenn zu heiß wird – hochkrempeln darf. Für Frauen gilt: Ganz egal, wie warm es draußen ist, sobald sie Bein zeigen, müssen sie auch immer Feinstrümpfe tragen. Die Oberteile müssen immer die Schultern bedecken und einen Ärmelansatz haben. Die berühmten Spaghetti-Träger dürfen es dann nicht gerade sein. Auch Sonnenbrillen haben im beruflichen Kontext nichts zu suchen. Auch wenn man sie locker ins Haar steckt, vermitteln Sonnbrillen doch eher Freizeitcharakter als Seriosität. Zudem wecken sie den Eindruck, dass man etwas zu verbergen hat.

Frage: Wie viel nackte Haut darf sein?

Lüdemann: Die Kleidung darf nicht zu kurz oder zu knapp ausfallen. Wenn Frauen einen Rock tragen, muss er eine Handbreit über dem Knie enden, in konservativen Branchen sagt man sogar knieumspielend.

Frage: Und das Schuhwerk?

Lüdemann: Offene Schuhe gehen auf gar keinen Fall, weder bei den Herren noch bei den Damen. Männer müssen geschlossene Schuhe tragen, also nichts, was in irgendeiner Weise an Sandalen erinnern könnte. Bei den Damen müssen die Schuhe um die Zehen herum ebenfalls immer geschlossen sein, nur an der Ferse dürfen sie offen sein. Flip-Flops sind daher ein No-Go.

Frage: Was ist, wenn der Chef luftige Kleidung erlaubt – dürfen Tattoos und Körperschmuck gezeigt werden?

Lüdemann: Nein, das geht nicht. Ich sage immer, dass man die Regeln für sich selbst und nicht für jemand anderen befolgt. Wer dagegen verstößt, der tut das auf eigene Gefahr. Wenn jemand also Tattoos oder Köperschmuck zur Schau stellt, dann ist er sehr risikofreudig.

Frage: In manchen Unternehmen sieht man das aber lockerer.

Lüdemann: Es muss immer darauf geachtet werden, in welcher Branche, in welchem Unternehmen und in welcher Position jemand arbeitet. Daraus leitet sich ab, wie hoch die Anforderungen an den Dresscode sind. Wer in der IT-Branche oder in einer Werbeagentur arbeitet, für den gilt ein anderer Dresscode als für Mitarbeiter in einer Bank oder einem Dax-Konzern. Zudem darf man sich dort, wo es keinen Kundenkontakt gibt, etwas legerer kleiden.