Hitze im Büro"Der Dresscode ändert sich nicht"

Bei heißen Temperaturen wird die Arbeit im Büro zur Qual. Die Kniggeexpertin Carolin Lüdemann erklärt im Interview, worauf bei der Kleiderwahl im Sommer zu achten ist. von Martin Maibuecher

Frage: Frau Lüdemann, gilt der Dresscode im Job auch bei Temperaturen über 30 Grad?

Carolin Lüdemann: Ja. Der Dresscode ändert sich nicht. Es sei denn, das Unternehmen hat einen anderen Dresscode für den Sommer herausgegeben. Banken erlauben manchmal, dass im Sommer ein kurzärmliges Hemd getragen werden darf. Solche Ausnahmen für warmes Wetter sind aber eher rückläufig. Die Unternehmen haben die Erfahrung gemacht, dass Mitarbeiter den Kleidungsstil dann zu locker handhaben. Für manchen Kollegen fängt der Sommer nämlich schon an den ersten warmen Tagen im April an.

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Frage: Was sind klassische Dresscode-Sünden?

Carolin Lüdemann
Carolin Lüdemann

Die Juristin Carolin Lüdemann arbeitet als Business-Coach. In ihrem Knigge-Blog gibt sie Tipps für adäquates Auftreten im Berufsleben.

Lüdemann: Eine Regel gilt immer: Kurze Hosen sind nicht erlaubt. Wenn die Krawatte im Unternehmen Vorschrift ist, fällt auch das Kurzarm-Hemd weg. Zur Krawatte gehört einfach ein langärmliges Hemd, das man aber – wenn zu heiß wird – hochkrempeln darf. Für Frauen gilt: Ganz egal, wie warm es draußen ist, sobald sie Bein zeigen, müssen sie auch immer Feinstrümpfe tragen. Die Oberteile müssen immer die Schultern bedecken und einen Ärmelansatz haben. Die berühmten Spaghetti-Träger dürfen es dann nicht gerade sein. Auch Sonnenbrillen haben im beruflichen Kontext nichts zu suchen. Auch wenn man sie locker ins Haar steckt, vermitteln Sonnbrillen doch eher Freizeitcharakter als Seriosität. Zudem wecken sie den Eindruck, dass man etwas zu verbergen hat.

Frage: Wie viel nackte Haut darf sein?

Lüdemann: Die Kleidung darf nicht zu kurz oder zu knapp ausfallen. Wenn Frauen einen Rock tragen, muss er eine Handbreit über dem Knie enden, in konservativen Branchen sagt man sogar knieumspielend.

Frage: Und das Schuhwerk?

Lüdemann: Offene Schuhe gehen auf gar keinen Fall, weder bei den Herren noch bei den Damen. Männer müssen geschlossene Schuhe tragen, also nichts, was in irgendeiner Weise an Sandalen erinnern könnte. Bei den Damen müssen die Schuhe um die Zehen herum ebenfalls immer geschlossen sein, nur an der Ferse dürfen sie offen sein. Flip-Flops sind daher ein No-Go.

Frage: Was ist, wenn der Chef luftige Kleidung erlaubt – dürfen Tattoos und Körperschmuck gezeigt werden?

Lüdemann: Nein, das geht nicht. Ich sage immer, dass man die Regeln für sich selbst und nicht für jemand anderen befolgt. Wer dagegen verstößt, der tut das auf eigene Gefahr. Wenn jemand also Tattoos oder Köperschmuck zur Schau stellt, dann ist er sehr risikofreudig.

Frage: In manchen Unternehmen sieht man das aber lockerer.

Lüdemann: Es muss immer darauf geachtet werden, in welcher Branche, in welchem Unternehmen und in welcher Position jemand arbeitet. Daraus leitet sich ab, wie hoch die Anforderungen an den Dresscode sind. Wer in der IT-Branche oder in einer Werbeagentur arbeitet, für den gilt ein anderer Dresscode als für Mitarbeiter in einer Bank oder einem Dax-Konzern. Zudem darf man sich dort, wo es keinen Kundenkontakt gibt, etwas legerer kleiden.

Leserkommentare
  1. Sehr geehrter Herr Maibuecher,
    seien Sie ein Vorbild. Schreiben Sie "hohe Temperaturen".

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    Temperaturen können nicht heiß sein - eine Herdplatte hingegen schon. Aber offenbar sieht selbst die ZEIT keinen Grund mehr dafür, mit diesem schlampigen Sprachgebrauch aufzuhören - schade.

    Wenn es 36 Grad warm ist, oder auch nur 28 grad, es ist immer nur eine Temperatur. Singular.

    • engelx4
    • 14. August 2010 15:49 Uhr

    jahrhundert lebt fr. lüdemann? in den banken die ich kenne, tragen männer auch jeans, t-shirts oder kurzärmelige polohemden im sommer. und frauen mit kniefreien röcken/kleidern und eleganten sandalen sind gott sei dank normal. auch ohne feinstrumpfhosen. wichtiger sind rasierte beine und achseln bei frauen.

    • dapeda
    • 14. August 2010 15:51 Uhr

    scheinen in Österreich rückläufig zu sein. Insbesondere Krawatten.
    Endlich kehrt Vernunft ein. Der Mensch zählt, nicht die Hülle.

  2. Uniform soll Hierarchie erzwingen, und das Anlegen einer Krawatte ist ein Akt der Selbstkastration. wer in einem so heissen Sommer wie diesem - dem noch sehr viele, duraus noch heissere, folgenwerden auf eine Machtausübung nach Art des 19. Jahrhunderts besteht, für den darf im 21. kein Platz sein.

  3. So à la: ''Ich habe 3 Milliarden an fremdem Geld bei riskanten Geschäften verspielt, ich verkaufe meine Yacht und meine restliche Häuser und spende es zu gleichen Teilen an 'Ärzte ohne Grenzen' und an das Schweigekloster, in das ich mich zwecks Läuterung für 3 Jahre begeben werde!"

  4. Ich habe meinen Vorgesetzten immer erklärt, dass eine Krawatte meiner Blutzufuhr in das Gehirn nicht förderlich ist.
    Viele meiner Vorgesetzten hatten dafür Verständnis.

    Kurze Hosen und Badeschlappen gehen allerdings wirklich nicht!
    Ich bin froh, dass sich die strenge Krawattenregel gelockert hat.

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    Es scheint ein weit verbreiteter Irrtum zu sein, dass eine Krawatte die Luft- und Blutzufuhr zum Gehirn behindert. Selbiges tut der Hemdenkragen, wenn er eine unpassende, sprich zu enge, Groesse hat. Ich lebe in einem wesentlich heisseren Teil der Welt als Deutschland und trage fast taeglich Krawatten, ganz ohne Durchblutungsschwierigkeiten.

  5. Und hier wird eine Knigge-Expertin rangekarrt.

    In was für einem Land lebe ich, in dem man den Leuten sagen muß wie sie sich Ihrer Arbeitumgebung passend kleiden? :-)

    Nächster Artikelvorschlag: eine Kombination zwischen Ernährungsberatung und Personalcoach.... Wie kaue ich richtig, ein Tomaten-Kresse-Mozarella Vollkornbrot und mache dabei, einen fit-vitalen Eindruck, bei meinen Kollegen.

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    aber das heisst doch nicht, dass man sich nicht mehr über unwichtige Themen unterhalten oder informieren darf. Was die wichtigen Themen angeht, schauen Sie doch einfach auf die Startseite der Zeit, da wimmelts nur so von Immanenz. Triviales nicht zuzulassen zeugt leider von Pedanterie und Freudlosigkeit.

  6. aber das heisst doch nicht, dass man sich nicht mehr über unwichtige Themen unterhalten oder informieren darf. Was die wichtigen Themen angeht, schauen Sie doch einfach auf die Startseite der Zeit, da wimmelts nur so von Immanenz. Triviales nicht zuzulassen zeugt leider von Pedanterie und Freudlosigkeit.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Karriere.de
  • Schlagworte Arbeitnehmer | IT-Branche | Sommer | Unternehmen | Bank | Rock
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