Mein erster Arbeitstag "Ich habe an meinem Traumberuf gezweifelt"
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Chefredakteurin ohne Büro

Eva Kohlrusch war 1984 die erste Frau in der Chefredaktion der Bild . Die heutige Kolumnistin der Zeitschrift Bunte erinnert sich an ihren ersten Tag als Chefredakteurin:

"Am liebsten wäre ich am Abend, bevor ich als erste Frau in die versiegelte Männerriege der Bild -Chefredaktion einzog, einfach abgetaucht. War das nicht alles sehr verwegen? Eine Freundin hatte mich ermutigt: "Du gewinnst Entscheidungsmacht." Zwei andere Kolleginnen hatten mich angespuckt: "Springer? Igitt!"

Ich erinnere mich, dass ich mich für meinen ersten Arbeitstag aufpumpte wie ein Ochsenfrosch. "Du wolltest, was du da tust", predigte ich mir abends vor. Ich war halt neugierig. Eitel. Scharf auf Herausforderungen. Trotzdem schlief ich schlecht.

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Am nächsten Morgen gefiel ich mir. "Du hast den Auftrag, die Bild -Zeitung speziell für Frauen lesbar – also erträglich – zu machen", sagte ich meinem Spiegelbild. "Du wirst trainieren, auch Kompliziertes auf den knappsten, verstehbaren Punkt zu bringen. Das zwingt zur Genauigkeit des Denkens. Vergiss also den ewigen Verriss des Boulevardjournalismus. Man kann das alles auch intelligent machen."

Eva Kohlrusch
Eva Kohlrusch

Eva Kohlrusch begann ihre Karriere als Journalistin in den 60er Jahren. Nach ihrer Ausbildung beim NDR wechselte sie in den Bouleveardjournalismus. 1984 wurde sie die erste Frau in der Chefredaktion der BILD-Zeitung. Heute arbeitet sie als Kolumnistin der Zeitschrift Bunte. Kohlrusch ist Autorin zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien ihr Buch Besondere Frauen und ihre Gärten. In ihrer Freizeit engagiert sich Kohlrusch als Vorstandsvorsitzende im Deutschen Journalistinnenbund, einem Zusammenschluss von Medienfrauen.

Ja, so dachte ich mir meine Zukunft als stellvertretende Chefredakteurin. "Wie ist sie denn?", hatten die Kollegen gefragt. Jemand fand: "Außen Apfelstrudel. Innen Granit." Dann war schon der Einstieg wenig elegant. Es war kein Büro für mich vorbereitet. Und eine Sekretärin sprach mich mit "Frau Kohlbauch" an. Zur allerersten Morgenkonferenz mit meinen sechs Chefkollegen setzte ich mich prompt aufs falsche Sofa, was die eingefleischte Sitzordnung durcheinander brachte. Beim Vorstellungsrundgang in der Redaktion erkannte ich schnell, wer meine zukünftigen Feindinnen sein würden. Frauen verziehen damals noch schlechter , wenn eine Frau an ihnen vorbeizog.

Abends wurde ich brachial darauf gestoßen, dass Männer etwas ganz anderes unter "frauenrelevanten Themen" verstanden als ich. Während ich plante, mehr Frauen als Expertinnen vorkommen zu lassen, wollten meine Herren Kollegen Themen im Blatt sehen wie "Hilfe, ich bin in meinen Chef verliebt" oder "Hilfe, mein Mann spricht nicht mit mir!". 

So ein erster Tag kann also äußerst irritierend sein.

Nebenbei: Es blieb so. Acht Jahre lang war ich stellvertretende Chefredakteurin. Es war schwer, sich als einzige Frau in der Männerrunde rechtfertigen zu müssen. Eigentlich hatte ich es mit etwa 30 Frauen zu tun – jeder meiner sechs Chefredakteurskollegen kannte ja mindestens fünf: Seine Mutter, seine Frau, die Geliebte, die Putzfrau, die Sekretärin. Die schwebten wie Luftballons unter der Decke, und wann immer ich etwas entschied, wurde eine davon heruntergezogen: "Meine Frau sagt aber… Da sollten wir aber mal die Sekretärinnen fragen…" Ach ja."

Protokolle: Bettina Malter

 
Leser-Kommentare
    • 42317
    • 04.08.2010 um 12:18 Uhr

    Irre, der Artikelteil von dem Mechaniker ist der beste. Gut zu wissen, welche Bildungsmöglichkeiten einem da heute offen stehen, Hoffentlich werden Sie rege genutzt.
    Aber: Rauchverbot! Wie gemein! So was aber auch!
    Ist doch eine gute Gelegenheit, den Mist gleich zu lassen, oder?

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