Gründung Erst das Konzept, dann das Kapital
Um ein Unternehmen erfolgreich zu gründen, braucht man kein Geld sondern eine Idee, sagt der Business Angel Günter Faltin. Wie das geht, erklärt er einem jungen Gründer.
© Mark Wilson/Getty Images

Jeder kann ein Unternehmer werden. Mehr als eine kreative Idee braucht es nicht, sagt der Gründungspapst Günter Faltin
Man braucht kein Geld um Unternehmer zu sein, behauptet Günter Faltin. Der Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin hat mehrere erfolgreiche Firmen gegründet. In seinem Buch Kopf schlägt Kapitel vertritt er die These, dass ein gut durchdachtes Konzept ausschlaggebender sei als das Kapital und dass jeder eine erfolgreiche Firma gründen kann.
Ist dies auch die Erfahrung, die Unternehmensgründer machen? Nein, das Geld kommt nicht von allein. Gerade die Kapitalbeschaffung schreckt viele ab. Und auch das Know-how ist sehr wichtig, sagt der 31-jährige Daniel Jung. Er hat selbst Entrepreneurship studiert und gründet derzeit mit Freunden ein Unternehmen . ZEIT ONLINE hat beide zusammengebracht.

Günter Faltin ist Professor an der Freien Universität Berlin, wo er den Arbeitsbereich Entrepreneurship leitete. 1985 war er Gründer des Unternehmens Projektwerkstatt GmbH und initiierte die Teekampagne; einer der größten Importeure von Darjeeling-Tee weltweit. Er ist Gründungsmitglied des Existenzgründer-Instituts und errichtete die Stiftung Entrepreneurshop. Er ist Autor des Buches Kopf schlägt Kapital.
ZEIT ONLINE: Herr Faltin, immer wieder wird bemängelt, dass es in Deutschland an innovativen Gründungen fehlt. Und ein Großteil der Existenzgründungen scheitert. Warum ist das so?
Günter Faltin: Viele Gründungen scheitern, weil die Leute zwar mit schönen Ideen, aber nicht mit wirklich durchdachten Konzepten starten. Außerdem überfordern sich viele Gründer, wenn sie alle Verwaltungsaufgaben selbst übernehmen wollen. Ein Gründer muss sich nicht mit Bürokratie und Buchhaltung belasten. Dafür gibt es heute professionelle Dienstleister. Er soll sich auch auf sein Ideenkonzept und seine Ausarbeitung konzentrieren.
ZEIT ONLINE: Aber das kostet und den meisten Gründern fehlt Geld.
Faltin: Darauf antworte ich immer: Wenn Ihnen Professionalität zu teuer ist, versuchen Sie es doch mit Unprofessionalität. Nicht das fehlende Kapital ist der Grund, weswegen in Deutschland so wenige Unternehmen gründen. Meine Erfahrung sagt: Wenn Sie ein wirklich gutes Konzept haben, laufen Ihnen die Geldgeber hinterher.
ZEIT ONLINE: Herr Jung, wie gut ist Ihr Konzept? Immerhin stehen Sie mit Ihrem Unternehmen gerade in der Phase, in der investiert werden müsste. Skizzieren Sie doch mal, was Sie vorhaben.
Jung: Wir wollen eine bestimmte Sorte Funsporträder aus Asien importieren und sie mit einem innovativen Verkaufskonzept in Europa vertreiben. Unser Alleinstellungsmerkmal ist neben dem deutlich geringeren Preis im Vergleich zu Wettbewerbern die Möglichkeit für die Kunden, sich das Rad individuell zusammenzustellen. Wir haben Lieferanten aufgetan und müssten Räder zum Verkaufsstart bestellen – aber das kostet. Wir sind unsicher, ob wir jetzt schon so viel Geld investieren sollten. Es ist noch völlig unklar, ob unsere Idee erfolgreich ist und wie groß die tatsächliche Nachfrage sein wird.
Faltin: In Ihrem Stadium ist es noch viel zu früh, Fahrräder zu bestellen. Die Lieferanten werden Ihnen schlechte Preise machen, weil Sie zu wenig ordern. Bessere Preise bekämen Sie erst, wenn Sie hohe Mengen bestellen. Aber Sie wollen Ihre Idee ja erst mit wenigen und nicht gleich mit 10.000 Rädern testen.
Jung: Es ist so, dass die Mindestbestellmengen noch zu groß für unseren jetzigen Bedarf in der Testphase sind.
Faltin: Denken Sie nicht so konventionell. Mir ging es damals mit meinem Unternehmen, der Teekampagne, ganz ähnlich. Wir importieren Tee und haben den Kunden den besten der Welt zu einem extrem günstigsten Preisen zugesagt – aber Vorauszahlung verlangt. Selbst auf diese ziemlich kunden-unfreundliche Weise haben wir viele Bestellungen erhalten und damit den proof of concept erbracht, also den Beweis, dass unsere Idee funktioniert. Machen Sie doch den Test im Kleinen. Und wichtig: Sammeln Sie in dieser Testphase auch gleich die ersten Kundenbestellungen.
Jung: Das ist eine gute Idee. Allerdings kostet die Arbeit am Konzept sehr viel Zeit und die ist knapp. Wir müssen uns ja unterdessen finanzieren, auch um investieren zu können. Wenn wir aber unseren normalen Jobs nachgehen, haben wir wenig Zeit, um uns intensiv auf die Unternehmensgründung zu konzentrieren.
Faltin: Es geht ja noch gar nicht um die Unternehmensgründung, sondern um die Arbeit am Konzept. Dafür ist es gar nicht das schlechteste, wenn man einem regulären Job nachgeht. So bekommt man Abstand, der wichtig ist, um sich mit neuen Ideen seinem Konzept zuwenden zu können. Sie müssen aber aufpassen, dass Sie ihre Zeit nicht verschwenden! Ich zum Beispiel nutze meine freie Zeit am liebsten, um sie mit meinen "Ideenkindern" zu verbringen, wie ich meine Unternehmen nennen.
- Datum 14.07.2010 - 13:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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'In seinem Buch Kopf schlägt Kapitel vertritt er die These,...'
Tatsächlich schlägt der Kopf das Kapital ;)
Ansonsten lesenswertes Interview, dankeschön!
@Acces: Da war ich beim Schreiben wohl auch schon beim nächsten Kapitel. Danke für den Hinweis. Wir haben den Tippfehler umgehend korrigiert und bitten um Entschuldigung.
mit herzlichen Grüßen,
Tina Groll
Noch ein paar Fahrräder aus China. Was für eine innovative Idee.
... der Optimismus ist wahrscheinlich branchenspezifisch.
"Dafür ist es gar nicht das schlechteste, wenn man einem regulären Job nachgeht. So bekommt man Abstand, der wichtig ist, um sich mit neuen Ideen seinem Konzept zuwenden zu können."
? Ich habe neben dem regulären Job kaum ausreichend Zeit Haushalt und Co gescheit über die Bühne zu bringen. Oder mit anderen Worten: dieser Vorschlag funktioniert nur, wenn man überdurchschnittlich motiviert ist, keine Familie hat und keinen besonders beanspruchenden Job.
Bei einem typischen BWL-er Firmenkonzept, billig einkaufen und teuer verkaufen, mag das vielleicht noch angehen, wobei ich den Aufwand auch da nicht unterschätzen würde. Bei einer richtigen Wertschöpfung, etwa einem eigenem Produkt, sieht die Sache doch ganz anders aus. Da können vorher Jahre an Entwicklungsarbeit anstehen.
Und allein die Recherche: Gibts das schon? Wie sieht die Konkurrenz aus? Wie sieht der Markt aus? Welche Entwicklungen sind zu erwarten? Welche Patente blockieren, bzw. muss ich anmelden? Wie verhindere ich, dass das fertige Produkt in China raubkopiert wird usw. kosten jede Menge Zeit und sind von einem unerfahrenen Neugründer kaum zu stemmen.
Die gleichen Überlegungen wie Sie hatte ich auch:
1. Ja keine Familie haben
2. Ich sehe wirklich keine Innovation darin, Sachen aus Übersee billig zu importieren und einen Hype aufzubauen um es teuer zu verkaufen. Innovation steckt in Entwicklung eines neuen Produkts und dazu bedarf es etwas mehr Zeit und Köpfchen als ein Verkaufskonzept...
Ich finde diese BWLer echt lustig, die meinen durch Spekulation das Rad immer wieder neu zu erfinden. Das Bizarre ist aber, dass sie damit tatsächlich Erfolg haben. Na ja, liegt halt an den Konsumenten die einer geschickten Werbung hinterlaufen und alles kaufen, was entsprechend rübergebracht wird...
Die gleichen Überlegungen wie Sie hatte ich auch:
1. Ja keine Familie haben
2. Ich sehe wirklich keine Innovation darin, Sachen aus Übersee billig zu importieren und einen Hype aufzubauen um es teuer zu verkaufen. Innovation steckt in Entwicklung eines neuen Produkts und dazu bedarf es etwas mehr Zeit und Köpfchen als ein Verkaufskonzept...
Ich finde diese BWLer echt lustig, die meinen durch Spekulation das Rad immer wieder neu zu erfinden. Das Bizarre ist aber, dass sie damit tatsächlich Erfolg haben. Na ja, liegt halt an den Konsumenten die einer geschickten Werbung hinterlaufen und alles kaufen, was entsprechend rübergebracht wird...
Die gleichen Überlegungen wie Sie hatte ich auch:
1. Ja keine Familie haben
2. Ich sehe wirklich keine Innovation darin, Sachen aus Übersee billig zu importieren und einen Hype aufzubauen um es teuer zu verkaufen. Innovation steckt in Entwicklung eines neuen Produkts und dazu bedarf es etwas mehr Zeit und Köpfchen als ein Verkaufskonzept...
Ich finde diese BWLer echt lustig, die meinen durch Spekulation das Rad immer wieder neu zu erfinden. Das Bizarre ist aber, dass sie damit tatsächlich Erfolg haben. Na ja, liegt halt an den Konsumenten die einer geschickten Werbung hinterlaufen und alles kaufen, was entsprechend rübergebracht wird...
Ich teile ihre Meinung, dass es kein besonders originelles Konzept ist, ein bereits bestehendes Produkt aus dem Ausland zu importieren und hierzulande zu vermarkten. Aber erfolgreich kann es trotzdem sein. Bestes Beispiel hierfuer ist Red Bull, stammt aus Thailand und gibt's dort schon seit langer Zeit. Man hat dieses Getraenk hier clever vermarktet, das ist alles..... und wo das Unternehmen heute steht wissen wir ja!
Vielleicht macht die Firma des jungen Mannes aus dem Artikel ja in 10 Jahren aehnliche Schlagzeilen? Ich wuensche ihm viel Glueck.
Ich teile ihre Meinung, dass es kein besonders originelles Konzept ist, ein bereits bestehendes Produkt aus dem Ausland zu importieren und hierzulande zu vermarkten. Aber erfolgreich kann es trotzdem sein. Bestes Beispiel hierfuer ist Red Bull, stammt aus Thailand und gibt's dort schon seit langer Zeit. Man hat dieses Getraenk hier clever vermarktet, das ist alles..... und wo das Unternehmen heute steht wissen wir ja!
Vielleicht macht die Firma des jungen Mannes aus dem Artikel ja in 10 Jahren aehnliche Schlagzeilen? Ich wuensche ihm viel Glueck.
Ich selbst habe als Alleinbuchhalter für eine Firma gearbeitet, die Fitnessgeräte aus China importierte. Für den Preis von einem einheimischen Gerät bekam man 10 aus China... ganz toll !!! Leider "keine Rose ohne Dornen" :
gravierende Verarbeitungsfehler ( dadurch entstanden Nachbearbeitungskosten, die den Gewinn auffrassen ) Vorkasse, keine Garantie, keine Ansprechpartner und auf Ersatzteile wartet man eine halbe Ewigkeit.Ist alles nur Schrott, was aus dem Osten kommt!
Er soll besser einen Zweiradmechaniker und einen Schlosser einstellen, die die Teile zusammenbraten, klein aber fein !
Alles Gute
>>Er soll besser einen Zweiradmechaniker und einen Schlosser einstellen, die die Teile zusammenbraten, klein aber fein !<<
Seh ich genauso.
Handel ist natürlich gut für die Wirtschaft, aber man kanns auch übertreiben..
Irgendwann gibts in Europa keinen Mittelstand mehr, und die paar Reichen, die übrig bleiben, kaufen sich dann bestimmt keine billigen Spaßfahrräder!
Und die Masse der Unterschicht, sie wird andere Sorgen haben..
>>Er soll besser einen Zweiradmechaniker und einen Schlosser einstellen, die die Teile zusammenbraten, klein aber fein !<<
Seh ich genauso.
Handel ist natürlich gut für die Wirtschaft, aber man kanns auch übertreiben..
Irgendwann gibts in Europa keinen Mittelstand mehr, und die paar Reichen, die übrig bleiben, kaufen sich dann bestimmt keine billigen Spaßfahrräder!
Und die Masse der Unterschicht, sie wird andere Sorgen haben..
>>Er soll besser einen Zweiradmechaniker und einen Schlosser einstellen, die die Teile zusammenbraten, klein aber fein !<<
Seh ich genauso.
Handel ist natürlich gut für die Wirtschaft, aber man kanns auch übertreiben..
Irgendwann gibts in Europa keinen Mittelstand mehr, und die paar Reichen, die übrig bleiben, kaufen sich dann bestimmt keine billigen Spaßfahrräder!
Und die Masse der Unterschicht, sie wird andere Sorgen haben..
Ich teile ihre Meinung, dass es kein besonders originelles Konzept ist, ein bereits bestehendes Produkt aus dem Ausland zu importieren und hierzulande zu vermarkten. Aber erfolgreich kann es trotzdem sein. Bestes Beispiel hierfuer ist Red Bull, stammt aus Thailand und gibt's dort schon seit langer Zeit. Man hat dieses Getraenk hier clever vermarktet, das ist alles..... und wo das Unternehmen heute steht wissen wir ja!
Vielleicht macht die Firma des jungen Mannes aus dem Artikel ja in 10 Jahren aehnliche Schlagzeilen? Ich wuensche ihm viel Glueck.
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