Sprengmeister Kaputt machen ist sein Job
Wenn Bagger und Abrissbirne nicht mehr weiterkommen, zerstören Sprengmeister, was auf herkömmliche Weise nicht zerstört werden kann. Ihr Joballtag im Beruf der Woche
© Gianluigi Guercia/AFP/Getty Images

Sprengung von zwei Türmen in Südafrika
Der Countdown läuft. Dieter Schaal ist angespannt. Auch nach über 40 Jahren als Sprengmeister hat er vor jeder Sprengung ein Kribbeln im Bauch. Nur noch ein paar Sekunden, dann wird sich entscheiden, ob er und sein Team präzise gearbeitet haben und der Kamin einer alten Fabrik, wie berechnet, in sich zusammenfällt.
"Wenn man die Zündmaschine aktiviert und den Zündungsknopf drückt, ist schon sehr viel Herzklopfen dabei", sagt Schaal. Routine lässt er in seinem Beruf nicht aufkommen. Die wäre fatal. "Man muss bei der Vorbereitung einer Sprengung sehr gewissenhaft arbeiten", sagt er.
Fehler kann er sich nicht leisten, immerhin hantiert er mit hochexplosiven Sprengstoffen. Zwei Worst-Case-Szenarien gibt es beispielsweise bei Gebäudesprengungen: Wenn Teile des Gebäudes stehen bleiben oder es in die falsche Richtung fällt und umliegende Gebäude beschädigt. Eine gewissenhafte und umfangreiche Vorbereitung ist deshalb Pflicht. Zunächst muss Schaal feststellen, welche Schwierigkeiten bei der Sprengung eines Gebäudes auftreten können, dann werden die nicht tragenden Teile des Gebäudes entfernt.
"Man muss Ahnung von Statik haben, damit man weiß, welche Teile eines Gebäudes entfernt werden können, ohne dass das Gebäude vielleicht schon teilweise zusammenbricht", sagt Schaal. Die tragenden Teile, um die es bei einer Sprengung geht, werden mit Bohrungen versehen, in die der Sprengstoff gegeben wird. Wer jetzt meint, je mehr Sprengstoff, desto besser, irrt: "Die nötige Menge Sprengstoff wird vorab genau berechnet", sagt Schaal.
Zum Schutz vor umher fliegenden Trümmern werden die zu sprengenden Teile mit Stroh umwickelt und zusätzlich mit Vliesmatten abgehängt.
Auch eine Menge Papier- und Organisationsarbeit fällt vorab an. Eine Sprengung kann erst durchgeführt werden, wenn alle dafür nötigen Versicherungen abgeschlossen wurden, die entsprechenden Genehmigungen vorhanden sind und die Gegend weiträumig abgesperrt wurde. Erst wenn alles vorbereitet, abgesichert und mehrfach kontrolliert wurde, wird gesprengt.
Sprengberechtigte kommen nicht nur bei Abrissarbeiten zum Einsatz. Sie arbeiten auch im Tunnelbau, führen Schlackesprengung in Hochöfen durch, machen Großbohrloch- und Unterwassersprengungen sowie Eis- und Schneefeldsprengungen, beispielsweise zur Lawinenentschärfung.
- Datum 27.08.2010 - 14:55 Uhr
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- Serie Beruf der Woche
- Quelle ZEIT ONLINE
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Einen Link auf das Sprengstoffrecht im Netz zu legen ist eine große Hilfe :-) . Es ist zwar schon ein paar Jahre her, daß ich als Beamter für Sprengstoffrecht zuständig war, aber ich erinnere mich noch gut daran, daß es kaum etwas Komplizierteres unter den deutschen Gesetzen und Verordnungen gibt. Viel Spaß beim Lesen!
Die Ausbildung ist insofern durchaus staatlich gereglet, als die Lehrgänge eine behördliche Anerkennung brauchen.
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